Was die Kinder angeht, ist die Situation mehr als schwierig, das gebe ich zu. Die ander Aussage aber finde ich gefährlich.
Wir sind in Deutschland gerade auf einem interessanten Trip. Weltweit bewundert man uns für das Management dieser Pandemie. Wir haben eine sehr geringe Fallsterblichkeit, wir haben die Ausbreitung im Griff und wir lockern nun langsam. Aber plötzlich kommen die ganzen Kritiker aus der Ecke. Die Schäden durch die Maßnahmen sind größer als der Schaden ist ja noch sehr plakativ. Es wird ja auch an verschiedenen anderen Stellen gekratzt. Nun wird plötzlich in Frage gestellt, dass die Krankenhäuser Betten frei gehalten haben und OP's verschoben wurden und dies nicht nötig war. Das ist bei vorbeugenden Maßnahmen aber eben auch ab und an der Fall. Die gleiche, irrsinnige Diskussion führen wir jetzt gerade über die Mundschutzpflicht.In Deutschland fahren keine LKW des Militär vor die Häuser und schaffen die Toten weg und es sterben auch keine Menschen auf den Gängen der Krankenhäuser, weil sie nicht versorgt werden können. Es gibt ein Kontaktverbot, aber keine ausgangssperre, wie in Italien oder Spanien und es gibt kein Massensterben wie in den USA. Das passiert hier nicht, WEIL man so konsequent Maßnahmen ergriffen hat. Die Leute zeigen dann immer gern auf Schweden, lassen aber außer Acht, dass dort jetzt mit ein paar Wochen Verspätung fast das gleiche umgesetzt wird wie hier.
Klar, das Kurzarbeitergeld ist zu knapp und die Soforthilfen sind stellenweise ein Tropfen auf den heissen Stein, aber Fakt ist, Deutschland hat finanzielle Unterstützungen auf den Weg gebracht, die kaum ein anderes Land so stemmen kann. Klar, es ist scheisse mit den Kindern zu Hause (ich kann da ein Lied von singen) und ich hätte gern den 90. Geburtstag meiner Oma mit Gästen gefeiert, aber aus meiner Sicht zeigt der Erfolg, dass die Regierung in Deutschland vieles richtig gemacht und oftmals schnell und unbürokratisch auf gravierende Änderungen reagiert hat. Zumal man ja berücksichtigen muss, wie oft und wie schnell sich Erkenntnisse verändert haben.
Damit will ich nicht alles glorifizieren, aber ich finde es ist es wert darüber nachzudenken, ob man bei der Bewertung der aktuellen Situation nicht lieber die Maßnahmen hinzuziehen sollte, anstatt sie auszublenden. Für mich ist das Jammern auf sehr hohem NIveau. Denn ich persönlich lebe jetzt lieber mit stärkeren Beschränkungen, anstatt mit einem erneuten Shutdown im Herbst oder Winter.
Ich stimme Dir fast vollkommen zu. Deutschland hatte natürlich auch Glück, dass sich das Virus nicht so unbemerkt verbreitet hat wie in anderen Ländern. Andererseits ist durch die Maßnahmen vieles verhindert worden, das stimmt. Die Maßnahmen waren alternativlos und mussten umgesetzt werden. Aber wenn sich nach einer gewissen Zeit Erfolge einstellen und die Maßnahmen fruchten, muss man schauen, an welchen Stellen und für wen Maßnahmen gelockert werden müssen, weil Ihr Schaden AKTUELL höher ist als der Nutzen. Und nach allem was man bisher weiß, ist es alles andere als dramatisch wenn sich Kinder untereinander infizieren sofern sie (bzw ihre Eltern) es schaffen, dass sie sich von Risikogruppen fernhalten. In irgendeiner Form sollten da Sport und Bewegungsangebote für Kinder geschaffen werden. Ich habe 2 Kinderpsychologen im engeren Freundeskreis, die aktuelle Situation scheint wirklich deutlich gefährlichere Auswirkungen zu haben als eine Infektion bei ihnen hätte.
Und zu Schweden (in dem Punkt stimme ich nicht zu): Da wird schon wochenlang die Apokalypse vorhergesagt. Wann kommt sie denn? Die Todeszahlen sind dort aktuell höher als sonst zu dieser Zeit, aber nicht so dramatisch wie es in anderen Ländern der Fall war. Auf die Letalität würde ich gar nichts geben, da es vor allem bei Kindern und Jugendlichen eine extrem hohe Dunkelziffer gibt, denen passiert selbst halt nichts. Wenn viele Menschen in der Bevölkerung den Virus tragen, haben auch viele Tote den Virus. Es ist nicht unmöglich, dass Schweden mit der ganzen Geschichte im Herbst durch ist und wir jeden Morgen noch Herrn Wieler die Zahlen vorlesen hören.