ZitatOriginal von Exteraner
Ich finde die Kassenhäuschen optimal.
Funktionalität vor Design!
Jau, sehe ich auch so. Sag mal, du sitzt nicht selber gelegentlich in einem dieser Häuschen? ![]()
Also, pass mal auf, das war so:
Vor dem einen der sieben (?) Häuschen, eine Schlange von, sagen wir 100 m. Die anderen Häuschen stehen einfach nur so da. Ohne Schlange davor. Aber auch sie sind allesamt besetzt, bieten jedoch nur Stehplätze an. Besser, böten sie an, wenn es denn noch welche gäbe. Tut es aber nicht. 'Alle Stehplätze vergriffen. Leider, leider. Sitzplätze nur nebenan. Nein, hier nicht. Hier auch nicht, sorry. Ebenso wenig hier. Da vorne, ja'.
Ach, sooo. Hm, danke.
Kann man nix machen. Also wieder ganz hinten anstellen. Vor dem einen, der sieben Häuschen, versteht sich. Egal, Hauptsache wir gewinnen. Und - das muss ich schon sagen - war’n alle sehr nett. Die, in den Häuschen. Wirklich. Bis auf den Einen, der die Sitzplätze verkloppen muss. 'Hinten anstellen, hopp, hopp!'. 'Aye, aye, Sir!'
Sitzplätze gibt es an dem hier erinnerten Spieltag nämlich noch zuhauf. Da kann keine Schlange lang genug sein. 15 Minuten später, das Spiel hat längst begonnen, ist sie dann aber schon drastisch auf (nicht 'um') geschätzte 93 m geschrumpft. Und ich bin nur noch der Vorletzte. He, he. Alles nur eine Frage der Zeit. Büschen Geduld kann natürlich auch nicht schaden.
Das Ganze schien mir persönlich jetzt zwar nicht sonderlich effizient zu sein, aber nun. In Bielefeld kalkulieren wir wohl eh nur mit drei, vier ausverkauften Hütten pro Saison. Da passt das schon. Und die ewigen WiedermalzuspätzumSpielkommbesucher sollen sich halt auf die zweite Halbzeit freuen.
Darob genieße ich in der Schlange erst einmal den Ausblick auf die schönen Kassenhäuschen. Das heißt, auf die sechs freien von ihnen, die ungetrübt einsehbaren. Das andere kann ich am Anfang der Schlange nur erahnen. Schön, sehn’ se aus, die Häuschen, schön dekadent. Hmm... auch, wenn ich jetzt eigentlich nur gerne wüsste, was denn das Raunen im Stadion zu bedeuten hat. 'Noch mal Glück gehabt?' oder 'Scheiße, vorbei gegangen?' Was soll’s. Wichtig ist das 'Hier und Jetzt', gell? Und hier geht’s jetzt um die Kassenhäuschen. Die sollen uns gefälligst erhalten bleiben, aber hallo. Fußball braucht Tradition!
Seit jenem Nachmittag kann ich die Forderung nach Erhalt der Häuschen auf alle Fälle sehr gut nachvollziehen. Was mich am meisten beeindruckte, war diese unverwechselbare, blaue Solidarität der Stehplatzkassenhauswärterinnen. Jene Solidarität, die es lange gab, bevor wir ’ALL TOGÄTHER NOW’ buchstabieren lernten. Wenn ihr das gesehen hättet, wie’ se da alle so ausharren, in ihren Häuschen. Ja, ja, auch die, mit den nicht mehr vorhandenen Stehplatzkarten. Keine Kundschaft, aber jede Menge an sozialer Kompetenz. Tolle Solidarität, die da mit dem Sitzplatzkartenverticker geübt wird. Beeindruckend. Ich krieg noch heute feuchte Augen. Und der Depp da vorne, in dem ’einen’ Häuschen, vor dem wir alle warten, der weiß das Ganze nicht einmal im Ansatz zu würdigen...
Wenn nur mein Puls nicht ständig im roten Bereich hin und her hüpfte. Dem Geräuschpegel aus dem Stadion nach, Chancen, hüben wie drüben. Ich scharre mit den Füßen, immer wieder mal. Die Hand in der Jackentasche ballt sich gelegentlich zur Faust. Nein, nein, ich werde jetzt nicht die Ablauforganisation des Kartenverkaufs kritisieren, weit gefehlt. Beim Anblick der sechs freien Kassen wird die Faust in der Tasche eh gleich wieder zur ausgestreckten Hand. Versöhnlich, wie bei ’ner Blutabnahme. Die Miezen in den Häuschen können schließlich nix dafür. Die leben hier ganz einfach auf beeindruckende Art ihre ureigene Solidarität unter Arminen vor. Und - is jetzt natürlich reine Spekulation von mir - möglicherweise nicht nur mit dem lahmarschigen Sitzplatzverkäufer, sondern auch mit uns, die wir spät, zu spät gekommen, vorübergehend unser Dasein als Schlange vor einem, vor dem einen Kassenhäuschen fristen.
Zugegeben, einige der Damen kauen hin und wieder etwas verlegen an den Fingernägeln herum. Geschenkt. Vielleicht haben sie ja Ulli Zweetz als Knopf im Ohr. Schließlich läuft das Spiel schon eine ganze Weile. Andere - wenn das der Kentschie sehen könnte - streicheln mit ihren Händen nahezu liebevoll über die vereinnahmten Geldbündel. Geld stinkt nicht, das ist wohl wahr. Und das es obendrein zumindest beruhigend wirken muss, ist in diesem Augenblick sehr offensichtlich. Jedenfalls, solange man nicht zuviel von dem Zeugs hat.
Dem jedoch, sind im Falle unserer Arminia, die Verantwortlichen des DSC schon vor. So viel Klasse muss sein. 'Wenn ihr Erfolg wollt, dann geht doch zu den Bayern'.
Erfolg? Nein, nein, so was wollen wir hier natürlich nicht. 'Nen Sieg hin und wieder, wäre ganz schön. Wenn das nicht klappt, dann ab und an mal’n neuen Trainer. Möglichst billich. Und - ganz wichtig - unsere alten Kassenhäuschen behalten. Das wär’s eigentlich. Die letzten Euronen eventueller ’last Minute’ Almgänger sollen sich selbige sonst wo hin stecken.
Und mal ganz ehrlich: Warum gucken sich diese Zeitgestressten, die Spiele eigentlich nicht einfach in aller Ruhe zu Hause an? Lieber beide Halbzeiten auf Premiere, als lediglich die Zweite im Stadion, oder? Sag ich doch. Gleiche Erkenntnis, übrigens, die im Laufe jenes Nachmittags bei mehreren, ungeduldigen Fans in der Schlange vor dem ’einen’ Kassenhäuschen reifte.
Kassenhäuschen...? Richtig, die alten Kassenhäuschen, darum ging’s hier ja. Also, wenn ihr mich fragt: Wäre wirklich schade drum.
Allen Nostalgikern zum Gruße,
Valdano