Beim Studium der Anträge der Kritischen Arminen zur Änderung der Satzung des Vereins ist mir die folgende Passage aufgefallen, zu der ich von Seiten der Verfasser gerne einmal eine Erklärung hätte:
| Zitat: |
5. Änderung des § 11.2 der Satzung:
„Die Mitgliederversammlung beschließt mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen – Stimmenthaltungen und ungültige Stimmen werden nicht mitgezählt -, sofern die Satzung oder zwingendes Gesetzesrecht nicht eine andere Mehrheit vorschreibt. Stimmengleichheit gilt als Ablehnung. Satzungsänderungen können nur mit einer Mehrheit von ¾ der erschienenen Stimmberechtigten beschlossen werden.
Auf Antrag von 10 % der erschienenen Mitglieder sind Abstimmungen geheim durchzuführen“
Hierdurch wird sichergestellt, dass die Möglichkeit der geheimen Abstimmung besteht, wenn ein Teil der Mitglieder dies wünscht. Durch die geheime Abstimmung hat jedes Mitglied die Möglichkeit, frei von äußeren Einflüssen seine Stimme abzugeben. So kann psychischer Druck auf den Einzelnen verhindert werden. Zugleich ist dieser leichtere Zugang zu geheimen Wahlen ein urdemokratisches Prinzip, das auch vereinsintern Berücksichtigung finden sollte. |
Warum wird hier nur Demokratie auf Raten betrieben? Warum ist man nicht so konsequent, zu sagen, daß jede Abstimmung entweder gleich von vornherein geheim abgehalten werden muß oder aber wenigstens auf Antrag mindestens
eines stimmberechtigten Mitgliedes geheim abgehalten werden muß?
Durch das Aufstellen einer doch recht hoch bemessenen Hürde für die Anberaumung einer geheimen Abstimmung (bei der letzten Versammlung hätte man dafür mehrere Dutzend Fürsprecher finden müssen) ist eben gerade
nicht der in der Begründung angeführte Schutz vor äußerem Druck gewährleistet.
Ganz im Gegenteil: Der Druck auf den Einzelnen, der sich gemäß seinem Gewissen eigentlich dazu verpflichtet sieht, eine (vielleicht unpopuläre) Haltung bei einer Abstimmung einzunehmen, vergrößert sich naturgemäß überproportional, wenn diese Person oder nur ganz wenige Personen allein gegen alle stehen. Gerade in diesem Fall werden diese Wenigen auch nach der neuen Regelung niemals eine Chance haben, ihre Stimme in einer geheimen Abstimmung abzugeben - weil diese durch den Druck der Mehrheit niemals zustande kommen wird.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, daß auf mehreren Versammlungen der letzten Jahre jeder, der es wagte, in öffentlicher Abstimmung gegen Vorschläge des Vorstandes zu stimmen, aus den hinteren Reihen anonym beschimpft wurde. Von der Forderung auf Vereinsausschluß bis hin zur unverhohlenen Drohung mit körperlicher Gewalt war alles dabei.
Warum wohl hat es so lange gedauert, bis sich in diesem Verein eine halbwegs ernstzunehmende Opposition entwickeln konnte? Warum sind nicht früher mehr Leute aus der Phalanx der Alles-Abnicker-Fraktion ausgeschert? Ich weiß aus eigener Beobachtung, daß Mitglieder, die eigentlich Gegenstimmen abgeben wollten, sich von solchen Ereignissen derart haben einschüchtern lassen, daß sie es nicht gewagt haben, ihre wahre Meinung bei Abstimmungen kundzutun.
Bezeichnend übrigens, daß Präsident Hans-Hermann Schwick auf einen diesbezüglichen Brief nichts anderes zu antworten hatte, als daß man in der Gemeinschaft im Verein nichts voreinander zu verbergen habe. Aha...