Woher kommt die Info? Und wo zieht es ihn hin?
Steht in der NW; wohin es ihn zieht, ist noch unklar.
Woher kommt die Info? Und wo zieht es ihn hin?
Steht in der NW; wohin es ihn zieht, ist noch unklar.
Alles anzeigenIch glaube nicht, dass ich Dich nicht verstehe. Dein Ansatz ist, Spieler mit Hilfe von Statistiken „objektiver“ zu bewerten als es Trainer wegen ihrer Voreingenommmenheit tun. Und dass Fußball in hohem Maße berechenbar wäre.
Dabei übersiehst Du in meinen Augen, dass wir hier kein Computerspiel treiben. Sondern dass es menschliche Faktoren gibt. Korrigier mich, aber es gibt keine Statistik, die die Körpersprache einzelner Spieler erfasst, ob sie die Mitspieler nach Gegentoren motivieren, ob sie den Ball fordern oder sich wegducken, ob sie sich freilaufen etc.
Auf mein Argument, dass uns mit Corboz und Knoche Mentalitätsspieler verlassen, gehst Du null ein.
Du hältst Dich für klüger als Nagelsmann, mindestens als Kniat.
Du wirkst auf mich sehr verkopft und ich frage mich, ob Du schon mal ein Team geführt hast. Sorry für die vielleicht zu persönliche Kritik, aber das Versteifen allein auf Statistiken bringt es nicht. Und dass sich Erheben über Nagelsmann oder Kniat oder andere Experten wirkt halt auf mich unsympathisch. Die nw wird Jörg Weber schon geprüft haben, wenn sie ihn als Experten schreiben lässt. Auch Titel bekommt man, anders von Dir unterstellt, im Berufsleben durch Leistung (die man so oder so messen kann).
Was hast Du in Deinem Leben als Spieler oder Trainer geleistet, um Leuten wie Nagelsmann oder Kniat derart die Kompetenz abzusprechen?
Ich finde, hier wird ein bisschen aneinander vorbeidiskutiert.
Der ursprüngliche Punkt war doch gar nicht, dass Statistiken Trainer ersetzen oder Fußball vollständig berechenbar machen. Es ging lediglich darum, dass Daten helfen, menschliche Wahrnehmungsfehler (Bias) zu reduzieren. Das ist in Wissenschaft, Wirtschaft und mittlerweile auch im Profisport gelebte Praxis.
Deine Antwort widerlegt diese Aussage aber nicht, sondern wechselt auf eine andere Ebene. Aus “Statistiken sind eine belastbare Entscheidungsgrundlage” wird plötzlich “Du hältst dich für klüger als Nagelsmann”, “Du glaubst nur an Zahlen” oder “Du hast wohl noch nie ein Team geführt”. Das sind persönliche Zuschreibungen, aber keine inhaltliche Auseinandersetzung mit der eigentlichen These.
Dass es im Fußball weiche Faktoren gibt, bestreitet doch niemand. Natürlich sind Mentalität, Kommunikation oder Körpersprache relevant. Nur folgt daraus eben nicht, dass objektive Leistungsdaten an Aussagekraft verlieren.
Im Gegenteil: Gerade weil Menschen Wahrnehmungsfehler haben, investieren heute praktisch alle Profivereine enorme Summen in Datenanalyse. Liverpool, Brighton, Brentford, Como oder Midtjylland sind bekannte Beispiele dafür, wie datengetriebenes Scouting sportliche Vorteile schaffen kann. Auch in Deutschland verfügen sämtliche Profiklubs über Analyseabteilungen. Das geschieht nicht, weil Trainer keine Ahnung hätten, sondern weil Daten ihre Entscheidungen ergänzen und häufig sogar bessere Entscheidungen ermöglichen.
Das berühmte “Moneyball”-Prinzip beruht genau auf dieser Idee: Nicht der Mensch wird ersetzt, sondern seine blinden Flecken werden durch empirische Auswertungen reduziert.
Auch das Argument mit den Mentalitätsspielern überzeugt mich nicht vollständig. Natürlich kann ein Spieler wichtig für die Kabine sein. Aber am Ende wird Fußball auf dem Platz entschieden. Qualität und Leistung bleiben die Grundlage. Wenn Mentalität allein Spiele gewinnen würde, wären Mannschaften mit den lautesten Führungsspielern automatisch erfolgreich – das erleben wir aber regelmäßig nicht.
Und selbst bei den sogenannten weichen Faktoren gibt es enorme Interpretationsspielräume. Der eine empfindet einen Spieler als geborenen Leader, der andere als überheblich. Der eine sieht einen Motivator, der andere jemanden, der Mitspieler permanent zusammenfaltet. Genau deshalb sind solche Einschätzungen oft subjektiv. Leistungsdaten mögen ebenfalls nicht perfekt sein, sie sind aber zumindest reproduzierbar und für jeden nach denselben Maßstäben nachvollziehbar.
Am meisten gestört hat mich allerdings der Wechsel von der Sach- auf die Personenebene. Ob jemand selbst Trainer war oder nicht, sagt nichts darüber aus, ob sein Argument richtig oder falsch ist. Sonst dürfte niemand Trainerentscheidungen diskutieren, Transfers bewerten oder Journalisten kritisieren. Argumente werden nicht durch den Lebenslauf ihres Urhebers richtig, sondern durch ihre Begründung.Am Ende arbeiten die erfolgreichsten Vereine längst so, wie es hier beschrieben wurde: Sie kombinieren Erfahrung, Menschenkenntnis und Datenn.
Hat Mutzel denn Kniat entlassen? Weißt du mehr? Haus raus...!
Im NW-Podcast „Schwarz-Weiß-Schlau“ sagt Herr Linnenbrügger bei etwa Minute 2:40 wörtlich: „Jetzt hab ich mir gedacht, nachdem Mitch Kniat aufgegeben wurde – so formuliere ich es mal – könnte auch weniger Platz für Mael Corboz sein […].“
Zusammen mit der Bemerkung aus einer früheren Folge, dass Kniat nach seiner Demission noch einmal vorbeigeschaut habe, man darüber aber nichts erzählen dürfe, lässt mich diese Wortwahl aufhorchen. „Aufgegeben wurde“ klingt jedenfalls nicht nach einer freiwilligen Entscheidung Kniats, sondern eher danach, dass der Verein die Reißleine gezogen hat. Natürlich bleibt das Spekulation, aber die Formulierung ist schon interessant.
Naja, wenn der Anspruch ist, wieder eine Saison zu spielen, in der man in der Halbzeit des letzten Spieltags abgestiegen war, sollte man Telalovic sicherlich verpflichten.
Ansonsten darf das Regal schon etwas höher sein. Gerade für eine Stürmer muss man schon mal etwas in die Tasche greifen.
Und ja, genau, 8 Spieler haben das geschafft. Warum genau sollte es für Arminia nicht möglich sein, einen solchen Spieler zu verpflichten, wenn fast in jeder zweiten Mannschaft einer mit diesen Werten spielt?
Die Vorstellung, man müsse einfach einen Stürmer holen, der garantiert 20 Scorer liefert, blendet die Realität des Transfermarktes komplett aus.
Erstens gibt es keine Garantie auf 20 Scorer. Wenn es sie gäbe, würde dieser Spieler nicht bei Arminia landen. Spieler mit diesem Profil sind die gefragteste Ware im Fußball. Nach denen suchen Vereine aus der 2. Liga, der Bundesliga und dem Ausland gleichermaßen.
Zweitens gehört zu einem Transfer immer auch die Sicht des Spielers. Warum sollte sich ein nachweislich produktiver Offensivspieler ausgerechnet für Arminia entscheiden? Für einen Verein, der als Liganeuling wahrscheinlich eher gegen den Abstieg als um den Aufstieg spielt, mit einem neuen Trainer, dessen Spielidee, Entwicklung und Erfolgsaussichten heute niemand seriös einschätzen kann? Das ist auch für den Spieler ein Risiko.
Drittens setzt die Forderung voraus, dass Arminia überhaupt die finanziellen Möglichkeiten hat, bei Ablöse und Gehalt mitzuhalten. Die Spieler, die realistisch 20 Scorer erwarten lassen, sind normalerweise genau die Spieler, die von finanzstärkeren Vereinen umworben werden
Am Ende geht es nicht darum, einen „garantierten 20-Scorer-Spieler“ zu verpflichten, sondern Spieler zu finden, die ins System passen, Entwicklungspotenzial haben und im Verbund funktionieren. So kommen die meisten Vereine in Arminias Tabellenregion überhaupt erst zu erfolgreichen Transfers. Und falls am Ende doch ein Neuzugang auf 20 Scorer kommt, dann ist das kein Beleg dafür, dass man so etwas vorher erwarten konnte. Dann war das eine Mischung aus guter Kaderplanung, passendem Umfeld und dem Quäntchen Glück, das jeder erfolgreiche Transfer braucht. Solche Spieler findet man nicht, indem man sie fordert, sondern indem man sie entwickelt und überraschend entdeckt.
Ich hab noch nie den Anspruch verstanden, dass der Verein irgendwelche Informationspflichten gegenüber der Öffentlichkeit haben soll […]
Im Gegenteil, am Ende ist Arminia ein Arbeitgeber, der persönliche Belange seiner Spieler nicht willkürlich öffentlich machen darf […]
Natürlich hat ein Verein keine Pflicht, sämtliche Interna offenzulegen, und erst recht nicht, persönliche Angelegenheiten von Mitarbeitern oder Spielern öffentlich zu machen. Darüber dürfte Einigkeit bestehen.
Daraus folgt aber nicht automatisch, dass es keinerlei berechtigtes Interesse an Informationen über Entscheidungen und Entwicklungen innerhalb des Vereins gibt. Zwischen „wir veröffentlichen alles“ und „wir äußern uns grundsätzlich nicht“ liegt ein ziemlich breites Spektrum.
Hinzu kommt, dass ein Fußballverein eben nicht irgendein gewöhnliches Unternehmen ist. Er lebt von seinen Mitgliedern, Fans, Sponsoren und der öffentlichen Wahrnehmung. Gerade Mitglieder nehmen dabei eine besondere Rolle ein, weil sie nicht bloß Konsumenten eines Produkts sind, sondern zentraler Bestandteil des Vereins.
Ergänzend kommt hinzu: Ein Verein agiert bewusst in der Öffentlichkeit, nutzt mediale Aufmerksamkeit, Sponsorenpräsenz und Fanbindung als zentrale Bestandteile seines Geschäftsmodells. Wenn Öffentlichkeit in vielen Bereichen gewollt und wirtschaftlich genutzt wird, ist es zumindest nachvollziehbar, dass bei zentralen Entscheidungen auch ein berechtigtes Interesse an Transparenz und Kommunikation besteht; auch wenn daraus kein rechtlicher Auskunftsanspruch folgt.
Außerdem wird in solchen Diskussionen meiner Meinung nachoft ein Strohmann aufgebaut. Die wenigsten fordern doch, dass vertrauliche Personalgespräche veröffentlicht oder private Angelegenheiten von Spielern offengelegt werden. Meist geht es um vereinsbezogene Entscheidungen, strategische Weichenstellungen oder die Hintergründe wichtiger Entwicklungen. Dass Mitglieder und Fans dazu Fragen haben, halte ich für völlig legitim.
Am Ende geht es für mich ohnehin weniger um Informationspflichten im rechtlichen Sinne als um Vertrauen. Wer nachvollziehbar kommuniziert, schafft Akzeptanz, auch für unpopuläre Entscheidungen. Wer dagegen konsequent auf Kommunikation verzichtet, sollte sich nicht wundern, wenn Gerüchte und Unmut die entstandenen Lücken füllen.
Joel Felix hat sich wohl kürzlich mit seiner Frau ein Apartment in Kopenhagen gekauft - aber ich bezweifle, dass dies etwas zu bedeuten hat.
Alles anzeigenMutzel macht einen hervorragenden Job. In seiner ersten Saison hat er eine gute Truppe zusammengestellt, die die Klasse gehalten hat und im Jahr darauf mit punktuellen Verstärkungen aufgestiegen ist und das Pokalfinale erreicht hat. In seinem dritten Jahr steht der Klassenerhalt zu buche, der viel eher hätte klar sein müssen, was eindeutig am massiv überschätzten Kniat lag (keine erste Elf oder wenigstens eine Achse, die sich hätte einspielen können). Am Ende der Saison richtigerweise den Trainer entlassen und – wenn auch nach einigem Holpern – ein topp Trainertalent verpflichtet. Klar, Ihr wolltet alle lieber Horst Steffen oder sogar Steffen Baumgart oder Kniat behalten, aber ich befürchte für Euch, dass Oliver Kirch uns längerfristig viel Freude bringen wird.
Und da Kirch erst sehr kurz bei uns ist, werden sich die Neuverpflichtungen noch ein wenig hinziehen, und zwar auch, weil noch gar nicht klar ist, wer unter den ganzen von Kniat ausgebooteten Spielern nicht doch noch eine Bereicherung sein kann (allen voran Mehlem, Schreck und Boakye).
Dazu kommt, dass ja angeblich Millionen für Momuluh fließen werden und erst nach diesem Millionendeal überhaupt feststeht, in welches Regal wir greifen können, um uns zu verstärken.
Die von Dir so gelobten Dresdener haben übrigens bisher ganze zwei Spieler verpflichtet:
- Kaan Inanoglu, der letzte Saison in der fünften (Frankfurt II) und vierten (FC Homburg) Liga ganz gut getroffen hat
- Brooklyn Ezeh, der letzte Saison ganze vier Spiele in der Regionalliga gemacht hat und bei 96 aussortiert wurde
Ich persönlich bin ziemlich froh, dass wir diese Art Neuzugänge nicht vermelden müssen.
Neben all dem positiven Vibe rund um Arminia macht auch Oliver Kirch uns zu einem sehr interessanten Club. Das Umfeld ist gut, es wird seriös gearbeitet und man muss auch nicht ständig Rekordstrafen an den DFB bezahlen, weil der eine oder andere "Fan" ein gewalttätiges Arschloch ist.
Und genau deshalb wette ich mit Dir um eine Kiste Krombacher, dass Dresden am Ende der nächsten Saison hinter uns stehen wird, und zwar mit Abstand.
Ich finde diese Schwarz-Weiß-Betrachtung ehrlich gesagt ziemlich schwierig. Mir erschließt sich nicht, warum alles Positive automatisch Mutzel zugeschrieben wird, während für alles, was nicht funktioniert hat, ausschließlich Kniat verantwortlich gemacht wird.
Ja, unter Mutzel gab es den Klassenerhalt, den späteren Aufstieg und das Pokalfinale. Das ist unbestritten. Gleichzeitig sollte man aber auch nicht so tun, als hätte er sportlich nahezu fehlerfrei gearbeitet. Die Kaderplanung der vergangenen Jahre hatte bei weitem nicht nur Volltreffer zu bieten. Transfers wie Norby, Mehlem, Micheler oder Hilterman haben – aus unterschiedlichen Gründen – die Erwartungen nicht erfüllt. Dazu kamen weitere Verpflichtungen, die kaum eine Rolle gespielt haben oder bei denen man sich im Nachhinein die Frage stellen muss, ob die eingesetzten Mittel nicht sinnvoller hätten verwendet werden können. Gerade bei der viel beschworenen Kaderbreite wurde teilweise Geld gebunden, ohne dass daraus ein echter Mehrwert entstanden ist. Auch bei der „Causa Schroers“ hätte Mutzel sich besser absichern müssen.
Und wenn Kniat tatsächlich derart überschätzt gewesen sein soll, wie es jetzt gerne dargestellt wird, wirft das automatisch auch Fragen an Mutzel auf. Er hat Kniat schließlich verpflichtet, ihm den Kader zusammengestellt und trotz der offensichtlichen Probleme über einen langen Zeitraum das Vertrauen ausgesprochen. Wenn die Defizite so eindeutig und gravierend waren, warum wurde dann nicht früher gehandelt und der Klassenerhalt riskiert? Entweder war Kniats Arbeit nicht annähernd so schlecht, wie sie nun rückblickend gemacht wird und er hatte einen großen Anteil am Erfolg, oder die sportliche Führung hat die Lage völlig falsch eingeschätzt und zu spät reagiert. Beides entlastet Mutzel jedenfalls nicht.
Was ich ebenfalls kritisch sehe, sind die teilweise schon fast euphorischen Vorschusslorbeeren für Oliver Kirch. Ich finde die Verpflichtung interessant und nachvollziehbar, aber Stand heute hat er für Arminia noch kein einziges Pflichtspiel bestritten. Ihn bereits jetzt als “Top-Trainertalent” und langfristigen Erfolgsgaranten zu feiern, wirkt auf mich nicht seriöser als die reflexhafte Kritik, die beim ersten kleinen Rückschlag wieder einsetzen würde.
Ich halte Mutzel insgesamt für einen fähigen Sportdirektor, aber eben nicht für jemanden, der über jeder Kritik steht. Er hat gute Entscheidungen getroffen, aber eben auch einige Fehlgriffe zu verantworten. Deshalb würde ich weder die Kiste Krombacher schon kaltstellen noch Dresden mit großem Abstand hinter uns einordnen. Optimismus ist absolut angebracht, nur diese Gewissheit, mit der manche ihre Prognosen vortragen, gibt die Faktenlage aus meiner Sicht schlicht nicht her.
Die kommende Transferperiode sowie die anstehende Saison werden uns definitiv dabei helfen, Mutzels Leistung besser einordnen zu können.
Ja stimmt schon. Aber man hat relativ früh gemerkt das Mutzel sich nicht dazu äußern möchte. Dann brauch man nicht noch 3-4x eine ähnliche Frage zu Kniat stellen.
Kniat hatte einfach für meinen Geschmack zu viel Aufmerksamkeit wo es eigentlich um Kirch gehen sollte.
Ich finde, da machst du es dir etwas zu einfach. Nur weil Mutzel nach der ersten Frage signalisiert hat, dass er sich nicht äußern möchte, verschwinden die Fragen ja nicht plötzlich. Die Trennung von Kniat war eines der prägendsten Themen der letzten Wochen, denn immerhin geht es um den Trainer, der Arminia zum Aufstieg geführt und ins Pokalfinale gebracht hat und bei vielen immernoch Rückhalt genießt.
Gerade weil der Verein die Trennung sehr knapp und diffus mit „unterschiedlichen Vorstellungen“ über die zukünftige Ausrichtung begründet hat und ansonsten keinerlei Einblicke gegeben hat, ist es doch völlig legitim, nachzuhaken.
Die Aufgabe von Journalisten ist nicht, nach der ersten ausweichenden Antwort brav zum nächsten Thema zu springen. Ihre Aufgabe ist es, die Fragen zu stellen, die Fans und Mitglieder interessieren - auch wenn man unbequem ist. Und die Frage, warum man sich wenige Wochen nach dem Klassenerhalt und drei Jahre nach einer insgesamt erfolgreichen Zusammenarbeit von Kniat trennt, interessiert nun einmal viele Menschen.
Für mich lag das Problem daher nicht bei den Journalisten, sondern beim Umgang mit den Fragen, die erwartbar waren. Wieso wirkte Mutzel bei den Fragen dann teilweise so überfordert? Man hätte einfach besser vorbereitet auftreten müssen, um das Thema professioneller abzumoderieren. Stattdessen stellte man es teilweise so dar, als seien die Fragen selbst unangemessen. Und das finde ich bei einem Thema dieser Tragweite schlicht nicht nachvollziehbar.
Zumal man als Fan und insbesondere als Mitglied eines Vereins durchaus ein berechtigtes Interesse daran haben darf, zumindest ein Mindestmaß an Transparenz zu erwarten. Niemand verlangt die Offenlegung jedes internen Gesprächs. Aber wenn meiner Sicht vollkommen normal, dass nach den Gründen gefragt wird – und zwar auch mehr als einmal, wenn man keine zufriedenstellende Antwort erhält.
Kirch hätte natürlich im Mittelpunkt stehen sollen. Aber das schließt kritische Nachfragen zu einem der größten personellen Einschnitte der letzten Jahre nicht aus. Beide Themen haben auf einer solchen Pressekonferenz ihren Platz.
Ich finde, man muss zwei Dinge voneinander trennen: Ob Kirch, Galm gute Trainer sein können und ob sie die richtige Wahl für Arminia Bielefeld in der aktuellen Situation sind.
Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass einer dieser Trainer scheitern wird. Das ist auch gar nicht mein Punkt. Mein Punkt ist ein anderer: Wann, wenn nicht jetzt, befindet sich Arminia in einer Position der Stärke?
Wir kommen aus den erfolgreichsten Jahren der jüngeren Vereinsgeschichte. Aufstieg, Pokalfinale, Klassenerhalt in der 2. Bundesliga, Rekord-Mitgliederzahlen, ausverkaufte Stadien, bundesweite Aufmerksamkeit und erhebliche Zusatzeinnahmen durch den Pokallauf. Der Verein hat sich innerhalb kurzer Zeit von einem taumelnden Drittligisten zu einem spannenden Projekte im deutschen Profifußball entwickelt.
Genau deshalb verstehe ich die Rechtfertigungsversuche nicht, als müssten wir froh sein, überhaupt irgendeinen Trainer zu bekommen.
Wenn Arminia nach einer solchen Entwicklung am Ende bei Kandidaten landet, deren größtes Argument häufig lautet, dass sie vielleicht einmal gute Trainer werden könnten, dann ist das für mich keine ambitionierte, sondern eine defensive Herangehensweise.
Besonders kritisch sehe ich die Kommunikation nach außen. Mitch Kniat war nicht irgendein Trainer. Auch wenn er hier kritisch betrachtet wird, hat den Verein zum Aufstieg geführt, erstmals in der Vereinsgeschichte in ein DFB-Pokalfinale gebracht und den Klassenerhalt gesichert - sich damit bei der breiten Fanmasse unsterblich gemacht.
Wer einen solchen Trainer ersetzt, muss den Fans plausibel erklären können, warum die neue Lösung mindestens ebenso viel Vertrauen verdient.
Und genau da habe ich meine Zweifel.
Wenn nach fast zwei Wochen Trainersuche – in einer Phase, in der die Kaderplanung eigentlich längst auf Hochtouren laufen sollte – am Ende ein (unerfahrener) Trainer ohne nennenswerte Erfolge auf Zweitliga-Niveau präsentiert wird, wird die Erwartungshaltung nicht kleiner, sondern größer. Der neue Trainer startet dann nicht mit einem Vertrauensvorschuss, sondern mit einer Rechtfertigungspflicht.
Die Gefahr liegt doch auf der Hand: Läuft der Saisonstart holprig, wird sofort die Frage gestellt werden, warum man nach all den Erfolgen und Möglichkeiten ausgerechnet auf einen weitgehend unerprobten Kandidaten gesetzt hat. Dann kippt die Stimmung deutlich schneller, als es bei einem etablierten Namen der Fall wäre.
Und das ist letztlich mein Kernpunkt: Arminia sollte den Anspruch haben, von den Erfolgen der letzten Jahre zu profitieren und den nächsten Schritt zu gehen. Ein Verein mit dieser Tradition, diesem Umfeld und dieser aktuellen Dynamik sollte nicht den Eindruck vermitteln, die Ausbildungsstätte für Trainer zu sein, die ihre Eignung für dieses Niveau erst noch nachweisen müssen.
Natürlich kann jeder dieser Kandidaten einschlagen. Fußball bleibt Fußball. Aber die Frage lautet nicht, ob das möglich ist. Die Frage lautet, ob ein Verein in der aktuellen Ausgangslage wirklich auf Hoffnung setzen sollte, wenn er eigentlich die Möglichkeit haben müsste, auf nachgewiesene Qualität zu setzen.
Man hat den beschwerlichen Aufstieg endlich geschafft, steht auf dem Plateau und genießt die Aussicht. Und genau in diesem Moment entscheidet man sich offenbar, den Bergführer gegen jemanden auszutauschen, der bisher hauptsächlich Wanderkarten studiert hat.
Nein das reicht nicht! Der neue Trainer hätte schon direkt am Eingang an der Geschäftsstelle mit Stift in der Hand stehen müssen, um SOFORT den Vertrag zu unterzeichnen. Tja und das war nicht passiert, ganze VIER Tage wurden verschlafen! Völliges verschlafen! Sofort den Aufsichtsrat einschalten und Mutzel von seinen Aufgaben entbinden! Der taugt nix!
Auch wenn ich persönlich noch relativ entspannt bin, kann ich nachvollziehen, warum manche langsam unruhig werden – gerade wenn es stimmt, dass intern wohl schon seit Ende Februar feststand, dass Kniat hier keine Zukunft mehr hat. Wenn dem so war, darf man von den Verantwortlichen durchaus erwarten, zeitnah nach der Trennung auch den Nachfolger zu präsentieren.
Dass viele Fans nervös reagieren, ist bei Arminia nun wirklich keine Überraschung. Der Verein hat in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass Skepsis nicht völlig unbegründet ist. Dazu kommt, dass die Kommunikation des Vereins in den letzten Jahren nicht selten Raum für Spekulationen gelassen hat – Stichwort angeblich geplatzte Vereinbarungen oder plötzliche Wendungen.
Und natürlich ist es legitim, sich Sorgen zu machen, dass die Kaderplanung darunter leiden könnte, falls tatsächlich noch kein Trainer feststeht. Viele Konkurrenten haben bereits Transfers eingetütet oder werden zumindest konkret mit Spielern in Verbindung gebracht. Bei Arminia herrscht dagegen bislang auffällige Ruhe (was nichts bedeuten muss). Gerade direkt nach Saisonende tickt die Uhr nun mal besonders laut.
Ich erinnere auch daran, dass Mutzel selbst vor nicht allzu langer Zeit gesagt hat, wie sehr man bei der damaligen Kaderplanung unter der späten Relegation gelitten habe, weil viele Spieler bereits vom Markt waren. Genau deshalb finde ich Aussagen wie „alles entspannt“ zumindest diskutabel – die Relegation ist vorbei, die entscheidende Phase läuft längst.
Trotzdem glaube ich schon, dass Mutzel im Hintergrund deutlich weiter ist, als viele vermuten, und dort intensiv gearbeitet wird. Aber die Sorgen vieler Fans deshalb als lächerlich oder panisch abzutun, halte ich für den falschen Ansatz.
Ich glaube, viele überschätzen einfach, wie groß der Markt für Drittligisten tatsächlich ist. Die 3. Liga ist für die meisten Vereine finanziell eher ein Sterben auf Raten als ein nachhaltiges Geschäftsmodell – und für viele Spieler vor allem ein Sprungbrett.
Selbst Arminia steht als Zweitligist in der Nahrungskette eher weit unten und muss sich oft mit dem begnügen, was die Erstligisten und die finanzstärkeren Zweitligisten übrig lassen. Die Topspieler der 3. Liga wechseln inzwischen häufig direkt in die Bundesliga oder zu den Aufstiegskandidaten der 2. Liga.
Genauso gehen viele vielversprechende Regionalligaspieler mittlerweile direkt zu Zweitligisten (siehe z. B. das Boakye-Gerücht). Gerade als Drittligist musst du deshalb oft nehmen, was du bekommen kannst.
Umso weniger verstehe ich den Umgang mit Schroers. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man einen Spieler mit seinen Regionalliga-Scorern problemlos irgendwo hätte unterbringen können – und zwar zu deutlich besseren Konditionen als offenbar geschehen.
Am Ende bringt das Nachkarten jetzt natürlich nichts mehr und Fehler passieren überall, gerade bei jungen Spielern und schwer planbaren Entwicklungen. Wichtig wäre nur, dass der Verein aus solchen Dingen für die Zukunft lernt und nicht alles mit einem Schulterzucken und „war halt nicht abzusehen“ abbügelt.
So, wie wir möglicherweise demnächst mit Tadell, der aus Hannover kam.
Das kann man meiner Meinung nach nicht wirklich vergleichen.
Bei Momuluh war die Situation damals eine komplett andere. Arminia hatte ihn zunächst ausgeliehen und nachdem er in der 3. Liga durchaus vielversprechende Ansätze gezeigt hatte, hat Hannover ihn prompt zurückbeordert. Als er sich dort anschließend nicht durchsetzen konnte und in der zweiten Mannschaft geparkt wurde, hat Bielefeld eine durchaus marktgerechte Ablöse gezahlt und damit das komplette Risiko übernommen, dass Momuluh am Ende vielleicht doch nicht einschlägt – was zu diesem Zeitpunkt schließlich niemand sicher wissen konnte.
Hannover hat sich dabei sogar noch zusätzlich abgesichert, unter anderem wohl mit einer Weiterverkaufsbeteiligung. Arminia musste diese Konditionen letztlich akzeptieren, weil Hannover schlicht am längeren Hebel saß.
Bei Schroers war die Ausgangslage dagegen genau umgekehrt: Hier saß Arminia am längeren Hebel, hat sich aber – anders als Hannover damals – offenbar überhaupt nicht abgesichert. Stattdessen wurde Schroers mit einer vergleichsweise günstigen Kaufoption und ohne Rückkaufoption abgegeben.
Damit lag das Risiko praktisch komplett bei Arminia, während Aachen wenig zu verlieren hatte: Schlägt Schroers ein, profitiert man sportlich und finanziell. Funktioniert es nicht, gibt man ihn eben wieder ab. Genau deshalb verstehe ich nicht, warum man sich bei den Vertragsmodalitäten nicht deutlich besser aufgestellt hat – selbst dann nicht, wenn intern vielleicht Zweifel bestanden haben sollten, ob Schroers den Durchbruch schafft. Insbesondere nachdem man es von Hannover in der causa Wörl und Momuluh vorgemacht bekommen hat.
Also der Kicker vermutet Telalovic von Anfang an. Dazu noch Grodowski in der Startaufstellung und Wörl anscheinend auf der Bank. Manchmal frage ich mich auch, wer da diese Sachen zusammenstellt. Warum sollte Telalovic jetzt wieder in der Startaufstellung stehen? Hat er dafür irgendeinen Leistungsnachweis erbracht in den letzten 4-6 Spielen?
Auch wenn ich verstehe, dass man sich vom Telalovic-Transfer gesamtheitlich mehr versprochen hat, ist die Frage ist für mich eher: Warum Telalovic in jeder Diskussion deutlich schlechter wegkommt als seine Stürmerkollegen. Sowohl Uldrikis als auch Grodowski haben in der Rückrunde höchstens punktuell überzeugt. Der sonst so gefeierte „Wühler“ Grodowski ist seit Monaten ein Schatten seiner selbst und Uldrikis fiel (Ausnahme Münster) zuletzt auch eher durch haarsträubende Ballverluste und mehr als durchwachsene Leistungen auf.
Für mich liegt das Grundproblem ohnehin im System. Unter Kniat haben die Stürmer einen extrem schweren Stand: oberstes Gebot ist anlaufen, anlaufen, anlaufen – bei gleichzeitig kaum vorhandener Bindung zum Spiel. Das ist für keinen Stürmer eine dankbare Rolle. Wenn dann auch noch die Erfolgserlebnisse ausbleiben, sieht zwangsläufig jeder Offensivspieler schlecht aus.
Ja, Telalovic hat in den letzten Spielen keinen großen Leistungsnachweis erbracht. Das gilt für die anderen aber genauso. Mit dem Unterschied, dass Uldrikis in den letzten 13 Spielen auf 823 Minuten kommt, Telalovic im selben Zeitraum dagegen nur auf 243 Minuten. Im Schnitt also rund 64 Minuten pro Spiel gegenüber gerade einmal 19 Minuten. Da finde ich es schwierig, von ihm Wunderdinge zu erwarten – vor allem, wenn er meist erst eingewechselt wird, wenn spielerisch längst Hopfen und Malz verloren ist.
Am Ende hoffe ich einfach, dass Kniat sich für Sonntag wirklich etwas überlegt hat und dann den Spielertypen aufstellt, der zum Matchplan passt – egal ob das Telalovic, Uldrikis oder Grodowski ist.
Ich hatte bei dem Konter erst keine Bedenken, da ich sicher war, dass Isaac den Bochumer Spieler einholt, ablenkt oder legt… War ja nicht Holtmann oder ?
Nun, ich hatte ihn flinker eingeschätzt.
Also auch wenn ich zustimme, dass Boakye ihn irgendwie hätte aufhalten müssen, ist es so, dass Alfa-Ruprecht mit einer Höchstgeschwindigkeit von 36,42 km/h der schnellste Spieler der aktuellen Saison ist.
Boakye ist auf dem geteilten 39. Platz und wurde in dieser Saison mit 34,69 km/h geblitzt.
Das er alle seine Ziele am Ende erreicht hat, würde ich so sicher nicht unterschreiben, mit Bravour wäre nicht mal mehr als euphemistisch zu beschreiben. Die erste Saison war so ganz bestimmt nicht geplant und war sicherlich auch nicht das ausgegebene Ziel. In der zweiten Saison war es kurz vor Knapp, als sich alle zusammengerafft haben.
Ich behaupte einfach mal ganz frech: Das große „Ziel“ in Kniats erster Saison war vermutlich schlicht nicht direkt in die Regionalliga durchgereicht zu werden. Alles darüber hinaus ist rückblickende Fantasie einiger Foristen.
Zur Erinnerung, weil das hier scheinbar schon wieder verklärt wird:
Arminia steigt als finanziell angeschlagener Klub in die 3. Liga ab. Komplettumbruch auf allen Ebenen. Neue Führung, neuer Kader, kaum Geld, kaum Zeit – und durch die Relegation bis zuletzt Planungsunsicherheit. Für ausgeklügeltes Scouting oder langfristige Kaderplanung war schlicht kein Rahmen vorhanden.
Kniat kommt also in einen Verein, in dem sportlich und strukturell erstmal verbrannte Erde herrscht. Aus einem zusammengewürfelten Kader formt er eine Mannschaft, die den Klassenerhalt aus eigener Kraft vor dem letzten Spieltag klar macht. Und wenn man sich anschaut, wo ein Großteil dieses Kaders heute unterwegs ist – Wintzheimer, Yildirim, Shipnoski etc. – dann wird ziemlich deutlich, dass das Material damals häufig nichteinmal Drittligamittelmaß war.
Dass der Klassenerhalt in dieser Liga alles andere als selbstverständlich ist, sieht man jedes Jahr. Ulm als als 2.Liga Absteiger und zukünftiger Regionalligist lässt grüßen.
Zeitsprung ein Jahr später:
Mit punktuellen Verstärkungen steht derselbe Trainer plötzlich auf dem Rathausbalkon, nachdem er mit Arminia die 3. Liga gewonnen hat. Kniat, Trainer des Jahres, überreicht die Trophäe unter frenetischem Jubel seinem Kapitän, dem Spieler des Jahres in der 3. Liga.
Und trotzdem muss ich hier ernsthaft lesen:
„In der zweiten Saison war es ja auch nur kurz vor knapp.“
Stimmt. Kurz vor knapp davor, dass Kniat mit Arminia auf Europatournee geht.
Es scheint, als hätten Sie und ich gänzlich verschiedene Definitionen von einer bravourösen Saison.
Versteht mich nicht falsch: Ich bin mit einigen Entwicklungen der letzten Wochen auch nicht glücklich. Kritik ist völlig legitim und erforderlich. Man darf sich nicht ewig auf den Lorbeeren vergangener Saisons ausruhen, aber die Vergangenheit jetzt so umzudeuten, als wäre das alles selbstverständlich gewesen und Kniats Anteil daran vernachlässigbar, wirkt eher wie selektive Erinnerung als wie eine ernsthafte Analyse.
Von welcher positiven Entwicklung schreibst du bitte?
Entwicklung heißt ja nicht automatisch, dass von heute auf morgen alles perfekt läuft, sondern dass sich Bausteine erkennbar verbessern.
Für mich ist eine klare positive Entwicklung, dass Uldrikis bislang wie eine echte Verstärkung wirkt. Er bringt Präsenz, bindet Gegenspieler und gibt dem Offensivspiel eine andere Statik. Das ist genau der Spielertyp, der im Saisonverlauf noch ein entscheidender Faktor werden kann – gerade in engen Spielen.
Gleiches gilt für Bauer, der für mich ein deutliches Upgrade darstellt. Er strahlt Ruhe, Ordnung und Sicherheit aus und hat das Potenzial, der Defensive langfristig Stabilität zu geben. Das sieht nicht spektakulär aus, ist aber genau die Art von Entwicklung, die Mannschaften im Abstiegskampf brauchen.
Auch abseits des Platzes sehe ich Fortschritte. In der Kommunikation scheint man endlich davon weggekommen zu sein, das Publikum für Pfiffe oder Unmutsbekundungen zu kritisieren. Stattdessen wurde offen eingeräumt, dass die erste Halbzeit schlecht war. Das mag banal klingen, ist aber wichtig: Einsicht ist nun mal der erste Schritt zur Besserung – und den hat man zuletzt vermissen lassen.
Und sportlich: Nach einem 0:2-Rückstand die Formation zu ändern und anschließend eine Wucht zu entwickeln, die seit Wochen gefehlt hat, ist für mich alles andere als selbstverständlich. Das war kein Zufall, sondern eine bewusste Anpassung, die Wirkung gezeigt hat. Vielleicht kommt man jetzt endlich von der 5er respektive 3er Kette weg.
Ja, das sind kleine Schritte. Aber sie gehen in die richtige Richtung. Wer erwartet, dass Entwicklung im Abstiegskampf linear und geräuschlos verläuft, der irrt.
Langsam frage ich mich wirklich, ob es hier manchen überhaupt noch um Arminia geht – oder nur darum, Kniat endlich scheitern zu sehen. Der Mann ist inzwischen zum Lieblings-Sündenbock auserkoren worden, und egal was passiert, es wird ihm negativ ausgelegt.
System passt nicht? Kniat stellt zur Halbzeit um.
Plötzlich war es dann nicht der Trainer, sondern angeblich die Mannschaft, die das intern geregelt hat. Klar. Als ob eine Zweitligamannschaft mal eben kollektiv beschließt, den Trainer zu ignorieren, um sich selbst aufzustellen. Wer das ernsthaft glaubt, sollte sich fragen, wie professioneller Fußball funktioniert.
Beim Thema Kader das gleiche Schauspiel. Monatelang hieß es: Leistungsprinzip, Konkurrenzkampf, bloß nicht nur auf die Aufstiegshelden verlassen, wie in der Vergangenheit. Sobald aber ein Spieler diesen Konkurrenzkampf verliert, ist Kniat natürlich der Böse, der grundlos rasiert. Offenbar haben hier einige Foristen Zugang zu Trainingsplänen, Leistungsdaten und Kabinenansprachen – anders lässt sich diese Gewissheit ja kaum erklären.
Und dann Kiel. Eine richtig starke zweite Halbzeit und sofort kommt: „Ja, aber nur wegen der roten Karte.“ Was ist das bitte für ein Argument? Rote Karten fallen nicht vom Himmel, die provoziert man. Mit der Logik kann man jede Leistung relativieren. Zumal eine Unterzahl bekanntlich längst kein Todesurteil mehr ist. Hat man heute doch bei Fürth gesehen, die fast ein ganzes Spiel in Unterzahl die Null gehalten haben und sogar näher an der Führung waren. Aber Hauptsache, man findet irgendeinen Grund, die eigene Leistung kleinzureden.
Krönung ist dann noch, dass der Sturmlauf am Ende als ideenlos bezeichnet wird. Wenn ein Gegner im tiefen Block steht, gehört das zu den am schwierigsten zu bespielenden Szenarien im Fußball. Diese Woche erklärten Guardiola und Arne Slot öffentlich, wie schwer es ist, solche Mannschaften zu knacken. Wenn selbst City oder Liverpool daran regelmäßig scheitern, ist es schon ziemlich schräg, Kniat vorzuwerfen, dass in der 2 HZ. am Ende nicht jeder Angriff perfekt ausgespielt war.
Kritik? Absolut. Kniat hat sich mit den falschen Entscheidungen der letzten Wochen in eine Situation manövriert, in der man ihn kritisieren darf und das auch tun sollte. Gerade die bodenlose 1. HZ. muss man ihm ankreiden. Aber was hier teilweise läuft, ist m.M.n. keine Kritik mehr, sondern Agenda. Und wer jede positive Entwicklung sofort zerredet, nur um weiter auf den Trainer einzudreschen, der sollte sich vielleicht fragen, ob er wirklich will, dass Arminia erfolgreich ist – oder einfach nur Recht behalten möchte.
Danke für die ausführliche Argumentation. Mag sein, dass ich überargumentiert habe. Aber ich sehe umgekehrt eine gewisse Gefahr, dass die Lage etwas zu schön geredet wird, und wollte dem etwas entgegenstellen. Selbstkritik ist auch bei Arminia der Schlüssel zum Klassenerhalt. Und unter dieser Voraussetzung glaube ich auch an den Klassenerhalt.
Verstehe ich, und da gehe ich mit. Selbstkritik ist wichtig und notwendig, gerade im Abstiegskampf. Mir ging es darum, funktionierende Phasen nicht kleinzureden. Beides braucht es: klare Analyse der Defizite, aber auch das Bewusstsein, worauf man aufbauen kann. Wenn Arminia diesen Mittelweg trifft, bin ich ebenso überzeugt, dass der Klassenerhalt möglich ist.
Mit der Augenhöhe in allen Spielen gehe ich nicht vollständig mit. In Hannover waren wir klar unterlegen. Gegen Schalke auch, solange Schalke wollte. Und wir kamen nur auf, weil Schalke das Spiel nur noch verwalten wollte. Vor allem aber waren wir in so vielen Spiele spielerisch zahnlos, auch wenn der Gegner nicht besser war.
Mit der Lesart „Schalke war überlegen, solange sie wollten“ kann ich mich ehrlich gesagt überhaupt nicht anfreunden. Das klingt im Nachhinein bequem, wird dem Spielverlauf aber nur sehr bedingt gerecht.
Gerade nach der Anfangsphase war Arminia gegen Schalke phasenweise klar spielbestimmend: höhere Ballbesitzanteile, mehr Aktionen im letzten Drittel, deutlich mehr Präsenz rund um den Strafraum. Dass Schalke „bewusst verwaltet“ hätte, sehe ich anders. Kaum eine Mannschaft entscheidet sich freiwillig dafür, sich über längere Zeit so tief reindrücken zu lassen und die Kontrolle komplett abzugeben; mehrfach hätte es klingeln können. Das ist kein Schalker „Verwaltungsmodus“, das war Kontrollverlust.
Das Argument des angeblich so wirkungsvollen Schalker Angriffspressings überzeugt mich nur teilweise, denn der entscheidende Fehler von Kersken beim Gegentor war die Folge eines schlechten ersten Kontaktes, unpräzisen Zuspieles und fehlender Abstimmung. Das passiert leider auch ohne überragendes Pressing – und genau das war der Fall. Man muss Schalke dafür nicht stärker machen, als sie in diesem Spiel waren.
Natürlich war nicht alles gut. Dass Arminia offensiv zu oft zu wenig Durchschlagskraft entwickelt und sich im letzten Drittel schwer tut, ist ein valider Punkt. Aber das ist etwas anderes als zu behaupten, man sei nur deshalb aufgekommen, weil der Gegner „nicht mehr wollte“.
Für diese eine Planstelle hätte ich mir eine Regalhöhe a la Terodde oder Glatzel gewünscht. Ich sage bewusst nicht erwartet. Und jetzt Feier frei.
Die Forderung nach einem Stürmer auf Terodde- oder Glatzel-Niveau verkennt meiner Meinung nach komplett die Realität des aktuellen Transfermarkts; insbesondere für einen Aufsteiger wie Arminia im Abstiegskampf.
Spieler dieses Kalibers sind absolute Premium-Assets der 2. Liga. Solche Spieler kosten nicht nur hohe Ablösen, sondern haben auch entsprechende Gehaltsforderungen und vor allem: Sie haben Auswahl. Finanzstärkere Zweitligisten, ambitionierte Erstligisten und Vereine mit deutlich größerer Strahlkraft fischen doch genau in diesem Teich.
Aktuell sieht man ja, dass selbst Top-Bundesligisten wie Frankfurt im gleichen Marktsegment unterwegs sind und bereit sind, Unsummen für Stürmer zu zahlen, die „nur“ eine starke Saison nachweisen können (Ebnoutalib für 8 Millionen Sockelablöse plus Boni) Dass Arminia sich da einfach bedient, ist zumindest derzeit völlig illusorisch. Wir stehen in der Hackordnung schlicht nicht weit genug oben, weder sportlich noch finanziell.
Zu hoffen, man könne unter diesen Marktmechanismen mal eben einen Terodde oder Glatzel verpflichten, ist leider keine ambitionierte Erwartung – es ist Wunschdenken. Seriöse Kaderplanung bedeutet, Entwicklungspotenzial, Passung zur Spielidee und finanzielle Vernunft zu kombinieren, nicht den Blick auf Namen zu verengen, die für uns faktisch unerreichbar sind.
Zumal: Ein „großer Name“ ist ohnehin keine Garantie für Tore oder Klassenerhalt. Ich erinnere gerne an Boujellab: A-Nationalteam Marokkos und mit Einsätzen in der Europaleague. Für einen Drittligisten die oberste Regalhöhe. Oppie hingegen kam als unbekannter Spieler aus der Regionalliga. Wer heute in der Bundesliga spielt und wer mit einem Bein bereits in der Regionalliga steht, hätten die wenigsten voraussagen können