ZitatOriginal von MJockel
sehe ich etwas anders. die entscheidungsgewalt über sportliches sollte schon bei der sportlichen leitung liegen...aber der verein braucht ein gesamtkonzept welches die sportliche leitung umzusetzen hat....und zwar jede sportliche leitung, diese wird bei arminia ja bekanntlicherweise jahr für jahr ausgetauscht. der verein sollte dabei ein vetorecht haben, von dem er allerdings möglichst selten gebrauch machen sollte...aber er muss in der lage sein, die gröbsten schnitzer zu verhindern und das vom verein gewollte konzept zum grossen teil durchzudrücken, was schon bei der auswahl von sportchef und trainer anfängt.
warum hat das bisher nicht funktioniert? weil bei arminia kein einziger fussballfachmann in den gremien sitzt, in denen bei uns sponsoren, fanvertreter und <hust> sitzen...da habe ich im grunde nichts dagegen, wer zahlt soll auch teilnehmen können...aber wohin das führen kann wenn es zu einseitig wird haben wir diese saison gesehen. die gremien sollten zumindest fähig sein, bei einer sportchefbewerbung, die den verein evtl auf jahre beeinflussen wird(!), zb. einen blender von einem guten mann zu unterscheiden. wenn man nicht mal das kann...dann landet man da wo wir jetzt sind.
So... ich hatte dazu schon wieder einen gaaaaanz langen Sermon angefangen, aber das muss auch kürzer gehen.
1) Wer mehr sportliche Kompetenz in den Gremien will, der fordert damit eigentlich eine Umbildung des Präsidiums und möglicherweise auch eine Umbesetzung des Aufsichtsrats. Ersteres halte ich, nicht nur aus diesem Grund, für absolut unverzichtbar, Letzteres mindestens für diskutabel. Neben der simplen Tatsache, dass eben irgendein Sessel freizuräumen wäre, spricht dafür aber auch die Geschichte des Vereins. Im Falle eines Konflikts von sportlichen und anderen Faktoren haben sich hier traditionell meist die anderen durchgesetzt. Eigentlich müßig, darüber noch zu lamentieren, aber wir wissen doch alle, dass wir mit etwas weniger Steinen und etwas besseren Beinen heute deutlich gesünder da stünden. Also muss verschärft darauf geachtet werden, dass es nicht nur auf ein sportliches Feigenblatt hinausläuft, das die lokalpolitischen und sonstigen Verstrickungen nur notdürftig verdeckt.
2) Der "Bielefelder Weg" ist jedenfalls momentan noch weit davon entfernt eine Philosophie - oder von mir aus auch ein sportliches Gesamtkonzept - zu sein, aber auch die Berufung von ehemaligen Spielern, Trainern oder weiß der Teufel in die Entscheidungspositionen allein erzeugt noch keine aus dem Nichts. Wir brauchen auch mehr Vision, mehr strategisches Denken. Das Wort Gesamtkonzept gefällt mir eigentlich sogar sehr gut in diesem Zusammenhang... nur müsste es wirklich umfassend sein, also die Verzahnung von sportlichen, finanziellen, medialen und internen Dingen zu einem "Gesamtkunstwerk" sicherstellen. Hier ist so lange so viel falsch gelaufen, dass wir mit weniger nur schwer auskommen werden. Da sehe ich allerdings mindestens so viel Vakuum wie in sportlichen Fragen bei unserer Flickschuster-Innung.
3) Auch die schönste Philosophie nützt nichts, wenn sie nicht konsequent im gesamten Verein gelebt wird. Beziehen wir es erst einmal nur auf den sportlichen Bereich, dann müssen auch hier erst einmal Mechanismen geschaffen werden, die dafür dauerhaft sorgen. Das "dauerhaft" ist das Problem. Normalerweise braucht so etwas Zeit, Kontinuität und eine Führung, die wenigstens ahnt was sie so treibt. Zeit haben wir nicht, Kontinuität haben wir in den unteren Etagen ohne Not (aus den bekannten Gründen, auch bspw Krobbach war zu unbequem.) selbst zerstört und da sind dann auch mittlerweile Fakten geschaffen, die wir nicht auf die Schnelle beeinflussen können. Zur Führung s.o, sie ist der einzige Ansatzpunkt an dem schnell gehandelt werden kann ohne direkt neue Kosten zu produzieren.
Ich muss das noch etwas detaillierter ausführen (und höre vorm geistigen Ohr ein vielstimmiges Aufseufzen). Die Dauerhaftigkeit stellt eigentlich sogar ein mehrfaches Problem dar: Zum einen rächt sich hier die schnelle Abfolge schwacher Trainer ein weiteres Mal, zum anderen stehen die Faktoren, die dazu geführt haben, eben auch grundsätzlich einer nachhaltigen Ausrichtung im Wege. (Übergewicht von Sponsoren, Bauernopfer-Mentalität, sportliche Inkompetenz bei zu vielen Entscheidungsträgern, Aktionismus, usw). Weiterhin muss man aber auch befürchten, dass selbst im unwahrscheinlichen Fall, dass sich tatsächlich kompetente Menschen für diese Mission Impossible finden ließen, diese doch innerhalb kürzester Zeit entweder mit dem blanken Entsetzen in den Augen Reiß-Aus nehmen oder weg gebissen würden, wenn sie der Seilschaft unbequem werden. (Was sich mMn aus kompetent mit zwingender Logik ergibt... aber sei's drum.)
Als Letztes ist dann noch zu bedenken, dass angesichts der bisherigen hire and fire Mentalität auch in einem weiteren Bereich, der meines Erachtens nach unbedingt gewährleistet werden muss, wenn man eine nachhaltige Philosophie etablieren will, kaum mit Begeisterung zu rechnen ist: dem Transfer von Know-How. Cheftrainer und Sportdirektoren kommen und gehen, darauf muss man Antworten finden, die die Kernkompetenzen unabhängig von den je aktuell Handelnden machen. Eine klar vorgegebene Philosophie ist natürlich ein Teil, aber wie sie umzusetzen ist gehört genauso dazu. Nur wenn wir das in den Griff bekommen kann dauerhaft etwas wachsen. Auch hier ist momentan aber nur Wildwuchs mit ein paar versprengten Ansätzen. Das so etwas geht beweist bspw Mainz, mit der bemerkenswerten Konsequenz, dass dort auch ein Aufstiegstrainer entlassen wird, wenn er sich nicht einfügt und man dann einen Mann aus den eigenen Reihen Gewehr bei Fuß hatte.
Ja, das war jetzt wirklich die Kurzform.
lg,
r