Toll, Hansa bleibt erstklassig!
Der FC Hansa hat mit seinem 3:0-Heimsieg über Arminia Bielefeld die letzten Abstiegsängste verjagt.
Rostock (OZ/K.R.) Grenzenloser Jubel beim FC Hansa und seinen Fans: 25 000 Zuschauer im Ostseestadion und Zehntausende Fußballanhänger in nah und fern feiern den Rostocker Klub, der mit einem 3:0-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga perfekt gemacht hat.
Damit sind die Rostocker in der kommenden Saison zum neunten Mal in Folge und das zehnte Jahr insgesamt erstklassig und nach dem Abstieg von Energie Cottbus auch wieder der einzige Vertreter aus den neuen Bundesländern im deutschen Fußball-Oberhaus. „Der ganze Osten freut sich“, strahlte Marco Vorbeck, Torschütze des zweiten Treffers. „Es gibt unheimlich viele Hansa-Fans auch außerhalb unseres Bundeslandes und in ganz Ostdeutschland. Deshalb war dieser Sieg sehr wichtig“, sagte Ministerpräsident Harald Ringstorff. „Hansa ist ein Aushängeschild.“
Spätestens seit dem Wiederaufstieg 1995 ist der FCH zugleich sportlicher Vorzeigeklub, Sympathieträger und Markenzeichen von Mecklenburg-Vorpommern. Unter weitaus schwereren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gegenüber der Konkurrenz hat sich der Verein in der Bundesliga etabliert und sich eine zukunftsträchtige Struktur erarbeitet. Der vor zwei Jahren abgeschlossene, rund 30 Millionen Euro teure Umbau des Ostseestadions hat dem Klub neue Vermarktungsmöglichkeiten eröffnet. Als einer der ersten Bundesliga-Klubs verfügte der FC Hansa über ein Nachwuchsinternat. Rund 220 Talente werden derzeit von 13 haupt- und 25 ehrenamtlichen Trainern des Klubs betreut.
Die kommende Bundesliga-Saison, für die der FCH die Lizenz zum vierten Mal in Folge ohne Auflagen erhielt, planen die Ostseestädter mit einem Etat von 24,5 Millionen Euro. Der erste Neuzugang steht bereits fest. Mit Mittelfeldspieler Thomas Schultz heuert erstmals ein Däne bei den Rostockern an.
Durch Hansa und weitere Erstliga-Klubs wird die Ostseeküsten-Region einen weiteren Popularitätsschub erfahren. So wollen in der kommenden Saison auch die Handballer des Stralsunder HV und die Ringer des PSV Rostock Luft in der Bundesliga schnuppern, wo die Gewichtheber vom Sund schon seit über einem Jahrzehnt für erstklassige Leistungen sorgen.
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Hansas Rettung ging unter die Haut
Tolle Stimmung im Ostseestadion. FCH machte mit dem höchsten Saison-Heimsieg den Klassenerhalt klar.
Rostock (OZ) Armin Veh war „einfach nur glücklich“, Marco Vorbeck fand's „richtig geil“ und René Rydlewicz verspürte vor allem „Erleichterung“ – der letzte Heimauftritt des FC Hansa hatte es noch einmal in sich. Schon lange vor dem Abpfiff wurden die Rostocker von ihren Fans mit stehenden Ovationen, Jubelgesängen und rhythmischem Klatschen gefeiert. „Die Stimmung war überwältigend. Nach dem Abpfiff kamen schon ein paar Tränen“, gab Dietmar Hirsch unumwunden zu. In der Stunde des Erfolgs zeigte auch Trainer Armin Veh Emotionen. Sichtlich gerührt, umarmte er jeden Spieler. Das ging unter die Haut.
Mit einem hoch verdienten 3:0 (1:0)-Erfolg über Arminia Bielefeld machte der FCH den Klassenerhalt eine Runde vor Schluss perfekt und startet damit im Sommer ins neunte Bundesliga-Jahr in Serie. Nur das zählt. Mit 41 Punkten und der Chance auf „Nachschlag“ liegt der Klub im grünen Bereich. Dennoch blieb der überschwängliche Jubel zunächst aus. „Alle waren ziemlich müde. Das war ein hartes Stück Arbeit“, meinte Dietmar Hirsch. Zudem sei die Saison „insgesamt unbefriedigend“ verlaufen, räumte er ein.
Nach monatelangem Stolperfußball machten zumindest die letzten beiden Heimspiele Lust auf mehr. Hansa hielt am Sonnabend dem „extremen Druck“ (Jochen Kientz) stand und präsentierte sich als verschworene Truppe. Alle kämpften mit Leidenschaft. Die frühe Führung durch einen fulminanten Schuss von Godfried Aduobe gab zusätzliche Sicherheit. Bielefeld zeigte sich beeindruckt. „So wie Hansa muss man im Abstiegskampf spielen“, anerkannte Arminia-Torhüter Mathias Hain. Die alles in allem harmlosen Gäste, die im Kampf um den Klassenerhalt nunmehr auf Schützenhilfe angewiesen sind, konnten Hansa nur bei Standardsituationen in Verlegenheit bringen.
Dann kam der große Auftritt von Marco Vorbeck. „Bloß nicht versemmeln“, schoss es ihm durch den Kopf, als er allein auf Hain zulief, diesen umkurvte und sicher zum 2:0 vollendete. Ein feine Einzelleistung. „Das ist ein super Gefühl“, sprudelte es aus dem 21-jährigen Vorbeck heraus. Grund zum Jubeln hatte auch der eingewechselte Toni Di Salvo, der den höchsten Heimsieg der Saison perfekt machte.
Danach war nur noch Party angesagt. „Zweite Liga – nie mehr, nie mehr, nie mehr“, „Hansa forever“, „Oh, wie ist das schön“ – immer wieder wurden die einschlägig bekannten Fan-Hymnen angestimmt. Das Ostseestadion ein Meer aus blau-weißen Fahnen und Schals.
Während die Bielefelder mit hängenden Köpfen zum Bus schlichen, machten die Hansa-Profis bei ihrer feucht-fröhlichen Feier in Rostock die Nacht zum Tag.
In der Stunde des Erfolgs wurde auch nach vorn geschaut. „Wir müssen konstanter werden. Wenn man immer wieder unten mitschwimmt und um den Klassenerhalt kämpft, kann es irgendwann passieren, dass es einen erwischt“, gibt Jochen Kientz zu bedenken. Und Aufsichtsrats-Chef Prof. Horst Klinkmann wollte mit Blick auf die kommende Spielzeit „nicht von Abstiegskampf reden, sondern von gutem Fußball“. Schön wär's.
STEFAN EHLERS
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