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Beiträge von KSV-Jens

  • "Bielefeld gibt es nicht" - von Matthias Franz

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 20:58

    "Ich sage nichts. Das wirst du sehen."
    "Komm mir jetzt bloß nicht wieder damit!"
    "Ist schon gut. Vergiß es einfach. Ich fahre mit dir, und die Sache ist erledigt."


    Schon seit Stunden waren Susanne und Thomas auf der Autobahn unterwegs. Es war ein heißer Sommertag. Die Sonne prallte von einem kornblumenblauen Himmel. Sie hatten Frankfurt gerade hinter sich gelassen, als Thomas ein hellblauer Lieferwagen mit Bielefelder Kennzeichen auffiel. Er war die ganze Zeit schon hinter ihnen. Mal versteckte er sich auf der anderen Fahrbahn hinter einigen anderen Autos, mal schnupperte er direkt am Auspuff des Opel Corsa, der Susanne gehörte. Möglichst unauffällig, doch immer war dieser Lieferwagen in der Nähe. Thomas wurde langsam unheimlich zumute. Wurden sie langsam verfolgt? Waren SIE bereits hinter ihnen her? Er sah sich nochmal um. Im Lieferwagen saßen zwei Männer, die nichts verdächtiges an sich hatten. Einer trug eine Latzhose, der andere ein kariertes Hemd. Beide rauchten bei der Fahrt. Thomas beschloß, auf sie zu achten, und tatsächlich: Auf dem ganzen Weg durch die Wetterau bis zum Reiskirchener Dreieck waren und blieben sie hinter ihnen. Auch machten sie keine Anstalten in Richtung Gießen abzubiegen. Warum auch? Sie hatten wohl scheinbar das gleiche Ziel wie Susanne und Thomas. Es war anzunehmen, daß sie nach Hause wollten, und da war die A5 und später die A7 bis Kassel genau die richtige Strecke. So lange man davon ausging, daß es Bielefeld gab, war also alles in Ordnung. Aber davon ging Thomas eben nicht aus. Dieser Lieferwagen gehörte IHNEN – eindeutig. Vielleicht waren da sogar Abhöranlagen drin, und jedes Wort, das er jetzt mit Susanne wechselte, würden sie mitbekommen.
    Susanne bemerkte plötzlich Thomas' Nervosität. "Was ist denn mit dir los?" fragte sie.
    "Ich glaube, wir werden verfolgt", entgegnete Thomas.
    "Jetzt leidest du schon unter Paranoia." Susanne schüttelte lächelnd den Kopf.
    "Es ist mein Ernst. Siehst du den blauen Lieferwagen hinter uns?"
    Susanne blickte in den Rückspiegel. Dann nickte sie.
    "Der fährt schon die ganze Zeit hinter uns her."
    "Der wird wohl noch ne ganze Weile hinter uns her fahren. Der ist nämlich aus Bielefeld. Schätze, er will wieder nach Hause."
    Thomas sah Susanne mit einem Blick an, der etwas rätselhaft war und auch sein sollte. Wie nur konnte Thomas sie auf seine Seite ziehen? Sie würde unvorsichtig in ihr Verderben fahren, wenn er nicht aufpaßte.
    "Hör zu", sagte Thomas. "Wenn wir nachher in Bielefeld sind, und dir kommt irgendetwas merkwürdig vor, dann halte sofort an oder drehe um oder sowas. Wem wir auch auch immer begegnen werden: Traue keinem."
    "Ich weiß, das ist schwer, einen Menschen, der einem so nahe gestanden hat, zu verlieren", warf Susanne ein. "Aber deswegen gleich paranoid zu werden..."
    "Das ist keine Paranoia. Das ist eine Verschwörung der Illuminati."
    "Jaja, und der Freimaurer gleich dazu. Die Illuminati müssen wohl für jede Verschwörungstheorie herhalten. Vielleicht noch die Templer? Wie wär's mit den Rosenkreutzern? Die Bundesregierung? Der Verfassungsschutz?"
    "Wenn du mir glauben würdest, wüßtest du es. Wann hast du das letzte Mal was von Dr. Oetker gegessen?"
    Susanne zuckte die Achseln. "Keine Ahnung. Warum?"
    "Ach nichts. Ist nicht so wichtig. Vergiß es wieder."
    Sie sprachen nicht weiter darüber und wandten sich wieder anderen Gesprächsthemen zu. Trotzdem achtete Thomas darauf, daß er den hellblauen Lieferwagen mit Bielefelder Kennzeichen im Auge behielt. Sie blieben auf der ganzen Fahrt durch den Vogelsberg hinter ihnen. Dann erreichten sie das Kirchheimer Dreieck, und Thomas lief ein Schauder über den Rücken, als er an die Geschichte über die Autobahn dachte, die hier angeblich verschwunden sein sollte. Dämonen hatten sie angeblich verschwinden lassen und bei den Menschen sämtliche Erinnerungen daran ausgelöscht. Eine abstruse Geschichte, aber war das mit Bielefeld nicht mindestens genauso abstrus? Verschwörungstheorien gab es ja eine ganze Menge.
    "Bei der nächsten Raststätte werden wir mal anhalten", verkündete Susanne wenige Kilometer hinter dem Kirchheimer Dreieck.
    Thomas wußte nicht, was er von dieser Idee halten sollte. Es wäre eine gute Methode festzustellen, ob die vermeintlichen Verfolger auch tatsächliche Verfolger waren. Andererseits: Was wäre, wenn sie tatsächlich Verfolger waren und hinter ihnen auch auf die Raststätte fahren würden, nur darauf wartend, daß sie ausstiegen, um sie dann festzunehmen oder ähnliches?
    "Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist", sagte er daher.
    "Wie du weißt nicht, ob das so eine gute Idee ist? Hältst du es für eine gute Idee, wenn ich in die Hose mache?"
    Sie hatte gewonnen. Doch bedenklich fand Thomas die Sache schon. Dennoch: Er mußte sich fügen. Wenn SIE ihn kriegen wollten, würden SIE ihn auch kriegen. So viel war klar.
    Als sie die Raststätte Hasselberg erreicht hatten, setzte Susanne den Blinker und fuhr von der Autobahn auf den Parkplatz der Raststätte. Thomas sah in den Rückspiegel, und tatsächlich: Auch der blaue Lieferwagen mit dem Bielefelder Kennzeichen hatte die Autobahn verlassen und war ihnen gefolgt.
    "Scheiße, sie sind hinter uns her!" rief Thomas.
    "Bist wohl doch paranoid oder was?"
    "Na, dann guck mal in den Rückspiegel!"
    Susanne blickte in den Rückspiegel, aber sie sah nichts. Der blaue Lieferwagen, der direkt hinter ihr fuhr, fiel ihr nicht auf. Sie steuerte den großen Parkplatz vor der Raststätte an und stellte sich auf einen freien Parkplatz. Der blaue Lieferwagen parkte direkt neben ihnen. Auffälliger ging es nun wirklich nicht mehr! Susanne schnallte sich ab und wollte schon aussteigen, doch Thomas hielt sie am Arm fast. "Warte!" sagte er.
    Er schielte nach nebenan, wo Fahrer und Beifahrer die Türen öffneten und das Auto verließen. Dann schloß der Fahrer die Tür ab, und die beiden gingen auf den Raststättenbungalow zu.
    "O.K.", sagte Thomas endlich. "Wir können aussteigen."
    "Ich nehme dich nie wieder mit, wenn ich auf Geschäftsreise fahre!" maulte Susanne.
    Sie verließen den Wagen, und Hand in Hand schritten sie auf das Gebäude zu. Thomas war etwas mulmig zumute bei dem Gedanken, dort drinnen vielleicht auf Fahrer und Beifahrer des Bielefelder Lieferwagens zu stoßen. Daß auch im Inneren des Lieferwagens Männer gesessen haben könnten, daran hatte er in seiner Aufregung nicht gedacht, und so sah er sich auch nicht um. Hätte er es getan, so hätte er gesehen, wie sich die hintere Tür des Lieferwagens öffnete und zwei Männer in schwarzen Anzügen ausstiegen. Sie beide sahen aus wie aus dem Ei gepellt: Der eine hatte eine Seitenscheitel-Frisur, der andere überhaupt keine Frisur. Sein kahler Schädel glänzte in der Sonne. Ein buschiger Schnurrbart zierte die Oberlippe wie auch die beiden Partien links und rechts des Mundes. Am linken Ohr trug er einen Ohrring. Jeder von beiden trug eine schwarze Aktentasche und hatte eine Sonnenbrille auf.
    Die elektronischen Glastüren surrten und öffneten sich, und Susanne und Thomas betraten die Raststätte. Susanne bewegte sich schnurstracks auf die Toilette zu. "Ich muß jetzt erst mal", erklärte sie.
    "O.K., Liebling. Ich warte auf dich."
    Sie gab ihm einen kurzen Kuß auf die Lippen und verschwand daraufhin in der Damentoilette. Thomas blieb vor der Tür stehen, und obwohl er Nichtraucher war, betrachtete er den Zigarettenautomaten – weniger aus Interesse als deswegen, weil er das einzige interessante Objekt weit und breit war. Er sah sich die Marken an: Marloboro, Philipp Morris, Camel, Peter Stuyvesant, Gauloises...
    "Entschuldigen Sie, bitte!"
    Thomas drehte sich um und sah auf. Dort standen zwei Herren, die er nie zuvor gesehen hatte. Es waren jene zwei Herren, die nach ihm aus dem Lieferwagen herausgekommen waren, und der Mann mit der Glatze sagte: "Wir müssen Sie leider bitten, mit uns zu kommen!"
    "Einen Moment bitte! Ich muß noch auf meine Freundin warten."
    "Sofort!" sagte der Mann mit dem Mittelscheitel und zückte einen Revolver, den er auf Thomas richtete. Kein anderer Mensch war in der Nähe. Und Thomas wußte: Sie meinten es ernst. Sie würden notfalls auch schießen, wenn es sein mußte. Also fügte er sich ihnen und folgte ihnen.
    "Wo gehen wir hin?" fragte er. "Und was ist mit meiner Freundin, wenn die wieder aus der Toilette rauskommt, und ich bin nicht da?"
    "Das lassen Sie mal unsere Sorge sein", sagte der Mann mit der Glatze.
    "Werden Sie mich töten?"
    "Wenn Sie alles tun, was wir Ihnen sagen, werden Sie wieder gehen können. Wenn nicht, ist es nicht auszuschließen, daß wir Sie töten werden."
    Thomas lief eine Gänsehaut über den Rücken. SIE hatten ihn erwischt, und jetzt würden SIE versuchen, ihn eines besseren zu belehren. SIE würden versuchen, ihm einzubleuen, daß es Bielefeld doch gab und daß er gefälligst nach Bielefeld zu fahren hatte. Angst stieg in ihm auf. Große Angst. Was würde ihn erwarten? Würde er verhört werden? Einer Gehirnwäsche ausgesetzt? Noch geschah nichts. Sie gingen einfach nur durch das Restaurant der Raststätte, dann durch einen Flur, eine Kellertreppe hinunter und blieben schließlich vor einer Stahltür stehen, auf der stand: Zutritt für Unbefugte verboten! Lebensgefahr!
    Der Mann mit der Glatze öffnete die Stahltür mit einem Schlüssel, und sie kamen in einen weiteren Raum, der allerdings nur so klein war, daß die drei Männer gerade mal darin Platz fanden. Am anderen Ende des Raumes war eine Tür. Vor dieser Tür jedoch war so etwas wie Scheckkartenlesegerät. Der Mann mit der Glatze nahm eine Scheckkarte aus seinem Geldbeutel, zog sie durch das Lesegerät und sagte dabei: "Sicherheitscode Alpha 35 B 93 87 U."
    Eine weibliche Computerstimme ertönte: "Alpha 35 B 93 87 U bestätigt – willkommen, Herr Lindemann."
    Die Tür öffnete sich und gab dabei ein leises elektronisches Summen von sich, das Thomas ein wenig an Raumschiff Enterprise erinnerte. Herr Lindemann ging als erster in den Raum. Hinter ihm folgte Thomas, und das Schlußlicht bildete der Herr mit dem Mittelscheitel. Hinter der Tür war es viel dunkler als draußen. Sie betraten einen Raum, dessen Wände links und rechts mit Monitoren verziert waren. Vor den Monitoren befanden sich riesige Schalttafeln, und an den Schalttafeln saßen Mitarbeiter, die allesamt Kopfhörer aufhatten, die Schalttafeln bedienten und wie gebannt auf die Monitore blickten. Thomas bemerkte, daß die Monitore Bilder von der Raststätte aus allen Perspektiven zeigten. Eine Kamera war zum Beispiel direkt hinter den Spiegeln in den Toiletten angebracht. In einer der Kameras war gerade seine Freundin Susanne zu sehen, wie sie sich die Frisur richtete. Andere Monitore zeigten den Speisesaal, wieder andere die Küche und wieder andere den Parkplatz. Es gab keinen Winkel der Raststätte, der nicht von hier aus überblickt werden konnte. Irgendwie erinnerte das alles Thomas ein wenig an den Film Sliver.
    Sie gingen weiter, und bald bemerkte Thomas, daß nicht nur die Raststätte von hier aus überwacht wurde, sondern auch die Autos. In jedem Auto war eine Kamera angebracht, die das Innere des Autos filmte. Wahrscheinlich wurden diese Kameras serienmäßig in jedes Auto eingebaut, aber niemand wußte davon, weil SIE die Autoindustrie kontrollierten. Einige Autos waren unterwegs, und Thomas konnte Fahrer, Beifahrer und manchmal sogar noch Personen auf dem Rücksitz sehen. Er hielt kurz an, als er einen Monitor sah, dessen Bild ihm nur allzu bekannt vorkam: Es zeigte das Innere von Susannes Auto. Es war ohne Frage Susannes Auto. Alles stimmte: Die winzige Maus, die vom Rückspiegel herunterhing, ebenso die Tanne, die im Auto Tannenduft verbreiten sollte, der Diddl, der an der linken Scheibe des Autos klebte, der Aufkleber an der Heckscheibe – es konnte eigentlich nur Susannes Auto sein. Alles stimmte bis ins kleinste Detail.
    Thomas kam immer mehr auf den Gedanken, dies könnte eine IHRER Schaltzentralen sein, von der aus sie überprüften, daß alles für SIE zur Zufriedenheit verlief und die Leute weiterhin fleißig an Bielefeld glaubten und sich auch sonst als das Rädchen in der Maschine verhielten, und wer es nicht tat, dem gnade Gott!

  • "Bielefeld gibt es nicht" - von Matthias Franz

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 20:56

    Als Thomas im Zug nach Hause fuhr, war er erbost. Wo war er gelandet? In einem Debattierclub? Hatten diese Leute wirklich nichts anderes zu tun, als sich über Probleme den Kopf zu zerbrechen, die sie nichts angingen – schlimmer noch: die gefährlich waren und von denen man besser die Finger lassen sollte? Wen juckte es, ob Bielefeld existierte oder nicht? Es war ja nicht so, daß er in Ostwestfalen-Lippe wohnte. Auch würde er kaum in der nächsten Zeit in die Verlegenheit kommen, beruflich nach Bielefeld fahren zu wollen – was ihm wiederum zu der Frage brachte, was das für Menschen waren, mit denen er an diesem Vormittag zusammen gewesen war. In lockeren Gesprächen nach der großen Diskussion hatte er herausgefunden, daß sie alles eines gemeinsam hatten: Sie waren weder Beamte noch Angestellte. Hausfrauen waren dabei gewesen, ebenso Arbeitslose, Schüler und Studenten, Rentner und Selbständige, auch freie Journalisten, aber kein einziger Angestellter. Solche Leute konnten einfach nicht dazu gezwungen werden, nach Bielefeld zu fahren, und vor allem: Solche Leute hatten auch zu diesem unmöglichen Termin Zeit. War nicht jener Patient, der in Bielefeld gewesen war, auch auf Geschäftsreise da gewesen? Langsam dämmerte es ihn: Die Gesellschaft in Deutschland war in zwei verschiedene Arten Menschen eingeteilt: Die Freien und die Unfreien. Als Student war er frei, denn kein Arbeitgeber überwachte und kontrollierte ihn, und die Universität scherte sich im Grunde einen Dreck um das, was er trieb. Und so mißlich die Lage der Arbeitslosen auch war: Auch sie waren frei. Auch Hausfrauen, Schüler, Rentner und Selbständige: Sie alle hatten keine direkten Vorgesetzten und waren demnach frei. Wer nicht frei war, der konnte sich solche Späße nicht erlauben. SIE konnten ihn allein schon an seinem Arbeitsplatz kontrollieren. So langsam wurde es Thomas klarer: Wenn nicht der Chef selbst zu IHNEN gehörte, so vielleicht doch ein Mitarbeiter. In kleineren Betrieben war das eher unwahrscheinlich, aber in größeren Betrieben hatten SIE ganz sicher ihre Vertreter in den Führungsetagen. Thomas begriff es langsam: Wenn SIE die Wirtschaft bereits unterwandert hatten, hatten SIE so auch die Arbeitnehmer unter IHRER Kontrolle. Also durfte man den Arbeitnehmern nicht trauen. Deswegen waren die Informationen, daß es Bielefeld nicht gäbe, nur an die Freien weitergegeben worden. Die Geschäftsleitung brauchte nur von einem Arbeitnehmer zu erfahren, daß er nicht an Bielefeld glaubte, und ehe er es sich versah, befand er sich schon auf Geschäftsreise nach Bielefeld. So einfach ging das. Wenn man Glück hatte, arbeitete man in einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen, dessen Chef selber zur Gruppe gehörte, die nicht an Bielefeld glaubte. Aber die großen Betriebe waren bestimmt alle unterwandert – und der Staat, der ja der größte Arbeitgeber war, sowieso. Vielleicht wurden auch Schulen und Universitäten überwacht, nur daß SIE dort keinen direkten Einfluß hatten. Thomas konnte sich zum Beispiel kaum daran erinnern, daß Bielefeld jemals in der Schule auf dem Lehrplan gestanden hätte. Eigentlich war Bielefeld immer eine unwichtige Stadt für ihn gewesen, die ihn kaum interessiert hatte, bis er davon gehört hatte, daß es sie eigentlich nicht geben sollte. Dann hieß es plötzlich Bielefeld hier, Bielefeld da, Bielefeld überall... Es war schon seltsam. Die Stadt war richtig unauffällig und auffällig zugleich.

    Als er zu Hause ankam, traf er seine Freundin Susanne im Treppenhaus. Sie saß auf den Stufen, direkt vor seiner Wohnungstür. Ihr Gesicht hatte sie in ihren Händen verborgen.
    "Susanne!" rief Thomas freudig überrascht, doch seine Freude verschwand, als er ihr Gesicht sah. Die Augen waren gerötet, das Gesicht glänzte noch von Tränen, und sie sah insgesamt unglücklich aus. "Klaus ist tot", sagte sie.
    Diese Worte trafen Thomas wie ein Stich ins Herz. Er blieb sofort stehen und regte sich nicht mehr, dachte stattdessen nach. Klaus, sein bester Freund. Er kannte ihn zwar erst seit wenigen Jahren, aber er war der einzige, dem er alles anvertrauen konnte, mit dem er über alles reden konnte. Und nun war er tot.
    Thomas setzte sich neben seine Freundin und nahm sie tröstend in den Arm. Dabei dachte er daran, daß in diesem Moment eigentlich er derjenige war, der Trost brauchte. Bielefeld, so ein Schwachsinn! Hier ging es um den Verlust eines Menschen, der Zeit seines Lebens zu denjenigen gezählt hatten, auf die er immer bauen konnte, mit denen er immer reden konnte, wenn es ihm schlecht ging – und solche Menschen hatte es weiß Gott nicht viele geben. Im Moment war Susanne die einzige, die ihm so viel bedeutete wie ihm Klaus bedeutet hatte. Er würde ihn vermissen. Oh ja, er würde ihn sehr vermissen.
    "Wie ist er denn gestorben?" fragte er.
    "Willst du das wirklich wissen?" fragte seine Freundin. "Es ist schlimm genug."
    "Bitte, es ist wichtig!"
    "Er war am Bahnhof. In voller Bagage. Wollte irgendwohin fahren. Weit weg. Dann hat ihn jemand auf die Gleise geschubst, und der ICE von Bielefeld nach München hat ihn überrollt."
    Bielefeld! Da war es wieder. Hatte Klaus nicht gesagt, alle Todesopfer, die von Bielefeld gewußt hätten, wären einen Tod gestorben, der irgendwie etwas mit dieser Stadt zu tun hatte? Seit wann war Bielefeld Startbahnhof für den ICE? Und woher wußte Susanne von dem ICE?
    "Woher weißt du das so genau?" fragte er. "Warst du dabei?"
    "Ich habe es von seiner Mutter erfahren – und die von der Polizei." Susanne schluchzte. "Die Polizei hat gemeint, es wäre der ICE von Bielefeld nach München gewesen."
    Es gibt doch gar keinen ICE von Bielefeld nach München, dachte Thomas. Aber er zog es vor zu schweigen. Stattdessen nahm er seine Freundin in den Arm und küßte sie zärtlich. Susanne hatte Klaus gut gekannt und auch gemocht. Sein Tod hatte sie sehr mitgenommen – beinahe mehr noch als ihn selber.
    In den nächsten Tagen schwankte Thomas' Gefühlslage zwischen Trauer, Angst und Rachegedanken. War er einige Tage zuvor noch der Ansicht gewesen, er sollte besser die Finger von der Bielefeld-Verschwörung lassen, so dachte er sich: Jetzt erst recht. Er wollte Klaus' Tod rächen, und sei es das letzte, was er tat. Der Tod seines besten Freundes war für ihn Beweis genug, daß an der Bielefeld-Verschwörung etwas dran war. Jetzt würden SIE dafür bezahlen, daß SIE ihn umgebracht hatten. Er blieb die nächsten Tage von der Universität fern, verbrachte stattdessen die Zeit mit Susanne, und wenn er allein war, weil sie sich um ihr Studium oder um ihren Job kümmern mußte, machte er sich Gedanken darüber, wie er IHNEN das Handwerk legen könnte. Er tat zunächst nichts, sagte nichts, sondern er ließ seinen Kopf arbeiten. Die Gedanken konnten SIE zum Glück noch nicht kontrollieren... Oder vielleicht doch? Beschäftigten SIE gar Telepathen, die jeden strategischen Zug seinerseits durchschauten? Nein, das konnte, das durfte nicht sein. Natürlich behielt er alles für sich, sagte Susanne nichts von seinen Problemen, und er blieb auch den Treffen in Neustadt an der Weinstraße fern, die weiterhin stattfanden. Wäre Susanne nicht gewesen, so hätte er sich immer mehr zum Einzelgänger entwickelt. Ein EinzelKÄMPFER war er ja bereits geworden. Doch konnte er Susanne wirklich anvertrauen, was der wahre Grund für Klaus' Tod gewesen war?

    Ungefähr zwei Wochen nach Klaus' Beerdigung – Susanne und er lagen gerade gemeinsam in seinem Bett – sagte Susanne zu ihm: "Übrigens Schatz, nächste Woche Dienstag bis Donnerstag kann ich leider nicht. Da fahre ich nach Bielefeld."
    "Wohin bitte?" Thomas fuhr erschrocken auf.
    "Nach Bielefeld."
    "Was hast du denn in Bielefeld verloren?"
    "Mein Chef will mich zu den Verhandlungen mit einem Partnerunternehmen mitnehmen. Ich soll eine Präsentation vorbereiten, die ich dann in Bielefeld machen soll – einen Vortrag halten über die neuesten Entwicklungen in unserem Unternehmen. Ich soll ihnen eine Fusion schmackhaft machen."
    "Dein Chef schickt dich nach Bielefeld? Ausgerechnet nach Bielefeld?"
    "Ja, was ist denn da dran? Unser Unternehmen ist in Mannheim, das andere in Bremerhaven, da hat man sich auf Bielefeld geeinigt."
    "Weißt du denn nicht mehr, wo der Zug herkam, der Klaus überrollt hat?"
    Susanne zuckte die Achseln. "Nein, keine Ahnung. Tut mir leid."
    "War dir wohl nicht so wichtig. Ich habe es mir behalten. Er kam aus Bielefeld. Susi, das ist ein schlechtes Omen!"
    "Du spinnst ja!" entgegnete Susanne. "Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun."
    "Susanne, glaub mir: Nach Bielefeld fahren ist gefährlich."
    "So ein Unsinn!"
    "So? Was weißt du denn über Bielefeld?"
    Susanne dachte nach. Dann sagte sie: "Die haben einen Fußballverein. Arminia Bielefeld."
    "Was noch?"
    Wieder dachte Susanne nach, aber ihr wollte nichts einfallen, und deshalb schwieg sie.
    "Weißt du denn überhaupt, wo Bielefeld liegt?" fragte Thomas weiter.
    "In Nordrhein-Westfalen, ungefähr zwischen Mannheim und Bremerhaven."
    "Na, das ist ja ne ganz tolle Antwort. Erzähl mir was über Bielefeld. Welche Sehenswürdigkeiten gibt es da? Welche Industrie? Wo gehen die Bielefelder abends hin?"
    "Das weiß ich doch alles nicht", entgegnete Susanne. "Warum fragst du mich das alles?"
    "Niemand weiß irgendetwas über Bielefeld. Diese Stadt ist einfach uninteressant für die meisten Leute."
    "Das liegt daran, daß wir nicht da wohnen. Mannheim wird für die meisten Bielefelder auch uninteressant sein – was gibt es hier schon? Frag doch mal einen Bielefelder, was es für Sehenswürdigkeiten und welche Industrie es in Mannheim gibt. Der wird dir auch keine Antwort geben können und höchstens mit den Mannheimer Adlern kommen und mit Waldhof Mannheim – wenn es hoch kommt. Der Durchschnittsbürger hat doch keine Ahnung von Geographie."
    "So, dann nenne ich ein paar Städte, und du sagst mir, was dir als erstes dazu einfällt. Fangen wir an: München."
    "Oktoberfest."
    "Hamburg."
    "Der Hafen."
    "Berlin."
    "Love Parade."
    "Bremen."
    "Stadtmusikanten."
    "Köln."
    "Der Dom."
    "Frankfurt."
    "Banken."
    "Braunschweig."
    "Heinrich der Löwe."
    "Magdeburg."
    "Bundesgartenschau."
    "Wolfsburg."
    "VW."
    "Ludwigshafen."
    "BASF."
    "Marburg."
    "Universität."
    "Stuttgart."
    "Fernsehturm."
    "Baden-Baden."
    "Südwestfunk."
    "Essen."
    "Stahl."
    "Aachen."
    "Karl der Große."
    "Lübeck."
    "Marzipan."
    "Nürnberg."
    "Christkindelsmarkt."
    "Bayreuth."
    "Richard Wagner."
    "Weimar."
    "Goethe."
    "Leipzig."
    "Montagsdemonstration."
    "Rostock."
    "Vulkan-Werft."
    "Bielefeld."
    Susanne schwieg und dachte fieberhaft nach. Schließlich sagte sie. "OK. Du hast gewonnen. Aber was heißt das denn? Daß mir zu Bielefeld nichts einfällt? Was bedeutet das denn?"
    "Ganz einfach: Bielefeld gibt es nicht."
    Susanne wurde plötzlich erbost. "Du spinnst ja. Du willst bloß nicht, daß ich auf Geschäftsreise gehe! Dann sag es mir doch einfach! Anstatt mit solch einem Blödsinn zu kommen! Nein, das finde ich jetzt echt nicht witzig!"
    Susanne stand auf und fing an, sich anzuziehen.
    "Susanne, was ist denn los?" fragte Thomas.
    "Das weißt du genau", schnaubte sie. "Bielefeld gibt es nicht! So ein Blödsinn! Weißt du, wie wichtig mir diese Sache ist, verdammt nochmal? Die wollen mich übernehmen, wenn ich mit dem Scheiß-Studium fertig bin, und du willst mich hierbehalten und tischst mir solche Lügen auf? Wenn du mich wirklich liebst, wirst du mich gehen lassen, denn das hier ist mir wirklich sehr wichtig."
    "Ich liebe dich. Aber ich will nicht, daß du dorthin fährst. Das ist zu gefährlich. Und solltest du dich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen, so will ich wenigstens mit dir zusammen dorthin fahren."
    "Das geht leider nicht. Die Firma wird für mich ein Einzelzimmer buchen."
    "In welchem Hotel denn?"
    "Parkhotel Auerhahn."
    "Hört sich erfunden an."
    "Thomas, bitte!"
    "Ich will mit! Nicht unbedingt dort übernachten, aber ich will mit dir zusammen dorthin fahren. Vielleicht ist dort noch ein Platz in der Jugendherberge frei."
    "Du spinnst ja!"
    "Ich will bei dir bleiben, Susanne!"
    "O.K. Wir fahren zusammen dorthin. Damit du deinen Frieden hast."
    "Gut." Thomas atmete auf. "Aber wir müssen verdammt vorsichtig sein."
    "Wieso vorsichtig?"

  • "Bielefeld gibt es nicht" - von Matthias Franz

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 20:55

    PATIENT: Ich bin verwirrt, denke, ich habe mich verfahren. Ich setze den Blinker rechts und fahre an den Straßenrand, hole den Atlas heraus und schaue nach. Ich stelle fest, daß da Stadtteile eingezeichnet sind, die es eigentlich nicht gibt. Nach Hillegossen war doch Schluß, oder? Auf der Karte schließen sich an Hillegossen direkt weitere Stadtteile an. Die Karte stimmt nicht. Ich sehe, die Straße geht genau auf die Schranke zu und verschwindet dann auf dem Gelände dieses Gebäudekomplexes. Das Gelände scheint sehr weitläufig zu sein, doch ich kann von hier aus noch nicht sehr viel erkennen. Ich beschließe weiterzufahren und den Pförtner um Rat zu fragen.
    PSYCHOTHERAPEUT: Bitte, erzählen Sie weiter!
    PATIENT: Kurz vor der Schranke steht ein Ortsschild. Darauf steht: Bielefeld-Zentrum. Sonst nichts. Ich fahre zur Schranke vor. Die Schranke öffnet sich. Trotzdem fahre ich an das Pförtnerhäuschen heran. Ich kurble das Fenster auf. Frage den Pförtner, wie ich denn nach Bielefeld komme. Der Pförtner guckt ein wenig komisch – als hätte ich was falsches gesagt. "Sie sind in Bielefeld", sagt er. "Komisch", sage ich. "Ich habe mir die Stadt immer anders vorgestellt." – "Das ist normal", sagt er. "Man stellt sich Dinge immer anders vor, als sie dann tatsächlich sind." Ich frage ihn: "Wissen Sie, wie ich zum Hotel Pfauenauge komme?" Er sagt: "Fahren Sie einfach rein und stellen Sie Ihr Auto auf dem Parkplatz ab. Herzlich willkommen im Bielefeld-Zentrum.!"
    PSYCHOTHERAPEUT: Wie fühlen Sie sich?
    PATIENT: Ich bin total verwirrt. Was passiert hier? Wo ist Bielefeld abgeblieben? Ich fahre über den Parkplatz. Vor mir der riesige Gebäudekomplex. Ich fahre an vielen Autos vorbei.
    PSYCHOTHERAPEUT: Was haben die Autos denn für Nummernschilder?
    PATIENT: Es sind viele mit BI dabei. Dann auch DT, GT, HF und einige mit PB. Andere Nummernschilder sehe ich auch, aber viel seltener.
    PSYCHOTHERAPEUT: Welche Automarken.
    PATIENT: Nur PKWs. Aber quer durch die Bank. Alle Automarken. Es ist ein riesiger Parkplatz. So einen großen habe ich noch nie gesehen. Ich stelle meinen Wagen irgendwo ab und steige aus.
    PSYCHOTHERAPEUT: Beschreiben Sie jetzt ganz genau, was Sie sehen und hören.
    PATIENT: Ich höre nichts – gar nichts. Es ist gespenstisch ruhig. Noch nicht einmal ein Vogel zwitschert. Schreie aus weiter Ferne. Alles ist so verdammt unwirklich. Ich laufe über den Parkplatz. Ein Lüftchen kommt auf. Vorher war es absolut windstill. Ich bin der einzige Mensch, laufe durch endlose Autokolonnen. Ich bin so verwirrt, daß ich nichts anderes mehr fühlen oder denken kann. Ich frage mich, was wohl als nächstes geschieht. Aber es geschieht nichts. Vor mir erstrecken sich Bungalows, mehrstöckige Gebäude, ein riesiger Komplex, aber keine Straßen, keine Wohnhäuser – das sieht für mich alles nach Siebziger-Jahre-Architektur aus. Es ist eben... ein Zentrum, aber kein Stadtzentrum, wie der Name, der von der Autobahn aus ausgeschildert ist, eigentlich glauben macht, sondern ein Zentrum, in dem irgendetwas geschieht. Was, das weiß ich nicht genau.
    PSYCHOTHERAPEUT: Haben Sie Angst?
    PATIENT: Es ist mir schon ein wenig unheimlich. Aber direkt Angst habe ich keine. Ich bin nur verwirrt und erstaunt.
    PSYCHOTHERAPEUT: Erzählen Sie weiter!
    PATIENT: Ich gehe durch die Autoreihen auf das Gebäude zu. Da ist so etwas wie ein Haupteingang. Mehrere große Türen, und auf dem grauen Vordach steht mit schwarzen, dreidimensionalen Buchstaben: BIELEFELD-ZENTRUM. Ich gehe darauf zu. Ich fühle mich unbehaglich. Nein. Je näher ich dem Eingang komme, desto mehr verläßt mich der Mut. Ich gehe hinein. Es ist spürbar kälter. Wahrscheinlich eine Klimaanlage. Vor mir ist ein langer Gang mit grauen Wänden – Türen rechts und links. Ich bin verwirrt. Es ist niemand hier. Ich beschließe umzudrehen und wieder hinauszugehen. Nur weg von hier! Nein! Laßt mich in Ruhe!
    PSYCHOTHERAPEUT: Was passiert gerade?
    PATIENT: Zwei Männer ergreifen mich. Ich versuche mich zu wehren, aber sie sind stärker. Sie nehmen mich irgendwohin mit, sie führen mich durch den langen Gang.


    Der dickliche Mann hielt das Band an. "Das müßte reichen", sagte er.
    "Was ist jetzt mit dem Mann passiert?" fragte Thomas.
    "Was wohl? Sie haben ihn einer Gehirnwäsche unterzogen – und zwar so lange, bis er selber fest daran geglaubt hat, wirklich in Bielefeld gewesen zu sein. Nicht im Bielefeld-Zentrum."
    "Alles schön und gut", sagte der Antiquar. "Aber ich denke, ich würde das Tape kaum als Beweis bezeichnen. Könnte auch eine Art Hörspiel sein."
    "Ich schließe mich dem an", entgegnete der Student. "Wenn wir damit an die Öffentlichkeit gehen, wird man uns nur auslachen, und SIE werden uns nachweisen, daß das nur eine plumpe Fälschung ist – selbst wenn es keine sein sollte."
    "Ich würde es sogar nur als ein sehr zweifelhaftes Indiz ansehen", meldete sich eine Frau zu Wort, die bisher geschwiegen hatte. "Die Quellen sind für meine Begriffe nicht sehr vertrauenswürdig. Außerdem müssen wir auch damit rechnen, daß SIE uns damit aufs Glatteis führen wollen. Vielleicht wollen SIE, daß wir IHRE Story glauben, weil sie hinter Bielefeld noch etwas viel gewaltigeres verbergen wollen. Allein der Aufwand, der betrieben wird, um diese Stadt vorzutäuschen, muß ja gigantisch sein. Ich glaube, es sind viel mehr in die Sache eingeweiht, als wir eigentlich glauben."
    "Gut", erklärte der Antiquar. "Also, einigen wir uns darauf, das Tonband nicht als Beweis anzuerkennen und gehen wir zum nächsten Tagesordnungspunkt über."
    "Einen Moment", warf der dickliche Herr ein. "Ich glaube sehr wohl, daß die Tonbänder echt sind. Ich habe sie mir mehrmals angehört. Wenn es tatsächlich eine Fälschung sein sollte, dann eine verdammt gute."
    "Das interessiert hier nicht", entgegnete der Antiquar. "Wir haben wichtigere Dinge zu besprechen. Zum Beispiel, daß SIE wieder einen von uns gekrallt haben. Klaus wollte heute zu uns kommen. Er ist nicht erschienen. Wahrscheinlich haben SIE ihn erwischt. SIE waren ihm schon die ganze Zeit auf den Fersen."
    "Wie können wir uns vor IHNEN schützen?" warf der Student ein.
    "Ich denke, das dürfte klar sein", antwortete der Antiquar. "Wir dürfen uns gegenüber IHNEN nicht offenbaren. Wir dürfen IHNEN nicht zeigen, daß wir nicht an Bielefeld glauben. Zum anderen dürfen wir nicht jedem trauen. Selbst unsere Vertrauten könnten zu IHNEN gehören. Unsere eigenen Ehepartner, Kinder, Eltern, und selbst wenn wir ihnen trauen können: SIE werden uns abhören. Die ganze Welt ist voller Mikrofone. Vielleicht werden wir auch eben gerade abgehört. Aber dieses Risiko müssen wir eingehen, denn es ist die einzige Möglichkeit, IHNEN das Handwerk zu legen. Aber sobald ihr wieder hier herausgeht: Seid vorsichtig. Gebt im Zweifelsfall vor, schon mal in Bielefeld gewesen zu sein. Das macht euch unverdächtig – denn das glauben ja viele Leute, die nicht zu IHNEN gehören. Aber wenn irgendjemand etwas von Bielefeld erzählt, oder wenn in den Medien irgendwo von Bielefeld die Rede ist: Glaubt den Leuten kein Wort!"
    "Einen Moment, bitte!" warf Thomas ein. "Was für einen Sinn macht das ganze? Was könnten SIE für ein Interesse daran haben, daß wir an die Existenz von Bielefeld glauben?"
    "Das weiß keiner so recht", entgegnete der Antiquar. "Aber wir nehmen an, sie wollen etwas verbergen. Das ist es auch, was uns beschäftigt. Eine andere Frage ist, wiviel es von Bielefeld gibt und wieviel nicht. Zum Beispiel nehmen wir an, daß es bestimmte Stadtteile von Bielefeld tatsächlich auch gibt und daß sie genau das sind, was sie vorgeben zu sein. Die Sennestadt zum Beispiel halte ich für eine Wohnsiedlung für die Mitarbeiter des Bielefeld-Zentrums. Es gibt die Sennestadt wirklich, denn sie liegt direkt an der Autobahn. Andere Stadtteile gibt es wiederum nicht, und wir fragen uns die ganze Zeit, was dort sein könnte."
    "Ja, was?" fragte Thomas.
    "Zum einen natürlich das Bielefeld-Zentrum. Aber das ist nur ein Instrument, um die Illusion Bielefelds aufrechtzuerhalten. Es muß da noch etwas anderes sein, was SIE uns vorenthalten, und da sind wir schon beim Thema: Daß unsere Demokratie eigentlich eine Scheindemokratie ist und wir in Wirklichkeit von einer kleinen Gruppe beherrscht werden, die Schlüsselpositionen in den drei Säulen der heutigen Gesellschaft einnimmt: Medien, Wirtschaft und Politik. Wer nur eine dieser drei Säulen in der Hand hat, hat ein großes Machtpotential, aber SIE üben Kontrolle über alle drei Säulen aus. Die Medien sollen ja eigentlich die Politik kontrollieren. Stattdessen manipulieren sie die Meinungen ihrer Konsumenten. Wir glauben, daß nur Leute, die zu IHNEN gehören überhaupt in den höheren Etagen von Politik, Wirtschaft und Medien zugelassen werden. Und Bielefeld ist wohl IHR geheimes Machtzentrum, und SIE haben natürlich Interesse daran, daß keiner es entdeckt."
    Der ältere Herr mit Anzug und Krawatte entgegnete: "Aber Moment, es könnte sich auch um eine Art außerirdischen Weltraumhafen handeln. Schließlich werden in der Region Ostwestfalen-Lippe überdurchschnittlich häufig Ufo-Sichtungen gemeldet."
    "Ich glaube eher, es ist das Zentrum, von dem aus die Illuminati ihre Weltherrschaft ausüben", warf die junge Frau ein. "Die drei Säulen der Macht, Politik, Wirtschaft und Medien, werden von den Illuminati beherrscht, und Bielefeld ist ihre geheime Koordinations- und Kontrolleinrichtung. Wußtet ihr, daß jeder Politiker und jede einflußreiche Persönlichkeit in der Wirtschaft Mitglied der Freimaurer ist? Und die Freimaurer werden von den Illuminati kontrolliert!"
    "Das ist doch alles Blödsinn!" entgegnete Thomas. "Warum quasselt ihr ständig solche Spekulationen. Nach dem, was ihr sagt, scheint es Bielefeld tatsächlich nicht zu geben. Gut. Aber warum? Das kriegen wir auch nicht raus, wenn wir darüber diskutieren."
    "Wie willst du es sonst herausfinden?" fragte Peter.
    "Ganz einfach. Hinfahren und nachsehen."
    "Unsinn! Du wirst nur sehen, was SIE dich sehen lassen."
    "Nicht wenn wir entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergreifen."
    "Was denn für Sicherheitsmaßnahmen?"
    "Ich weiß auch nicht. SIE dürfen uns eben einfach nicht erwischen! Die meisten Leute, die bisher in Bielefeld waren, haben damit gerechnet, daß es Bielefeld gibt. SIE konnten sie so einfacher überrumpeln. Bei uns ist das schwieriger."
    "SIE werden uns töten", entgegnete Peter. "Die Idee halte ich für schwachsinnig. Selbst wenn wir herausfinden, was SIE treiben: Was machen wir dann? Gegen so eine Macht können wir sowieso nichts ausrichten. Wir sollten uns lieber darüber Gedanken machen, wie wir unseren Arsch retten könnten."
    "Aber wenn wir nichts ausrichten können, warum beschäftigen wir uns eigentlich mit dem Thema?""fragte Thomas. "Warum ist uns das alles denn nicht egal? Nach Bielefeld kommen wir sowieso nie – und ob es die Stadt gibt oder nicht, kann uns doch scheißegal sein. SIE werden dann irgendwann uns in Ruhe lassen – denn so lange wir glauben, daß es Bielefeld gibt und so lange wir nicht dorthin fahren, kann uns eigentlich nichts passieren."
    "Der Junge hat recht", warf die junge Frau ein. "Was treiben wir hier denn überhaupt? Wenn wir nichts daran ändern können, leben wir gesünder, wenn wir die Finger davon lassen."
    "Aber das wollen SIE doch gerade", warf Peter ein.
    "Na und?" entgegnete Thomas. "Denk doch mal nach. Was bringt uns das, daß wir uns hier das Leben zur Hölle machen?"
    "Wenn wir die Finger davon lassen, haben SIE gewonnen."
    "Das haben SIE sowieso", meinte Thomas.

  • "Bielefeld gibt es nicht" - von Matthias Franz

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 20:54

    Gemütlich schlenderte er durch die Gasse. Das schmiedeeiserne Schild mit der Aufschrift Antiquariat fiel ihm sofort auf. Er betrat den Laden und fand sich sofort in einer anderen Welt wieder. Es roch nach alten Büchern und ein wenig nach Moder. An den Wänden standen Regale, die bis unter die Decke mit Büchern gefüllt waren. Bücher lagen auch auf den Tischen, mit denen der Raum ausgestattet war, und sogar auf dem Fußboden – alles war voller Bücher. Auch am Schreibtisch, der ihm genau gegenüberstand und an dem ein etwas älterer Mann mit einem grauen Bart saß, war mit Büchern vollbepackt, und auch er las in einem Buch, das Verschwörungstheorien hieß. Als Thomas den Laden betrat, senkte er das Buch, blickte darüber hinweg und sah Thomas an. "Guten Tag, junger Freund", sagte er. "Was kann ich für dich tun?"
    "Ein Freund von mir hat gesagt, ich soll heute um 10.00 Uhr hier sein."
    "Wer bist du denn?"
    "Mein Name ist Thomas Echtenbrink."
    Der Mann stand auf, ging auf Thomas zu und schüttelte ihm die Hand. "Guten Tag", sagte er. "Ich habe dich bereits erwartet. Folge mir."
    Er drückte auf einen Knopf unter dem Schreibtisch, und ein Regal schob sich zur Seite. Dahinter verbarg sich eine schmale Kellertreppe. Der Antiquariar betrat diese Treppe, und Thomas folgte ihm. Wortlos stiegen sie die Stufen hinab. Je tiefer sie kamen, desto modriger wurde auch der Geruch. Schließlich waren sie an einer Tür angelangt. Der Antiquariar öffnete sie, und sie kamen in einen stilvoll eingerichteten Clubraum. Es gab hier eine Bar, einen Billardtisch und mehrere Tische mit Stühlen, an denen bereits einige Männer und Frauen jeglichen Alters Platz genommen hatten. Thomas konnte insgesamt 15 Menschen in diesem Raum ausmachen. Er hatte sie alle noch nie gesehen, und sie schienen auch nichts gemeinsam zu haben – außer daß sie wohl um diese seltsame Uhrzeit Zeit haben mußten.
    Ein etwas dicklicher Mann, der wohl etwa Mitte 40 sein mußte, sagte: "Peter, ich habe dir doch gesagt, wir sollten keine Neuen zu wichtigen Besprechungen zulassen."
    "Er ist sauber. Klaus hat ihn hierhergeschickt", entgegnete der Antiquar.
    "Aber er könnte einer von IHNEN sein", warf eine junge Frau ein.
    "Einer von IHNEN, stimmt", pflichtete ihr ein etwas älterer Herr mit Anzug und Krawatte bei, und ein etwas kleinerer Mann , der nur Jeans und T-Shirt trug, fügte hinzu: "SIE versuchen doch schon lange, Leute hier reinzuschleusen."
    "Ja, aber nicht so!" entgegnete Peter. "Thomas ist unbedenklich – wie gesagt. Die einzige Gefahr, die bei ihm besteht, ist, daß ihm alles über den Kopf wächst, aber verrückt sind schon einige von uns geworden."
    "Das stimmt", sagte der dickliche Mann. "Und wer nicht verrückt geworden ist, den haben SIE geholt und ins Bielefeld-Zentrum geschafft – wenn nicht gar umgebracht."
    "Leute, es könnte durchaus sein, daß Klaus etwas ähnliches zugestoßen ist", bemerkte Peter. "SIE sind ihm auf die Schliche gekommen. Wahrscheinlich machen sie kurzen Prozeß mit ihm. Ein Unfall, bei dem irgendwas auf die Stadt Bielefeld hindeutet."
    "Ich habe heute in der Stadt einen Wagen mit Bielefelder Nummernschild gesehen", warf Thomas ein. "Die führen doch bestimmt was im Schilde."
    "Kann sein", entgegnete Peter. "Aber vielleicht war es nur ein harmloser Autofahrer, dem SIE viel Geld bezahlen, damit er mit BI-Kennzeichen durch die Stadt kurvt."
    "Glaube ich kaum! Er hätte mich ja beinahe überfahren!"
    Alle Augen blickten jetzt auf Thomas. "Kann es sein, daß du etwas unvorsichtig warst, mein Junge?" fragte eine etwas ältere Frau. "Normalerweise dauert es, bis einer von uns das erste Mal bedroht wird."
    "Wie sehen denn die Bedrohungen aus?" wollte Thomas wissen.
    "Ach, unterschiedlich", meldete sich ein junger Mann in Thomas' Alter – wahrscheinlich ein Student – zu Wort. "Meistens ganz subtil. Bei mir war es in einer Vorlesung. BWL. Der Professor hat uns etwas von einem Bielefelder Modell erzählt. Ich habe in der gesamten Fachliteratur nachgeblättert und nichts von einem Bielefelder Modell gefunden. Die Bücher, die er erwähnt hat und die in Bielefeld erschienen sein sollen, gibt es nicht. Niemandem außer mir ist das aufgefallen. Wer macht sich auch die Mühe und recherchiert eine BWL-Vorlesung eines Professors in der Bibliothek nach?"
    "Es ist immer so", sagte der dickliche Herr. "Kaum bist du in das Geheimnis eingeweiht, triffst du ständig auf Leute, die behaupten, schon mal in Bielefeld gewesen zu sein, dort geboren worden zu sein, dort Verwandte zu haben, dort gelebt zu haben oder dort studiert zu haben. Ich habe nie zuvor so viele Bielefelder kennengelernt wie nachdem ich erfahren hatte, daß es Bielefeld nicht gibt. Ich war wirklich schon am Zweifeln, habe gedacht, so viele Leute können sich nicht irren. SIE arbeiten mit allen Tricks."
    "Bielefeld ist überall", warf eine ältere Frau ein. "Du mußt nur mal auf die Verpackungen von Lebensmitteln und anderen Produkten gucken. Viele Dinge werden angeblich in Bielefeld hergestellt."
    "Und bei mir war letztens das hier im Briefkasten", sagter der ältere Herr im Anzug und holte eine Werbebroschüre aus seiner Tasche. "Einladung zu einer Kaffeefahrt nach Bielefeld mit Verkaufspräsentation", erklärte er. "Seltsam ist nur, daß ich der einzige in unserem Haus war, der diese Broschüre bekommen hat. Ich habe mich mal umgehört."
    "Das stimmt, aber am schlimmsten sind die Anschläge auf Leib und Leben", sagte Peter. "Letztens ist ein Blumentopf nur wenige Schritte hinter mir auf die Straße gefallen. Ich habe einen gewaltigen Schock bekommen, war wie erstarrt, als das Ding auf dem Betonboden zerschellte."
    "Und dann die Uni Bielefeld", warf der Student ein. "Du glaubst nicht, wie viele ich schon getroffen habe, die dort studiert haben wollen. Bielefeld ist überall – SIE versuchen mit allen Mitteln, uns davon zu überzeugen, daß es Bielefeld gibt. So manchen haben SIE überzeugen können, aber längst nicht alle – und wer sich davon nicht überzeugen läßt, kommt ins Bielefeld-Zentrum, oder es stößt ihn ein bedauerlicher Unfall zu."
    "In Ordnung", sagte Peter. "Aber wir sind eigentlich aus anderen Gründen hier. Wir sollten uns aber erst einmal setzen."
    Sie setzten sich alle an einen großen Tisch, der in der Mitte des Raumes stand, und als sie Platz genommen hatten, sagte Peter: "Bitte, Gerd, du hast einen neuen Beweis. Führ ihn uns doch bitte mal vor."
    "Gut", sagte der etwas dickliche Herr. "Bevor ich mit diesem Beweis anfange, muß ich erst einmal eine Geschichte dazu erzählen: Es gibt in Braunschweig so eine ähnliche Vereinigung wie hier in Neustadt an der Weinstraße. Ich habe gute Kontakte nach Braunschweig, weil da auch die Verwandtschaft meiner Frau wohnt. Vor einigen Jahren fuhr ein Braunschweiger nach Bielefeld, weil er dort angeblich geschäftlich zu tun hatte. Das ist kein Einzelfall, kommt hin und wieder mal vor. Wir wissen ja, daß SIE auch den Vorsitz großer Unternehmen haben, und wenn sie einen ihrer Angestellten besonders kontrollieren wollen, schicken sie ihn nach Bielefeld zur Geschäftsreise. Er sollte in einem Hotel in Bielefeld-Zentrum übernachten. Er trat also die dreitägige Geschäftsreise an. Als er jedoch zurückkam, war er ein völlig anderer Mensch. Er litt unter Schlafstörungen, Alpträumen, Nervosität, Unruhe und einigen anderen beunruhigenden Eigenschaften. Er war vergeßlich und unzuverlässig geworden, seine Nerven waren nicht mehr so stark wie vorher. Diese Belastung wurde allmählich so stark, daß er einen Psychotherapeuten aufsuchte. Er glaubte damals, er wäre auf der Heimfahrt von Bielefeld von einem Ufo entführt worden. Der Psychiater jedenfalls führte bei ihm eine Rückführung durch und nahm die Sitzungen auf Tonband auf. Wenig später flog das Haus des Psychotherapeuten in die Luft. Erdgasexplosion. Bei diesem Unfall wurde auch der Psychotherapeut selbst getötet. Und auch die Tonbänder wären für immer verloren gewesen, hätte der Mann, der in Bielefeld war, sie nicht in weiser Voraussicht zuvor kopiert. Nach dem Unfall hörte er sich nochmal die Bänder an, dann erkannte er den Ernst der Lage. Er ließ sie in ein Schließfach am Bahnhof einschließen und sprach mit niemandem mehr darüber. Vor kurzem starb er an einem Herzversagen. Nach seinem Tod fiel der Schlüssel zum Schließfach in die Hände seines Sohnes. Dieser holte sich die Bänder aus dem Schließfach, hörte sie sich zu Hause an und konnte zunächst nichts damit anfangen. Schließlich wandte er sich an einen befreundeten Psychologen, der – wie der Zufall es so will – zu den Leuten gehört, die auf unserer Seite sind. Er gehörte nämlich zum Esoterik-Zirkel in Braunschweig. Von dort aus wurden die Bänder verfielfältigt und in der ganzen Republik weitergegeben. Ich bin froh, daß ich ein solches Band euch hier präsentieren kann. Wir werden daraus einen Ausschnitt hören, den ich zurechtgespult habe."
    Er stand auf und ging zu einer kleinen Stereoanlage, die in der Bar stand. Aus seiner Jackentasche holte er eine Kassette hervor, legte sie in das Tapedeck der Stereoanlage und schaltete die Anlage ein. Kurz darauf erklang folgender Dialog, dem alle gebannt zuhörten, durch die Boxen der Anlage:


    PSYCHOTHERAPEUT: Sie verlassen jetzt die Autobahn an der Abfahrt Bielefeld-Zentrum. Was sehen Sie?
    PATIENT: Rechts und links der Autobahn sind Häuser – die Vororte von Bielefeld.
    PSYCHOTHERAPEUT: Können Sie die Stadt selber sehen.
    PATIENT: Nein, nur einige Stadtteile. Vororte, wie gesagt. Ortschaften eigentlich. Vor mir der Teutoburger Wald. Eine recht niedrige Hügelkette ist das hier.
    PSYCHOTHERAPEUT: Sie fahren weiter. Was sehen Sie jetzt?
    PATIENT: Ich verlasse jetzt die Autobahn, komme nach Bielefeld. Vor mir steht ein Ortsschild: Bielefeld, Stadtteil Hillegossen.
    PSYCHOTHERAPEUT: Fällt Ihnen irgendetwas merkwürdiges auf?
    PATIENT: Nein, Hillegossen ist eine Ortschaft wie alle anderen auch.
    PSYCHOTHERAPEUT: Sie fahren weiter. Fällt Ihnen jetzt etwas merkwürdiges auf?
    PATIENT: Ja, ich verlasse Hillegossen, obwohl es eigentlich in den nächsten Stadtteil übergehen sollte. Da ist ein Stadtschild, auf dem steht, daß Hillegossen zu Ende ist und daß Bielefeld-Zentrum die nächste Ortschaft ist. Aber merkwürdiger ist: Rechts und links der Straße ist Wald. Dichter Wald und nichts als Wald – obwohl in der Karte an dieser Stelle kein Wald eingezeichnet ist.
    PSYCHOTHERAPEUT: Nur Wald? Sonst nichts?
    PATIENT: Nein, vor dem Wald ist noch ein Zaun. Rechts und links der Straße geht er an der Straße entlang.
    PSYCHOTHERAPEUT: Beschreiben Sie mal den Zaun.
    PATIENT: Es ist ein Maschendrahtzaun. Engmaschig. Darüber Stacheldraht. Am Zaun sind in regelmäßigen Abständen Tafeln angebracht.
    PSYCHOTHERAPEUT: Was sind das für Tafeln?
    PATIENT: Schilder. Darauf steht auf Deutsch und auf Englisch: Militärischer Sicherheitsbereich. Betreten strengstens untersagt. Vorsicht: Schußwaffengebrauch!
    PSYCHOTHERAPEUT: Beschreiben Sie mal die Straße. Ist da viel Verkehr?
    PATIENT: Nein, erstaunlich wenig. Immerhin ist das eine der Ausfallstraßen von Bielefeld – und die, die das Zentrum der Stadt mit der Autobahn verbindet. Aber von der Stadt ist hier keine Spur. Ich fahre durch endlose Wälder. Dabei müßte ich doch schon längst im Stadtzentrum sein.
    PSYCHOTHERAPEUT: Wie fühlen Sie sich?
    PATIENT: Verwundert. Überrascht. Aber irgendwie – ich weiß nicht. Irgendwie wirkt das ganze unheimlich auf mich. Ich bekomme Angst. Ich fange langsam an, mich zu fragen, wo denn die Stadt liegt. Ich müßte schon längst mitten im Stadtzentrum sein. Stadtdessen nur Straße, Wälder und Zaun.
    PSYCHOTHERAPEUT: OK, wir machen jetzt einen kleinen Zeitsprung. Sie verlassen den Wald. Was sehen Sie?
    PATIENT: Vor mir taucht ein riesiger Gebäudekomplex auf. Bungalows, einstöckge, zweistöckige Gebäude. Es sieht aus wie ein Forschungszentrum in einem dieser amerikanischen Spielfilme. Davor befindet sich ein riesiger Parkplatz, davor eine Schranke mit einem Pförtnerhäuschen.
    PSYCHOTHERAPEUT: Wie fühlen Sie sich?

  • "Bielefeld gibt es nicht" - von Matthias Franz

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 20:52

    "Hör zu", entgegnete Klaus. "Es gibt in Neustadt an der Weinstraße ein Antiquariat. Es nennt sich Alt und Neu. Es befindet sich in der Altstadt. In der Metzgergasse – das ist eine der Gassen, die vom Marktplatz wegführen. Verstehst du?"
    "Alt und Neu. In der Metzgergasse. Ja."
    "Du stellst dich dem Inhaber vor. Er weiß, daß du kommen wirst. Sei bitte morgen um 10.00 Uhr dort. Dann macht der Laden auf, und dann wirst du weiter sehen."
    "Was wird dort geschehen?"
    "Das wirst du sehen. Ich werde jetzt erst einmal untertauchen."
    "Untertauchen? Wie? Und wo?"
    "Das sage ich dir nicht am Telefon. Ich habe dir schon zu viel gesagt. SIE könnten mithören! Machs gut!"
    Thomas wollte noch etwas sagen, aber Klaus hatte längst aufgelegt. Als er am nächsten Morgen im Zug nach Neustadt an der Weinstraße saß, überkam ihn ein mulmiges Gefühl. In Ludwigshafen stieg ihm gegenüber eine ältere Frau ein, setzte sich ihm gegenüber hin. Mißtrauisch beobachtete er sie. Sie mochte wohl um die vierzig sein. Unter ihren braunen Locken zeigten sich schon die ersten grauen Haare. Ihr Gesicht wirkte erfahren, hatte aber kaum Falten. Sie trug einen langen Rock und eine geblümte Bluse. Beides ließ sie älter aussehen, als sie wahrscheinlich war. Sie öffnete die Tasche und entnahm ihr einen Schundroman. Einen Arztroman. Doch als Thomas den Titel sah, wurde er noch nervöser. Der Roman hieß Der Arzt von Bielefeld. Hatte sich denn jetzt schon die ganze Welt gegen ihn verschworen? Mußte er immer wieder an diese Stadt erinnert werden?
    Die ältere Dame wirkte langsam unheimlich. Seelenruhig, als hätte sie alles um sie herum vergessen, las sie im Roman. Ihre Augen wanderten von links nach rechts, dann wieder nach links und wieder von links nach rechts. Sie blätterte um und warf dabei einen kurzen Blick auf Thomas.
    Jetzt verstand Thomas, was Klaus gesagt hatte. Tatsächlich. SIE waren überall. SIE kontrollierten ihn, was auch immer er tat. SIE beobachteten ihn. SIE durften bloß nicht wissen, daß er wußte, daß es Bielefeld nicht gab. Oder WUSSTE er es überhaupt? VERMUTETE er es nicht nur? Trotzdem: Die Alte wirkte auf ihn immer unheimlicher. Er bekam eine Gänsehaut. Jetzt bloß nicht aufstehen und sich woanders hinsetzen. Das wäre nicht nur unhöflich, es würde auch ihre Aufmerksamkeit auf ihn lenken, und wenn sie tatsächlich eine von IHNEN war... Mißtrauisch beäugte er, wagte sich aber doch nicht, ihr in die Augen zu sehen. Nervös spielte er an seinen Fingern. An jeder Station hoffte er, sie würde aussteigen. Aber sie stieg nicht aus. Nicht in Mundenheim, nicht in Rheingönnheim und auch nicht in Limburgerhof. Ab Schifferstadt wurde es Thomas noch mulmiger. Nein, er konnte es einfach nicht länger ertragen. Was wäre, wenn sie auch in Neustadt an der Weinstraße ausstieg? Ihn verfolgte? Er wollte gar nicht daran denken!
    In Böhl-Iggelheim stieg sie auch noch nicht aus. Unverändert sah sie auf ihrem Platz, in ihre Lektüre vertieft, ihre Augen schweiften keinen Moment davon ab, nur ab und zu sah sie aus dem Fenster, besonders wenn der Zug wieder in einen Bahnhof einfuhr. Jetzt nur noch Haßloch, und dann war es soweit. Dann würde sich schon zeigen, ob sie in Neustadt ausstieg oder ob sie in Richtung Kaiserslautern weiterfuhr. In Haßloch jedenfalls stieg sie nicht aus. Thomas sah aus dem Fenster. Aus der Ferne konnte er schon die Berge der Hardt und das Hambacher Schloß erkennen. Bis Neustadt war es jetzt nicht mehr weit. Die Frau gegenüber von ihm legte jetzt den Arzt von Bielefeld beiseite und sah aus dem Fenster. Sie packte ihr Buch ein. Thomas überlief es gleichzeitig heiß und kalt. Gehörte sie zu IHNEN? Quatsch, das war alles bloß Zufall! Der Roman war bestimmt von einem Autor geschrieben worden, der noch nie in Bielefeld gewesen war. Noch einmal hielt die Bahn in einem Neustädter Vorort. Auf dem Pausenhof der Schule, die nicht weit von der Haltestelle entfernt waren, spielten Kinder und wähnten sich sicher in einer Welt, die SIE ihnen vorgaukelten. Dort, die Schulen, das waren IHRE Brutstätten. Dort brachten SIE den Kindern schon bei, daß sie in einer Demokratie lebten, daß jeder in Freiheit lebte, daß...
    Er schielte wieder zu der Frau, die ihm gegenüber saß. Beäugte sie mißtrauisch. Trifft man sich nicht in dieser Welt, so trifft man sich in Bielefeld, schoß es ihm plötzlich durch den Kopf. Irgendwo hatte er diesen Spruch aufgeschnappt – er wußte nur nicht mehr wo genau. Aber es paßte haargenau. Wenn das stimmte, was er vermutete, was er anfangs nie und nimmer hatte glauben können, dann war Bielefeld wirklich nicht von dieser Welt. Über den Reim mußte er grinsen. Allein der Name Bielefeld war schon Hinweis genug, daß sich irgendjemand mal diesen Namen ausgedacht hatte. Er klang einfach nicht echt – vielmehr wie ein Name aus einer erfundenen Geschichte, geschrieben von einem kopfkranken Schriftsteller.
    Der Zug fuhr in den Neustädter Hauptbahnhof ein. Die Frau stand auf. Sie wollte auch nach Neustadt. Langsam wurde es Thomas unheimlich. In was hatte Klaus ihn nur hineingeritten? Am liebsten hätte er jetzt alles hingeschmissen, wäre nach Hause gefahren und hätte alles vergessen. Warum nur nahm er das alles auf sich? Er war noch nie in Bielefeld gewesen, und er wäre wahrscheinlich auch nie nach Bielefeld gekommen. Warum auch? Was hätte er dort verloren, selbst wenn es diese Stadt gäbe? Er hatte nie nur einen Gedanken an diese Stadt verschwendet. Sie war für ihn nur eine Fläche auf der Landkarte gewesen, mitten im Teutoburger Wald. Ob es Bielefeld gab oder nicht, konnte ihm eigentlich egal sein.
    Aber sein Freund war ihm nicht egal. Klaus hatte gesagt, SIE wären ihm schon auf den Fersen, sie würden ihn verfolgen. Er hatte ihm von merkwürdigen Unfällen erzählt – der Autounfall mit einem Lastwagen mit Bielefelder Kennzeichen – so etwas konnte doch kein Zufall sein!
    Unsicher setzte er einen Fuß auf den Bahnsteig, als er ausstieg. Er folgte den vereinzelten Menschen, die aus dem Zug ausstiegen, in die Unterführung, durcheilte das Bahnhofsgebäude. Ein vorsichtiger Blick nach hinten verriet ihm, daß die Frau aus dem Zug immer noch hinter ihm war. Er eilte hinaus auf den Bahnhofsvorplatz, wo einige Busse bereits auf Fahrgäste warteten. Ab hier kannte er sich nicht mehr aus. Ab hier mußte er den Weg suchen, er war ein Fremder in einer fremden Stadt. Links erhob sich ein großes, repräsentatives Gebäude im Stil der Jahrhundertwende. Es erinnerte ihn ein wenig an ein Kurhaus in einer alten Kurstadt, die ihre Blütezeit in der wilhelminischen Ära hatte. Davor ein größerer Platz mit etwas Botanik und einem Springbrunnen. Ganz hübsch anzusehen, doch für die Sehenswürdigkeiten von Neustadt an der Weinstraße hatte Thomas jetzt kein Auge. Er mußte den Marktplatz finden und dann die Metzgergasse. Von der Innenstadt trennte ihn jetzt eine Hauptstraße, vermutlich eine Bundesstraße. Eine Ampelanlage sollte den Fußgängerüberweg sichern. Sollte. Aber für auf rot und grün zu achten hatte er jetzt keine Zeit. Die Frau aus dem Zug verfolgte ihn zwar nicht rennend, aber doch schnellen Schrittes – stets darum bemüht, unauffällig zu wirken. Aber unauffällig war sie ganz und gar nicht. Die Verkehrsampel für die Autofahrer schaltete just in diesem Moment von grün auf gelb um, als Thomas die Straße rennend überquerte – leider etwas zu früh, denn ein Auto, dessen Fahrer es wahrscheinlich eilig hatte und möglichst schnell noch über die Kreuzung wollte, bevor die Ampel auf rot umschaltete, fuhr noch über die Kreuzung und hätte Thomas beinahe erwischt. Bremsen quietschten. Thomas sprang geistesgegenwärtig zur Seite. Doch der Autofahrer gab nochmal Gas und verschwand von der Kreuzung. Als Thomas den sicheren Gehweg erreicht hatte, blickte er dem Kamikazefahrer nach. Anstatt des gewohnten NW hatte er ein BI auf dem Nummernschild. Bielefeld. Schon wieder. SIE sind überall, hörte er Klaus in seinem Kopf sagen.

    Nach diesem Schock hatte Thomas die Frau aus dem Zug völlig vergessen. Erst nachdem der Schock überwunden war – und das dauerte seine drei Minuten – blickte er sich nach ihr um, konnte sie aber nirgends ausmachen. Sie war verschwunden. Umso besser. Aber vielleicht hatten SIE ihm schon einen anderen, unauffälligeren Spitzel an den Hals gejagt.
    Thomas schlenderte durch die Fußgängerzone. Wenn er zum Marktplatz wollte, war dieser Weg gewiß nicht der falscheste. Aber das Schlendern war nicht mit einem gemütlichen Einkaufsbummel zu vergleichen, den er manchmal in Mannheim auf den Planken machte – aber nicht, um einkaufen zu gehen, sondern um sich die hübschen Mädchen anzusehen, die von Shop zu Shop gingen und vor allem im Sommer gerne körperbetonte Kleidung trugen. Deshalb ging er auch gerne alleine shoppen. Er haßte es, wenn seine Freundin dabei war und an ihm herummäkelte, daß er schon wieder einem hübschen, jungen Ding nachgesehen hatte. Aber das gehört jetzt nicht hierher. Als Thomas durch Neustadt ging, waren nicht junge Mädchen sein Blickfang, sondern ALLE Leute, die ihm begegneten. Männer und Frauen, die alt genug waren, nicht das zu sein, was sie vorgaben. Mit Einkaufstaschen getarnt, in denen vermutlich Kameras oder Mikrofone versteckt waren. Ein Lieferwagen, der vor einem Elektrogeschäft parkte und die Aufschrift Audio Video Stereo HiFi Radio TV trug könnte eine IHRER Übertragungsanlagen beherbergen – zwar auch Technik, aber nicht die Technik, die eigentlich dort drinnen sein sollte. Überall Menschen, die ihn so seltsam ansahen, als wäre er von einem anderen Stern – als wäre er anders als sie, ein Aussätziger, einer der nicht an die Existenz einer der größten deutschen Städte glauben wollte.

    Je näher Thomas dem Marktplatz kam, desto nervöser wurde er. Nicht vor dem Antiquar hatte er Angst. Er war sicher, daß er auf seiner Seite war. Aber der Glaube oder vielmehr das Wissen, das er bei sich trug, war gefährlich. Er durfte es keinem erzählen. Gerade ging er an einem Buchladen vorbei, vor dem Tische mit Büchern aufgestellt waren. Doch ihm fielen nur zwei Kästen mit allerlei Falk-Stadtplänen auf. In dem einen der beiden Kästen war der vorderste Stadtplan der von Mannheim und Ludwigshafen – im anderen aber steckte – wie zum Hohn gut für ihn sichtbar – ein Stadtplan von Bielefeld.

    Allmählich wurde ihm einiges klar: Wenn es so viele Hinweise auf die Existenz von Bielefeld gab, warum war es ihm zuvor niemals aufgefallen? Zwei Gründe dafür gab es: Entweder SIE verfolgten ihn und versuchten, ihn mit allen Mitteln entweder auf den rechten Weg zurückzubringen oder ihn zumindest einzuschüchtern, oder – was wahrscheinlicher war – SIE bombadierten die ganze Öffentlichkeit immer und immer wieder mit Hinweisen auf diese Stadt – nur fiel es eben keinem auf, weil keiner darauf achtete.

    Endlich hatte er den Marktplatz erreicht. Aber noch war er nicht in Sicherheit. Auf dem Platz, der auf einer Seite vom Rathaus und auf einer anderen der vier Seiten von einer größeren Kirche begrenzt wurde – für beides hatte Thomas jetzt keine Augen – herrschte reges Treiben. Mehrere Stände waren aufgebaut. Obst, Gemüse, Blumen und Eier wurden den Kunden feil geboten. Hausfrauen und auch einige Männer liefen zwischen den Ständen hin und her prüften die Ware und ließen sie sich in Tüten einpacken. Hier ein mißtrauischer Blick einer Marktfrau, da der stechende Blick einer jungen Mutter, die ihren kleinen Sprößling im Sportwagen spazieren fuhr – sicher war er hier noch nicht. Jetzt mußte er nur noch die Metzgergasse finden, und das war nicht besonders schwer: Auf der einen Seite des Platzes befand sich das Rathaus, auf einer anderen die Kirche, von der dritten war er gekommen, also blieb nur noch die vierte, die linke Seite des Marktplatzes – und tatsächlich: Direkt neben einem Metzgerladen befand sich auch die Metzgergasse. Thomas ging hinein und fand sich sofort in einer völlig anderen Welt wieder. Das Treiben, das eben noch auf dem Marktplatz geherrscht hatte, war einer himmlischen Ruhe gewichen. Er atmete tief durch. Hier war er der einzige Mensch. Hier konnte er vorerst sicher sein – vorausgesetzt, es lauerte niemand hinter der nächsten Ecke, um ihn zu überfallen und ihn umzubringen.

  • "Bielefeld gibt es nicht" - von Matthias Franz

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 20:50

    "Du bist verrückt!" Er wandte sich zum Gehen, doch Klaus hielt ihn weiter fest. Seine Augen waren weit aufgerissen wie die eines Geisteskranken.
    "Nein, Thomas, hör mir zu. Ich konnte es zuerst auch nicht glauben, aber es gibt Beweise!"
    "Beweise?"
    "Ja, zuerst gab es nur Indizien. Zum Beispiel daß Bielefeld von allen Großstädten die unwichtigste und farbloseste ist. Ich habe zu Hause einen Aral-Autoatlas aus den Siebzigern. Das ist so eine Art Touristik-Atlas für die damalige ganze Bundesrepublik. Es gibt darin auch einen Städteteil. Da sind alle touristisch interessanten größeren Städte und vor allem Großstädte mit Stadtplan und Fotos verzeichnet. Da kannst du lesen, welche Sehenswürdigkeiten es in welcher Großstadt gibt, welche Theater, Museen und welche Hotels damals zu empfehlen waren. Jetzt rate mal, welche Stadt die einzige ist, zu der es in diesem Buch kein einziges Foto gibt!"
    "Natürlich Bielefeld."
    "Und? Klingelts?"
    "Du spinnst!" Er riß sich von Klaus los und ging auf die Eisentür zu, doch Klaus kam ihm zuvor und versperrte ihn den Weg.
    "Schau dir mal genau auf der Karte an, wo Bielefeld liegt", fuhr Klaus fort. "Normalerweise liegen Großstädte immer an großen Flüssen. Heidelberg und Stuttgart liegen am Neckar, Mannheim und Ludwigshafen am Rhein, Köln und Düsseldorf auch am Rhein, Frankfurt, Offenbach und Würzburg am Main, München an der Isar, Augsburg am Lech, Ulm und Regensburg an der Donau, Bremen und Bremerhaven an der Weser, Hamburg, Magdeburg und Dresden an der Elbe, Hannover an der Leine, Berlin an der Spree, aber bei Bielefeld ist noch nicht einmal ein Fluß in der Nähe! Die Weser ist ein ganzes Stück weit weg!"
    "Na und? Darmstadt liegt auch nicht an einem Fluß."
    "Dann guck dir doch mal an, wo Bielefeld liegt! Mitten im Teutoburger Wald! Bielefeld geht quasi vom Nordrand bis zum Südrand des Teutoburger Waldes. Da eine Großstadt hinzubauen ist vollkommener Schwachsinn. Und noch was. Du bist doch Historiker: Was war Bielefeld früher?"
    "Bielefeld? Hmmm!"
    "Eben. Alle Städte in Deutschland, die heute irgendwie wichtig sind, waren früher auch schon wichtig – mit Ausnahme der Industriestädte. Aber diese Städte waren alles entweder Residenzstädte oder Freie Reichsstädte. Und Großstädte, die keines von beidem waren, wurden durch die Industrie groß wie Wolfsburg durch VW oder Ludwigshafen durch die BASF – oder die ganzen Städte im Ruhrgebiet durch Kohle und Stahl! Und was ist in Bielefeld? Nichts. Bielefeld ist eine historisch uninteressante Stadt, und Industrie gibt es dort auch nicht. Nur Dr. Oetker gibt vor, seinen Firmensitz in Bielefeld zu haben. Also sei vorsichtig. Iß ja nie etwas von Dr. Oetker! Wer weiß, was da drin ist!"
    "Du spinnst!"
    "Wann hast du das letzte Mal was von Dr. Oetker gegessen?"
    "Laß mich endlich durch! Ich will davon nichts mehr hören!"
    "Dir fallen bloß keine Argumente mehr ein. Es ist bewiesene Sache: Bielefeld gibt es nicht!"
    "Wie willst du das denn beweisen? Alle, die nach Bielefeld fahren, kriegen falsche Erinnerungen eingepflanzt. Behauptest du jedenfalls. Wenn der Bluff so gut funktioniert, wieso gibt es dann Beweise für das Gegenteil?"
    "Undichte Stellen gibt es immer", entgegnete Klaus. "Im Jahre 1993 beschloß einer von IHNEN den Ausstieg. Da er sich aber nicht öffentlich dazu bekennen konnte, daß er wußte, daß es Bielefeld nicht gibt, spielte er einem Münchner Esoterik-Zirkel Geheimmaterial zu, darunter auch eine Aufnahme der britischen Luftaufklärung aus dem Zweiten Weltkrieg. Dort, wo eigentlich Bielefeld liegen müßte, zeigt diese Luftaufnahme nur Wald. Eine Karte, ebenfalls aus dem Zweiten Weltkrieg, zeigt den Teutoburger Wald und die Region Ostwestfalen-Lippe - ohne Bielefeld."
    "Das ist ja verrückt!"
    "Eben. Durch die Nutzung des Internets konnte die Wahrheit unter einer großen Gruppe von Menschen verbreitet werden. Ein Eingeweihter aus Kiel hat den berühmten Text über die Bielefeld-Verschwörung geschrieben, den nun alle zitieren. Die Leute halten das alles für einen Spaß und machen sich darüber lustig. Aber besser so, als wenn sich niemand dafür interessieren würde, so wie sich niemand für Bielefeld interessiert. Aber die Leute sind aufmerksam geworden. Ständig gibt es neue Hinweise. IHRE Tarnung fliegt langsam auf. Nur der letzte, endgültige Beweis fehlt noch, und wenn wir den haben, gehen wir an die Öffentlichkeit. Dann ist IHR Spiel aus!"
    "Aber wie willst du an die Öffentlichkeit gehen, wenn sie doch die Massenmedien kontrollieren?"
    "Ein Massenmedium wird nicht von ihnen kontrolliert, und das ist das Internet. Außerdem gibt es in ganz Deutschland freie Radios, wo du quasi senden kannst, was du willst. Offene TV-Kanäle. Immer mehr Medien fallen in die Hände des kleinen Mannes, und der kleine Mann weiß sich zu wehren. O ja."
    "Bitte, hör auf mich so zu verarschen!"
    "Das ist keine Verarschung! Das ist mein bitterster Ernst!"
    "Wenn ich dir jetzt sage, ich glaube dir, daß es Bielefeld nicht gibt: Bist du dann zufrieden?"
    Klaus nickte. "Dann bin ich zufrieden."


    Thomas vergaß den Vorfall so schnell nicht, aber er beschäftigte sich auch nicht Tag und Nacht damit. Für ihn war das einfach nur so ein Kuriosum, das er besser für sich behielt. Kein Wort zu seinen Eltern und zu seiner Schwester – noch nicht einmal zu seiner Freundin Katja. Er sah Klaus in der nächsten Zeit nicht mehr. Er hatte auch zuviel mit anderen Dingen zu tun. Eine Hausarbeit hier, ein Praktikum da, das alles ließ ihm kaum Zeit. An das Gespräch mit Klaus im Heizungskeller des Hauses, in dem er mit seinen Eltern wohnte, erinnerte er sich erst wieder, als sich ein höchst seltsamer Zwischenfall ereignete.

    Es war im Lesesaal der Universitätsbibliothek, wo der große Kopierer stand. Geschäftig gingen die Studenten zwischen den Regalen auf und ab, an den großen Tischen saßen einige und machten sich fleißig und sorgfältig Notizen auf ihre Notizblöcke und Karteikarten. Besonders viel Andrang herrschte am Kopierer, der blitzend surrte, während eine Studentin offenbar dabei war, sich ein ganzes Buch zu kopieren und sich an der Schlange, die sich in der Zwischenzeit am Kopierer gebildet hatte, nicht im Geringsten zu stören schien.
    Vor Thomas in der Schlange stand ein Student, der offenbar schon älter war als er. So genau konnte er das nicht erkennen. Er war größer und breiter gebaut als Thomas, hatte dunkles Haar und einen Dreitagebart. Im Gesicht trug er eine Brille mit dünnem Rahmen, so daß man sie fast nicht sehen konnte. Doch das fiel Thomas nicht auf. Vielmehr bemerkte er einen starren, seltsamen Blick – und nicht nur das: Dieser Typ schien ein kompletter Trottel zu sein. In Gedanken versunken blickte er einfach ins Leere. Thomas kam dieser Student etwas seltsam vor, und er fing ihn schon an zu ängstigen. Die Gesichtszüge des Fremden strahlten eine totale Gleichgültigkeit aus. Wenn Thomas es nicht besser wüßte, würde er sagen, dieser Fremde hatte sich wohl bekifft. Aber bekifft sah er nicht gerade aus. In seiner Hand hielt er ein Buch. Medientheorien hieß es. Die Tatsache, daß die Studentin nun eine neue Kopierkarte in das Gerät einschob, nachdem sie die erste mit hundert Kopien bereits völlig aufgebraucht hatte und daß sie keine Anstalten machte, mit dem Kopieren aufzuhören – im Gegenteil: Sie hatte noch drei weitere Bücher bei sich -, nahm er – im Gegensatz zu den anderen Wartenden in der Schlange – mit stoischer Gelassenheit hin.
    "Bielefeld!" schoß es Thomas plötzlich durch den Kopf. Er wußte nicht warum, denn was sein Freund ihm gesagt hatte, hatte er schon längst als Spinnerei abgetan. "Bielefeld! Er war in Bielefeld!" Jetzt sprach er Thomas auch schon an: "Die Warterei geht mir langsam auf den Sack!" murmelte er, aber er wirkte in keinster Weise sauer. Es war fast so, als ginge ihm das alles am Arsch vorbei.
    "Du hast recht", entgegnete Thomas. "Manche Leute besitzen halt keinen Anstand. Frauen!"
    "Kannst du laut sagen", entgegnete der Fremde. "Ich war am Wochenende bei meiner Freundin in Bielefeld. Die hat wieder mal nur Streß gemacht."
    "Du hast eine Freundin in Bielefeld?" fragte Thomas. "So weit weg?"
    Der Fremde nickte. "Ja, ich habe sie im Chat kennengelernt. Habe mich dann in sie verliebt. Ich bin jedes Wochenende bei ihr."
    "Und war sie auch schon mal bei dir?"
    Der Fremde sah Thomas verdutzt an. Dann war es Thomas, als blickte er durch ihn hindurch auf einen Punkt an der Wand hinter ihm -–so als würde Thomas gar nicht mehr existieren. Er glaubte schon, das Gespräch wäre zu Ende, als der Fremde sagte: "Nein, wieso sollte sie mich besuchen? Ihre Wohnung ist schön. Im Stadtzentrum gelegen, trotzdem viel Grün..."
    "Hast du sie schon jemals außerhalb von Bielefeld gesehen?"
    "Nein, wie kommst du darauf?"
    "Nur so."
    Nein, das war alles zu seltsam. Entweder hatte dieser Typ wirklich eine Freundin in Bielefeld – und dann war noch die Frage offen, warum er sich denn so seltsam verhielt – oder SIE wollten, daß er jedes Wochenende ins Bielefeld-Zentrum kam. Aber warum nur? Was hatten SIE für ein Interesse daran? Hatten SIE ihn über das Internet nach Bielefeld gelockt und gaukelten ihm nun eine Long-Distance-Beziehung mit einer Frau vor, die es in Wirklichkeit gar nicht gab? Waren SIE wirklich schon so dreist geworden? Und welchen Zweck verfolgten sie damit? Nein, das war alles zu konfus. Er wollte mit dieser Sache nichts mehr zu tun haben. Wahrscheinlich war alles bestens, und dieser Typ hatte tatsächlich eine Freundin in einer real existierenden Stadt mit Namen Bielefeld. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht... Ach, es war zum Mäusemelken!


    Fünf Tage später rief Klaus bei Thomas an.
    "Sag mal, du hast ja schon lange nichts mehr von dir hören lassen!" sagte er statt einer Begrüßung, aber in seiner Stimme lag Angst.
    "Was ist denn?"
    "Ich glaube, SIE haben mich gefunden. SIE werden bald kommen. SIE kommen, um mich zu holen."
    "Was redest du denn für einen Stuß?"
    "Weißt du noch, was ich dir über Bielefeld erzählt habe?"
    "Jaja."
    "Es gibt nur wenige, die wissen, daß es Bielefeld nicht gibt – einige von ihnen sollen das aber nicht wissen, und die leben gefährlich."
    "Was meinst du damit?"
    "Du glaubst immer noch, wir leben in einer Demokratie, aber das stimmt nicht. Die westlichen Demokratien sind die raffiniertesten Diktaturen, die man sich nur vorstellen kann. Weil jeder glaubt, daß es eine Demokratie ist. Weil jeder glaubt, daß er von denjenigen beherrscht wird, die er selbst gewählt hat. Dabei hat man doch nur die Wahl zwischen Parteien, und diese Parteien sind nichts anderes als Gruppen, die von IHNEN geleitet werden. Wer nicht zu IHNEN gehört, der hat auch erst gar keine Chance, Karriere zu machen. Und es kann jeder machen, was er will! Das ist Demokratie. Sofern du dich brav als Rädchen in IHREM großen Getriebe bewegst, passiert dir auch nichts! Aber wehe, du brichst aus. Glaub ja nicht, daß es hier keine Hinrichtungen gibt! Es gibt welche, aber die werden als Unfälle getarnt. Das macht unseren Staat totalitärer, als es die DDR jemals gewesen war. SIE haben einen Plan. Ich weiß zwar nicht welchen, aber alles, was im Moment passiert, war von IHNEN geplant. Und wer dazwischen pfuscht, hat Pech gehabt! Ich habe dir doch von diesem Aussteiger erzählt. Du weißt, der diesen Münchner Esoterik-Zirkel über die Verschwörung informiert hatte. Naja, er hatte einen schweren Verkehrsunfall mit einem Lastwagen, und jetzt rate mal, was der für ein Nummernschild hatte: BI. Der kam angeblich aus Bielefeld! Die schrecken wirklich vor nichts zurück! So was dreistes! So als hätten SIE sich noch darüber lustig gemacht. Jedenfalls konnte dem Lastwagenfahrer keine Schuld nachgewiesen werden. Dann der Münchner Esoterikzirkel: Nicht alle starben eines natürlichen Todes. Einige leben noch, aber erstaunlich viele sind doch Unfällen zum Opfer gefallen – und zwar immer so, daß Eingeweihte den Bezug zu Bielefeld erkennen konnten. Andere haben behauptet, sie würden nach Bielefeld fahren, und dann sind sie einfach spurlos verschwunden. Thomas, ich habe Angst."
    "Ich weiß nicht, wie ich dir helfen soll", stammelte Thomas.

  • "Bielefeld gibt es nicht" - von Matthias Franz

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 20:48

    Auf Wunsch von "x-mas" stelle ich zu Weihnachten den Roman des mir nicht bekannten Amateurschriftstellers Matthias Franz aus Kiel hier ins Forum. Der Text tauchte seinerzeit im Arminia-Forum auf, als die Schalker uns zu erniedrigen versuchten. Das Ergebnis dieser beispiellosen Aktion ist bekannt – die Schalker verloren 1:2 gegen eine Stadt, die es nicht gibt. Wer von euch Interessenten keine Flatrate hat, sollte natürlich jetzt mit dieser Seite offline gehen oder sie auf seiner Festplatte speichern. Eine andere Möglichkeit wäre, die ca. 10 Postings (Forumbeiträge dürfen leider nicht länger als 12345 Zeichen sein) so wie ich in ein Word-Dokument zusammenzukopieren. Wie auch immer, eine Warnung möchte ich noch an euch loswerden:

    Lesen auf eigene Gefahr!


    "Bielefeld gibt es nicht" - von Matthias Franz

    "Bielefeld gibt es nicht."

    Es waren nicht die Worte selbst, die Thomas verdutzten, ja geradezu beunruhigten, es war die Gewißheit, mit der sein bester Freund Klaus diese Worte hervorgebracht hatte. Als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt, daß diese Stadt in Ostwestfalen, am Rande des Teutoburger Waldes, nicht existierte.

    "Bielefeld gibt es nicht? Du spinnst ja! Natürlich gibt es Bielefeld!"

    Klaus hatte in den vergangenen Minuten eine seltsame Verwandlung durchgemacht. War er früher immer so selbstsicher gewesen und hatte ihn nie etwas aus der Ruhe bringen können, so hatte er sich nun innerhalb weniger Augenblicke in ein nervöses, zappeliges Nervenbündel verwandelt, hatte an seinen Fingern herumgespielt, war wie ein Tiger in seinem Käfig auf- und abgelaufen, ein unruhiger Geist, der sich vor irgendetwas zu fürchten schien und der sich gleichzeitig wie ein kleines Kind verhielt, das nicht mehr länger verbergen konnte, was es seiner Oma zu Weihnachten schenken würde. Auch mit seinen sonst so ruhigen und klaren Augen hatte eine seltsame Veränderung stattgefunden. Sie waren größer geworden, zuckten immerzu.

    "Komm mit", hatte er dann zu Thomas gesagt. "Ich muß dir etwas wichtiges sagen."
    "Wohin gehen wir?"
    "Wo SIE uns nicht hören können."
    "Wer sind SIE?"
    "Die Verschwörer. Komm jetzt."
    Er hatte ihn in den Keller des fünfstöckigen Mietshauses geführt, und selbst da hatte er sich noch nicht sicher gefühlt. "Die Wände haben Ohren", hatte er gesagt. "Die ganzen Rohre: Wasserrohre, Heizungsrohre... Was meinst du, wo die hinführen?"
    Er zeigte auf ein dichtes Rohrgestrüpp irgendwo in einer dunklen Ecke des Kellers, wo Spinnen ihre Netze gespannt hatten und hungrig auf Beute lauerten. "Hast du dich jemals gefragt, wo all diese Rohre hingehen?"
    "Zu den Stadtwerken. Ins Abwassersystem. Keine Ahnung."
    "Ja, zu den Stadtwerken, meinetwegen auch in eine Telekom-Funkzentrale. Aber dort sitzen SIE. SIE überwachen uns, beobachten jeden Tag, was wir tun, und beim kleinsten Anzeichen, daß wir nicht das kleine Rädchen sind, das sich in der großen Gesellschaftsmaschinerie dreht, sobald SIE merken, daß wir nicht mehr mitspielen, daß wir ihre Lügen nicht mehr glauben, kommen SIE, um uns zu holen. Und SIE werden uns einer Gehirnwäsche unterziehen, bis wir wieder glauben, was SIE sagen."
    Die letzten Worte hatte er im Flüsterton hervorgebracht, mehr schon ein sanftes Hauchen als ein Flüstern.
    "Du bist ja paranoid!" murmelte Thomas. "Was ist nur in dich gefahren? Wir leben in einer Demokratie."
    "So, glaubst du das? Woher wissen wir denn, daß die Wahlergebnisse nicht gefälscht sind? Daß SIE nicht kontrollieren, wer in den Bundestag kommt und wer nicht? SIE stecken alle unter einer Decke."
    "Aber wer sind SIE?" fragte Thomas, dem das Verhalten seines besten Freundes immer mehr ängstigte.
    Aus Klaus' Flüstern wurde eine Zischen. "SIE sind überall. Aber wenn du mit IHNEN redest, kannst du sie enttarnen. Sei bloß vorsichtig. Selbst deine engsten Vertrauten, deine Eltern, deine Schwester und deine Freundin könnten zu IHNEN gehören."
    "Du liest zuviel Ufo-Bücher", stellte Thomas fest.
    "Das hat mit Ufos nichts zu tun. Sie leben mitten unter uns. Traue niemandem – außer mir, denn ich weiß Bescheid."
    "Was weißt du?"
    "Still jetzt! Ich kenne einen Raum, wo wir ungestört reden können: Der Heizungskeller. Wenn die Heizung ihr Geräusch von sich gibt, können SIE uns nicht hören, wenn wir reden."

    Der Heizungskeller war nur ein enger Raum, dessen größter Teil von der Heizung eingenommen wurde, ein altmodisches, riesiges Monstrum aus Kesseln, Rohren und einer Steuerungseinheit. Die Heizung gab permanent Geräusche von sich. Es zischte, brodelte, gluckerte, heulte, stöhnte und quietschte – Geräusche, die Thomas früher beängstigt hatten – ganz besonders nachts, wenn er in seinem Bett gelegen hatte und die seltsamen Geräusche aus dem Keller bis in sein Zimmer vorgedrungen waren. Dann hatte er sich in seinem Bett verkrochen, die Bettdecke bis über den Kopf gezogen und gezittert. Der Schwarze Mann, so hatte ihm mal seine ältere Schwester erzählt, würde im Keller sein Unwesen treiben, und nachts könnte man ihn sogar hören. Er folterte kleine Jungen, die nicht rechtzeitig eingeschlafen waren – ein typisches Ammenmärchen. Längst hatte Thomas keine Angst mehr vor dem Schwarzen Mann, aber die beängstigenden, unheimlichen Geräusche waren geblieben, und nur selten hatte er sich in den Heizungskeller hineingetraut. Was hätte er auch darin verloren gehabt? Die Heizung war in diesem Raum der einzige Einrichtungsgegenstand, und nur eine matte Kellerleuchte verbreitete in diesem Kellerloch trübes Licht.

    Kaum waren sie im Raum angelangt, schloß Klaus die schwere Eisentür, die den Heizungsraum vom übrigen Keller trennte. Er kauerte sich neben der Heizung nieder und flüsterte ebenso geheimnisvoll wie überzeugt: "Bielefeld gibt es nicht."
    "Bielefeld gibt es nicht? Du spinnst ja. Natürlich gibt es Bielefeld!"
    "Und woher weißt du das?"
    "Es ist auf jeder Landkarte eingezeichnet."
    Klaus nickte. "Soso, auf jeder Landkarte eingezeichnet. Du glaubst wohl alles, was gedruckt ist. Aber Papier ist geduldig. Du kannst den größten Schwachsinn schreiben, und trotzdem glauben dir die Leute."
    "Du glaubst also, SIE haben dafür gesorgt, daß Bielefeld in jeder Landkarte eingetragen ist."
    "Genau. Sie sind sehr mächtig. Sie bezahlen Leute, daß sie mit BI-Autokennzeichen in der Gegend rumfahren. Dabei ist noch nie einer mit BI-Kennzeichen auch nur in der Nähe von Bielefeld gewesen."
    "So ein Blödsinn", warf Thomas ein. "Ich weiß genau, daß es Bielefeld gibt."
    "Und woher?"
    "Was ist mit Arminia Bielefeld?"
    "Arminia Bielefeld gibt es."
    "Und wo spielen die denn?"
    "In einem Stadion in der Region, die auf Karten als Bielefeld eingetragen ist. Das ist IHR Trick. Auf diese Art und Weise holen SIE sich Fußballfans fremder Vereine nach Bielefeld. Ist dir nicht merkwürdig vorgekommen, daß Arminia Bielefeld so schnell von der Regionalliga in die erste Liga aufgestiegen ist?"
    "Naja, die haben einige gute Leute gekauft..."
    "Und wo haben die auf einmal das Geld her?" unterbrach Klaus. "Ich sag dir was: Die Fans, die von auswärts herkommen, werden allesamt in ein Stadion gekarrt, das angeblich in Bielefeld ist. Und auf dem Weg dorthin haben die lauter Kulissen aufgebaut. So wie damals die Potjemkischen Dörfer. Nur Fassaden und nix dahinter. Und die Fans kommen nicht einmal auf die Idee, daß hinter den Fassaden nichts sein könnte. Warum auch? Die Idee ist so abwegig, und außerdem: Wer wegen Eintracht Frankfurt nach Bielefeld kommt, interessiert sich nicht die Bohne für die Stadt."
    "Du spinnst ja. Und was passiert mit den Leuten, die mal eben nach Bielefeld fahren?"
    "Mal ehrlich. Wer will schon nach Bielefeld fahren?"
    "Die Stadt angucken."
    "Was gibt es denn da zu sehen? Heidelberg und Karlsruhe haben Schlösser, Frankfurt den Römer, die Paulskirche und das Goethehaus, München die Liebfrauenkirche und das Oktoberfest, Berlin das Brandenburger Tor, den Alex und den Ku'damm, Stuttgart hat den Fernsehturm, Düsseldorf die Kö, Köln den Dom, Leipzig das Völkerschlachtsdenkmal und Dresden den Zwinger und die Oper, aber was fällt die bei Bielefeld ein?"
    "Nichts."
    "Siehst du? O.K., sie haben halt ein paar Sehenswürdigkeiten erfunden. Die Sparrenburg zum Beispiel. Aber die Sparrenburg sieht aus wie jede andere Burg. Das gleiche gilt für den Botanischen Garten. Botanische Gärten gibt es in jeder größeren Stadt. Alles Blödsinn."
    "Aber was ist mit denen, die in Bielefeld arbeiten und außerhalb wohnen, die Pendler, oder die, die in Bielefeld einkaufen oder abends in die Disco wollen? Wissen denn die Ostwestfalen, daß es Bielefeld nicht gibt?"
    "Die Leute, die vorgeben, in Bielefeld zu arbeiten, lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Die einen wissen, daß es Bielefeld nicht gibt, würden es aber niemals zugeben. Sie arbeiten im Bielefeld-Zentrum. Die anderen gehen jeden Tag ins Bielefeld-Zentrum, wo sie einer Gehirnwäsche unterzogen werden, die sie glauben läßt, sie wären wirklich in Bielefeld gewesen. Wer nicht eingeweiht ist, glaubt, daß es Bielefeld gibt. Nirgendwo ist die Anzahl der Bielefeld-Gläubigen so hoch wie in Ostwestfalen."
    "Und was passiert mit denen, die nach Bielefeld kommen? Was ist das Bielefeld-Zentrum?"
    "Das Bielefeld-Zentrum ist ein riesiger Gebäudekomplex, in dem SIE und IHRE Mitarbeiter tagtäglich daran arbeiten, daß die Illusion, Bielefeld gäbe es, aufrechterhalten wird. Man nimmt an, daß es in diesem Zentrum verschiedene Abteilungen gibt. Die wichtigste davon ist die Universität Bielefeld. Was dort genau passiert, wissen wir nicht, aber wir nehmen an, daß SIE dort ausgebildet werden. Also, sei bloß vorsichtig, wenn du jemandem begegnest, der behauptet, er würde in Bielefeld studieren oder hätte in Bielefeld studiert. Er gehört zu IHNEN! Ansonsten gibt es da noch andere Abteilungen. In einer werden Stadtpläne und Ansichtskarten von Bielefeld gedruckt. Ab und zu werden Ansichtskarten verschickt. Und schließlich die Gehirnwäsche. Die schnappen sich jeden, der nach Bielefeld kommt und unterziehen ihn einer Gehirnwäsche. Schon wenn sie die Stadt wieder verlassen, verblassen die Erinnerungen an das Bielefeld-Zentrum, und die eingepflanzten Erinnerungen, die den Leuten vorgaukeln, sie wären in Bielefeld gewesen, werden aktiv. Nur unter Hypnose kann herausgefunden werden, was in Bielefeld wirklich passiert, denn die Leute behalten sich das im Unterbewußtsein, und das ist die Gefahr: Wenn dir einer begegnet, der behauptet, er wäre in Bielefeld gewesen, dann schau ihn dir genau an. Du wirst bald feststellen, daß er einen ungewöhnlich starren Blick hat und daß er sich auch sonst ganz merkwürdig verhält. Leute, die in Bielefeld waren, sind nicht mehr dieselben, wenn sie zurückkommen. Aber sei vorsichtig. Sie könnten auch zu IHNEN gehören."
    "Aber was wollen SIE denn? Warum wollen die, daß alle Leute glauben, daß es Bielefeld gibt, wenn es Bielefeld nicht gibt? Warum sollten die so viel Aufwand betreiben, um eine Stadt zu erfinden?"
    "SIE wollen etwas verbergen. Ganz sicher. Und das ist IHNEN sehr wichtig. Wenn es Bielefeld nicht gibt, muß es stattdessen etwas anderes geben. Das Bielefeld-Zentrum allein reicht auch noch nicht aus, um das fehlende Gebiet zu füllen. Es muß da noch etwas anderes geben, und SIE wollen nicht, daß wir es erfahren. Ich glaube, wenn wir es erfahren, werden wir an die Wahrheit kommen, und dann wird IHRE Macht beendet sein. SIE kontrollieren alles: Die Politik, die Wirtschaft und die Massenmedien. SIE haben Führungspositionen besetzt. Gerhard Schröder zum Beispiel gibt vor, in Bielefeld zur Schule gegangen zu sein. Sie haben ihn dort natürlich ausgebildet und ihn schon früh auf sein jetziges Amt vorbereitet. Daß Schröder 1998 Bundeskanzler wurde, war von langer Hand vorbereitet – von denselben, die auch entschieden hatten, daß Kohl eine so lange Amtszeit hatte. Glaub ja nicht, die Leute hätten Schröder gewählt! Schröder war einfach fällig, an die Macht zu kommen. Das war alles!"
    Thomas stand auf. "Ich glaube dir kein Wort. Entweder du willst mich jetzt verarschen, oder du bist total paranoid."
    Klaus hielt ihn fest. "Nein, bitte, hör mir zu. Es ist wichtig. Je mehr unbescholtene Bürger davon wissen, desto weniger Chancen haben sie. Wir werden immer mehr, und eines Tages werden SIE merken, daß sich die Bielefeld-Lüge nicht mehr aufrechterhalten kann."

  • Ex Co-Trainer Jörg Böhme

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 17:18

    Diese "Verräter"-Meldungen kann ich irgendwie nicht ernst nehmen. In den Medien wird halt viel hochgeputscht, gibt höhere Verkaufszahlen, Einschaltquoten und Online-Zeiten. Und das Geschäft funktioniert, wie man sieht.

    Böhme wird schon nicht auf die Alm kommen, weder jetzt noch im Sommer, so meine Prognose.

  • Lorant bald Trainer in Ahlen?

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 15:54
    Zitat

    Werner Lorant stammt aus Welver, und das liegt nicht weit von Ahlen entfernt, mitten im Einzugsgebiet des westfälischen Vereins.

  • Ja Hallo erstmal

    • KSV-Jens
    • 20. Dezember 2002 um 15:48

    Du bist also einer der vielen Neuzugänge in der Winterpause. Ihr scheint alle ablösefrei zu kommen, daß es euch im Vierer-, Fünfer- und Sechser-Pack gibt.

    Aber wird schon klappen mit Dir, dem DSC4ever-Forum und dem Nichtabstieg.

    :hi:

  • was passiert wenn wir 100 sind?

    • KSV-Jens
    • 19. Dezember 2002 um 23:21

    Achtung, die 100 werden bald geknackt.

    DerPate ist unser 95. Neuzugang. Man merkt, daß es seit gestern einen kleinen Schub an neuen Mitgliedern gibt. Offenbar hat HYPER mit seiner Initiative im Arminia-Forum noch ein paar auf dieses Alternativ-Forum aufmerksam gemacht. Wie auch immer, ich wünsche beiden Foren alles Gute, auch wenn ich mich auf eines festgelegt habe.

    Schade ist bloß, daß Valdano wohl noch in keinem der beiden Foren aufgetaucht ist. Oder er ist unter anderem Nick hier, soll man ja nie ausschließen.

  • Und der Weihnachtsmann ist DOCH Armine!

    • KSV-Jens
    • 19. Dezember 2002 um 22:40

    ... und der Weihnachtsmann wäre "komplett" gewesen *gg*

  • Ex-Armine Rüdiger Kauf

    • KSV-Jens
    • 19. Dezember 2002 um 20:09

    Letztlich zählt das Preis/Leistungsverhältnis. Und wenn jemand zu viel fordern sollte, muß er halt gehen. Es gibt billigere Spieler. Trotzdem hoffe ich natürlich immer noch, daß Momo nicht zu hoch pokert, also bleibt.

    Warum der Verein eine recht harte Linie beim Vertragspoker fahren muß, verdeutlichen folgende Zahlen:

    Saison 2002/03: Durchschnittlicher Verlust pro Bundesligaverein durch die Kirch-Krise - 3 Millionen €uro.
    Saison 2003/04: Geschätzter durchschnittlicher Verlust pro Bundesligaverein durch die Kirch-Krise - 6 bis 7 Millionen €uro.

    Also da muß man noch mehr im Rahmen seiner Möglichkeiten Verträge abschließen als die Jahre davor.


    Sehr gut finde ich, daß Rübe Kauf weiter an Bord bleibt. So ein Mann ist immer wichtig für Arminia. Und 3 Jahre Laufzeit ist für einen 27jährigen eine gute Idee vom Verein.

  • Konkurrenz für uns?

    • KSV-Jens
    • 19. Dezember 2002 um 17:51

    Ich finde sowieso, daß es genug Arminia-Fans gibt, daß auch zwei oder drei größere Foren problemlos nebeneinander bestehen können. Im DSC4ever-Forum gibt es täglich ca. 85 Beiträge. Wenn es z.B. 150 wären, müßten die meisten von uns wohl Prioritäten setzen, was sie noch lesen und was nicht.

    Mir gefällt das offizielle Arminia-Forum von seinen Möglichkeiten her überhaupt nicht. Darum werde ich mich da wohl über früh oder lang auch als Mitleser verabschieden. Das wird vielen von uns, die mit dem Forum von DSC4ever gut klarkommen, so gehen.

    Das Arminia-Forum hat natürlich den Vorteil, daß es einfach die bekanntere Anlaufstelle ist. Also werden auch mehr Gäste dort posten. Das bringt Schwung rein oder auch Abschwung, je nachdem wie hoch der Anteil der Provokation ist. Im Moment läuft das Arminia-Forum übrigens gar nicht einmal so schlecht, aber es ist mir einfach zu anfällig für Spinner.

  • Konkurrenz für uns?

    • KSV-Jens
    • 19. Dezember 2002 um 16:45

    Es gab ein paarmal die Situation, wo jemand mit seinem Posting eine neue Seite "aufmachte". Man kam aber nicht auf diese Seite, um sein Posting lesen zu können. Und auch der Schreiber selbst wurde verwirrt, weil er sein Posting nach dem Abschicken nicht entdeckte, da er auf der vorhergehenden Seite landete. Man mußte erst ein weiteres Posting nachschicken, damit dann die neue Seite betretbar wurde.

    Inzwischen glaube ich, daß DSC4ever etwas daran gewerkelt hat. Jetzt fällt mir nämlich eine neue Merkwürdigkeit auf, nämlich beim Thema "Fußballer beim Handball", da werden momentan drei Seiten angezeigt, aber wenn man auf die dritte Seite kllckt, enthält sie noch kein Posting. Auch nicht so gut gelöst irgendwie. Aber DSC4ever muß wohl Kompromissse schließen, sonst kann er ewig proggen...

  • Zur Diskussion: Homosexualität & Fußball

    • KSV-Jens
    • 19. Dezember 2002 um 16:25

    Ich beobachte auch die Tendenz gerade bei den Fußballfans, die Starspieler anderer Vereine als "schwul" zu beschimpfen. Aber wenn dann von den anderen der gleiche Spruch zurückkommt, finden sie das sicher auch nicht so klasse.

    Also man sollte solche völlig ins Leere greifenden Sprüche wirklich sein lassen. Ein Outing halte ich in der Fußballszene tatsächlich auch für sehr problematisch, das bietet nur Angriffsfläche. In anderen Szenen kann man sich leichter outen, die Fußballszene ist leider eher rückständig.

    Übrigens glaube ich nicht, wie oben beschrieben, daß jeder 20. Mann schwul ist. Ich vermute, daß die Homosexuellen selbst zu solch relativ hohen Zahlen greifen, um ein Stück Normalität einkehren zu lassen. Ich selbst hätte kein Problem, wenn jemand aus meinem Bekanntenkreis sich zur Homosexualität bekennt. Bisher ist mir dieser Fall allerdings noch nicht untergekommen.

  • www.eurostadiums.com

    • KSV-Jens
    • 18. Dezember 2002 um 22:53

    Da basteln sich Leute ein Skript, und peng haben sie ihre Stadien oben. Die Frankfurter und Offenbacher haben in ihrem Konkurrenzdenken überdies ihre Startseite auf dieses Skript gelegt, also bei jedem Anklicken des Explorers automatisch eine Stimmabgabe.

    Für mich ist das alles nichts.

  • Fussballer beim Handball

    • KSV-Jens
    • 18. Dezember 2002 um 22:48

    Seufz, die Nordsee-Sporthalle des Wilhelmshavener HV faßt nur 2.100 Zuschauer. Aber solche ausverkauften kleinen Hallen bieten oft die bessere Atmosphäre als große Hallen wie in Köln oder Hamburg. Der THW Kiel hat es gerade zu spüren bekommen. Das 29:29 war aus Wilhelmshavener Sicht ein verlorener Punkt. Der Meister war in der Sport"hölle" schon am Boden, bevor er mit seiner ganzen Routine ins Spiel zurückfand. Im letzten Heimspiel gegen Göppingen traf der WHV in der Schlußsekunde noch zum Sieg, gegen Kiel wäre es ihm das gleiche Kunststück fast wieder gelungen.

    Aber die fehlenden 10 Punkte wird der WHV schon noch einfahren bei jetzt 15:17 Punkte. Der Aufsteiger hat sehr viel Kampfkraft zu bieten, aber er verschekt hat halt ab und zu durch unnötige technische Fehler oder schlechte Abspiele Punkte.

  • Die wahre Tabelle ! ?

    • KSV-Jens
    • 18. Dezember 2002 um 22:33

    Aber ich mache so etwas auch gelegentlich mal. Also für mich habe ich so 2 Punkte ausgerechnet, die Bielefeld wohl mehr geholt hätte, wenn die Schiris immer ausgewogen gepfiffen hätten. Dabei habe ich nicht einfach ein Tor dazu addiert oder abgezogen oder einen nicht gegebenen Elfer als sicher verwandelt betrachtet. Ich ließ mich auch von dem Gefühl leiten, wie sich die Gegner und die eigene Mannschaft präsentierten. Soll heißen, wenn das 1:1 in Stuttgart gegolten hätte, habe ich daraus nicht automatisch einen Punktgewinn für Arminia abgeleitet, sondern mir vor Augen geführt, daß Stuttgart insgesamt an dem Tag mehr Power hatte. Das Endergebnis von 3:0 war ja auch deutlich genug.

    Aber 3:0 ist auch unser Lieblingsergebnis.... :P


    P.S.: Ach ja, und vielleicht hätte Arminia seinen guten Endspurt gar nicht hingelegt, wenn die Mannschaft vorher weiter oben gestanden hätte. Soll es auch geben.

  • Umfrage auf der offiziellen Seite

    • KSV-Jens
    • 18. Dezember 2002 um 22:26
    Zitat

    Original von HYPER
    Albayrak 1% 40 Stimmen
    Bogusz 1% 18 Stimmen
    Brinkmann 10% 307 Stimmen
    Dabrowski 1% 28 Stimmen
    Dammeier 1% 43 Stimmen
    Diabang 18% 558 Stimmen
    Hain 28% 853 Stimmen
    Hansén 1% 46 Stimmen
    Kauf 19% 580 Stimmen
    Vata 2% 56 Stimmen
    Wichniarek 10% 321 Stimmen
    Reinhardt 7% 228 Stimmen

    Alles anzeigen


    Reinhardt kommt eindeutig zu schlecht weg, aber die Begründung, daß er anfangs in der Liste fehlte, ist schlüssig.

    Hain kommt gut weg, ist aber wie Reinhardt für mich der einzige ernsthafte Kandidat auf den Sieg.

    Kauf und Diabang kommen etwas zu gut weg, auch wenn sie klar zu den Besseren gehören.

    Brinkmann und Artur kommen beide zu gut weg. Beide waren nicht die Schlüsselspieler der Hinrunde. Dazu waren sie zu unbeständig.

    Dammeier und Dabrowski kommen zu schlecht weg, weil unauffällig.

    Vata ist für mich eine leise Enttäuschung. Für mich war er ein Kandidat auf Spieler der Saison. Spieler der Hinrunde war er mit Sicherheit nicht. Wollen wir hoffen, daß seine Fitneß jetzt einfach mal besser wird.

    Der Rest geht für mich in Ordnung.

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