Ich verstehe wirklich nicht, wie emotional, verbohrt und schwarz-weiß-mäßig die Stimmungsdebatte hier oftmals geführt wird. Old-school vs Gesangbuch, Ultras vs „die Älteren“, am Ende des Tages sind wir doch alle Arminen! Das sollten sich hier einige vielleicht mal vor Augen führen, bevor andere Meinungen oder gleich ganze Fangruppierungen verunglimpft werden. Eines vorweg: Ich bin in keiner Fangruppierung aktiv und in meinen Almbesuchen in mehr als 20 Jahren oftmals gewechselt, früher Block 5, dann Block 6, zwischendurch auch mal Block 3. Heutzutage eigentlich immer Block 3 oder 4, bei ausgewählten Spielen auch mal Sitzplatz.
Dass oftmals davon gesprochen wird, dass man stimmungsmäßig im Stadion bei einem Vorsänger entmündigt wird, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Wenn man in ein Stadion geht, muss man unter Umständen auch damit rechnen, dass Gesänge angestimmt werden, die nicht von einem selbst ausgehen ;-). Es steht jedoch jedem frei, Dinge mitzusingen oder durch Schweigen / Ignorieren fehlende Zustimmung zu äußern. Zudem kann man durchaus versuchen, auch eigene Gesänge anzustimmen (hier kann natürlich die Aufnahmerate seitens des Vorsängers optimiert werden).
Neben dem allseits geliebten Alm-Roar gab es auch früher schon die hier gerne kritisierten Schalalala-Gesänge. Wer erinnert sich nicht gerne an minutenlanges Schalalala (heute „Ein Leben lang“) beim Sieg gegen Bayern 97 oder das Durchträllern während der Halbzeitpause in Hannover oder minutenlanges Allez, Allez im DFB-Pokalhalbfinale gegen Bayern? Wenn es passt, können solch langanhaltende und eigentlich eintönigen Gesänge auch ziemlich geil sein.
Und so wie es heute das (sinnfreie) „Fußballfans sind keine Verbrecher“ gibt, so gab es auch früher Gesänge, die man äußerst kritisch sehen konnte: „Hängt sie auf, die….“ oder „Ruhrpottkana…“ oder auch ein eigens getextes Schmählied gegen einen gewissen Darius Wosz, das politisch doch arg weit rechts war. Was früher definitiv besser war in meinen Augen: Gesänge vor dem Anpfiff, häufiges Singen einzelner Spielernamen beim Warmmachen, größerer Witz bei den Gesängen, das darf gerne wieder ein wenig mehr Einzug halten.
Was ich damit sagen möchte: Auch früher war mit Sicherheit nicht alles Gold, was glänzt. Und man sollte vielleicht nicht ständig der guten alten Zeit hinterhertrauern, die man vielleicht doch ein wenig positiver sieht (vielleicht auch auf Grund der teilweisen 1.Ligazugehörigkeit) als sie denn war. Gleichzeitig kann man akzeptieren, dass sich die Fanszene und das Fansein im Laufe der Zeit gewandelt hat. Und dennoch gibt es Möglichkeiten diese aktiv zu gestalten und zu verändern, dabei wäre es allerdings hilfreich, wenn man nicht immer gleich andere Meinungen als nichtig und unzulässig ansieht. Wenn letztendlich beide Gruppierungen in einen ehrlich gemeinten Dialog treten würden, bin ich mir sicher, dass man eine Verbesserung der Stimmung in der Wahrnehmung der meisten Leute hier bewerkstelligen könnte.