Das schreibt das WB:
Raducanu wird abgestraft
Rapolder stellt DSC-Zukunft des Rumänen in Frage – Skela zu Gast
Von Werner Jöstingmeyer
Oberstaufen (WB). Seit gestern Morgen ist für Claudiu Raducanu die Welt nicht mehr in Ordnung. Als sich die Arminen zum Frühstück trafen, fehlte der 27-jährige Rumäne. Zimmergefährte Fatmir Vata zuckte nur verständnislos mit den Schultern, als er nach dem Verbleib des Kollegen befragt wurde: »Der schläft wohl noch. Wahrscheinlich hat Claudiu den Wecker nicht gehört.«
Cheftrainer Uwe Rapolder hatte endgültig die Nase voll. Schließlich hasst er mangelnde Disziplin wie die Pest. Als erste Maßnahme suspendierte er die diskutierfreudige »Primadonna« von der vormittäglichen Ballarbeit. Während die Kollegen ausnahmsweise mit dem Mannschaftsbus zu einem Trainingsplatz in der Nachbargemeinde von Oberstaufen fuhren, trabte Raducanu in Begleitung von Co-Trainer Frank Geideck 50 lange Minuten über die hügeligen grünen Wiesen in der nahen Umgebung des Hotels. »Strafe muss sein. Undiszipliniertheiten vor den Augen der Mannschaft kann und werde ich mir nicht gefallen lassen«, begründete der Coach diese Maßnahme.
Offensichtlich avanciert Claudiu Raducanu zum Sorgenkind innerhalb des Bielefelder Kaders. Die Leihgabe des spanischen Erstligisten Espanyol Barcelona sieht sich selber mehr als Ballkünstler und nicht als lauffreudiger Stürmer, wie ihn Rapolder für sein bevorzugtes Pressingspiel benötigt. Kein Wunder, dass der Trainer schon tags zuvor Raducanus Engagement beim Kraftzirkel und den Intervallläufen vermisste und wiederholt in den Übungsspielchen dessen Diskutierfreudigkeit lautstark unterband. »Claudiu hat erhebliche Integrationsprobleme. Das liegt aber nicht an der Mannschaft«, stellte Rapolder fest.
Die »Strafarbeit« fand gestern Nachmittag ihre Fortsetzung. Während sich bis auf die Rekonvaleszenten alle Spieler vor dem abendlichen Auftritt im Alpencup gegen Feyenoord Rotterdam ausruhen durften, stand für Raducanu eine weitere Trainingsarbeit im Ausdauer- und Koordinationsbereich auf dem Programm. Gestern Abend wollte der Cheftrainer den »Problemfall« Raducanu mit den beiden angereisten Arminia-Geschäftsführern Thomas von Heesen und Roland Kentsch erörtern. Ob es für den rumänischen Nationalspieler überhaupt noch eine Zukunft in Bielefeld gibt, sollen die beiden »Chefs« entscheiden. Rapolders Sorge: »Ich habe Angst, dass Claudiu auch Klodian Duro mit hinunter zieht. Auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse stecken die beiden viel zu häufig ihre Köpfe zusammen.«
Mit dem ehemaligen Frankfurter Ervin Skela befindet sich seit gestern ein weiterer Gast im Trainingslager des DSC Arminia. »Es handelt sich um einen rein privaten Besuch«, trat Uwe Rapolder Spekulationen entgegen, der offensive Mittelfeldspieler könne schon bald auf der Bielefelder Gehaltsliste stehen. »Skela verhandelt zurzeit aussichtsreich mit dem belgischen Klub Genk. Bis er endgültig einen Verein gefunden hat, kann er bei uns mittrainieren«, stellte Rapolder einen Aufenthalt in Oberstaufen bis zum 28. Juli in Aussicht.
In Leverkusen, Frankfurt und auch in Bielefeld hatte Skelas Berater zu hoch gepokert. Kein Klub war bereit, das geforderte Gehalt von 1,2 Millionen Euro zu zahlen. Arminia verpflichtete statt dessen Klodian Duro. Ob der albanische Nationalspieler beim DSC tatsächlich noch eine zweite Chance erhält, wollte Uwe Rapolder nicht weiter kommentieren. Sein einziger Einwand: »Wir haben zwar kein Geld, aber Skela hat seine Gehaltsvorstellungen inzwischen deutlich reduziert.«
Foto: Laufarbeit ist in Oberstaufen an der Tagesordnung: Marcio Borges, Klodian Duro, Claudiu Raducanu und Zeljko Radovic (v.l.) sammeln Kilometer. Den Rumänen Raducanu schickte Trainer Rapolder aus disziplinarischen Gründen sogar auf die Strafrunde. Foto: Stefan Hörttrich