ZitatOriginal von jögi
Aber letztlich geht es hier ja um Ernst. Vielleicht sollte man wirklich mal die nächsten ein bis zwei Spiele abwarten. Wenn die Mannschaft in denen nicht anders auftritt, muss man sich natürlich Gedanken machen. Spätestens dann sollte auch die Stimmung in der Mannschaft ausgelotet werden.
Die Gedanken wird man sich hoffentlich nicht erst d a n n machen. Mehr noch, wenn man erst jetzt, in diesem Moment, damit begänne, sich ernsthafte Gedanken zu machen, wäre das ebenfalls eine hochgradige Vernachlässigung der Für- und Vorsorge gegenüber dem Verein. Zwar bin ich im Prinzip gegen Kurzschlüsse in Trainerfragen, hier gilt es jedoch - möglichst schnell - die grundsätzliche Frage zu beantworten, ob Ernst als Trainer in der heutigen Welt einen (unseren) Bundesligaklub perspektivisch weiterentwickeln und nachhaltig nach vorne bringen kann. Meine persönliche Skepsis bezüglich seines längerfristigen Engagements (als Trainer) war - wie bei wenigen anderen hier auch - von Anfang an gegeben (wiewohl ich seine Verpflichtung als Feuerwehrmann begrüßt habe). Natürlich kann ich nachvollziehen, dass es für die Vereinsführung nahezu unmöglich war, ihm nach der wundersamen Rettung einen neuen Vertrag vorzuenthalten. Und genau so natürlich war auch ich, jenseits meiner nüchternen Einschätzung, von der Hoffnung beseelt, unser Jahrhunderttrainer möge mich Lügen strafen und sich derart weiterentwickelt haben, dass er hier noch mal so richtig was risse. Jenes Argument, E.M. habe diese Entwicklung durch seine, mit den Auslandseinsätzen verbundene Flexibilität praktisch längst bewiesen, konnte ich in diesem Sinne hingegen nie gelten lassen. Ganz im Gegenteil, bei Middendorps Auslandseinsätzen handelte es sich jeweils um Länder mit äußerst archaischen Strukturen, die geradezu exemplarisch auf einen Generalscharakter zugeschnitten waren (und sind). Woher sollte da der Anreiz kommen, seine Art und Vorgehensweise großartig zu verändern? Nun gut, das ist natürlich nur e i n Aspekt. Die Wandlung vom Trainings- zum Sonntagnachittagsausgehanzugträger könnte auf der anderen Seite erwähnt werden. Auch die Streichung der Bratwurst vom Speiseplan. Allein, es sieht nicht sonderlich gut aus um Ernstls Traineramt. Die Zeit ist nicht stehen geblieben. Und nach der gleichen Regel, aber in einem anderen Sinne wird auch weiterhin Zeit vergehn: Die Vereinsführung wird sich mit einer Entscheidung schwer tun. Zu eindeutig und ausschließlich hat man sich - genau so unnötig wie ungewohnt - pro EM positioniert. Dabei wäre nach dem Spiel gegen Hamburg ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel gewesen: Halbwegs ehrenhafter Abgang für Ernstl und zwei Wochen Zeit für den Neuen die Mannschaft wieder aufzurichten (Sander könnte ich mir für uns gut vorstellen). Chance vertan, jetzt hat Ernst noch einmal s e i n e Chance. Ist allerdings spätestens nach dem Spiel gegen Cottbus keine Besserung in Sicht, muss innerhalb von 12 Stunden (über Nacht) alles gefixt sein. Und nicht erst dann mit dem Nachdenken begonnen werden (was Jögi auch sicherlich nicht wörtlich gemeint hat). Für den gegebenen Fall, dass ..., wünsche ich den direkt beteiligten Akteuren genügend Verstand, Größe und Einfühlungsvermögen, um dieses Kapitel sowohl effizient als auch weitestgehend interesse- und gesichtswahrend für alle über die Bühne zu bekommen. Der Verein steht zwar glücklicherweise nicht mehr am Abgrund seiner Existenz, wohl aber würde ein Abstieg aus der 1. Liga zum jetzigen Zeitpunkt das gegebene positive Momentum unserer Entwicklung enorm abbremsen und uns sehr konkret der Gefahr einer - relativen - Trendumkehr aussetzen. Könnte bedeuten, dass wir dann nicht mehr darüber diskutieren, ob es für den Verein besser sei, jetzt sofort oder erst in fünf Jahren 'nach Italien' zu reisen, sondern, angesichts unserer Abhängigkeit von sich uns dann zunehmend verschließenden Geldern aus diesem System: Arrivederci, Belissima.
Valdano