Ansonsten schien es aber egnerell sehr ruhig abzugehen.
Siehe Artikel aus der heutigen NW:
ZitatAlles anzeigenKaum Stress mit Bertha und Cesar
Das Fußballspiel Arminia Bielefeld gegen Borussia Dortmund dauert 90 Minuten - der Polizeieinsatz fast 500
VON KURT EHMKE
"Hurra, hurra, die Dortmunder sind da" (FOTO ANDREAS ZOBE)
Bielefeld. Westfalen-Derby: Bielefeld gegen Dortmund. Arm gegen Reich; ausverkaufte SchücoArena. Die Gäste-Blocks proppevoll. Großeinsatz für die Polizei. Bielefelder Kräfte mussten nach Gorleben, Essener und Wuppertaler füllen die Einsatzhundertschaft auf. Reinhard Scheck leitet den Einsatz, vertraut auf die übliche Mischung aus Hundertschaft, einer Hand voll szenekundiger Beamter, Ermittlern und Staatsanwalt - etwa 200 Leute.Der Einsatz beginnt Wochen vor dem Spiel - mit Telefonaten zwischen den szenekundigen Beamten. Sie, in Zivil unterwegs, kennen ihre Pappenheimer, tauschen sich aus. Eine Einsatzbesprechung gibt es nicht. Scheck: "Jeder weiß, was ihn erwartet."
11.53 Uhr: Scheck spricht im Präsidium mit Kollege Ulrich Poetting; erste Hürde sei die Ankunft des Sonderzuges mit 600 BVB-Fans. Keine Probleme werden mit Fans aus dem Umland erwartet - sie reisen in Bussen an, Borussia hat überall Fans.
12.01 Uhr: "Alles ruhig" meldet der Funk vom Bahnhof.
12.03 Uhr: Erste Festnahme. Ein verirrter Rostocker Fan hat den Dortmunder szenekundigen Beamten Ecki Gössing beleidigt. Kein Zufall: Ostdeutsche Fans gelten als sehr aggressiv, spielen Vereine gegen Dresden, Aue, Cottbus, Rostock, wissen die Beamten, dass es heikel wird.
12.18 Uhr: Funknachricht von Gössing an Scheck: Mit einem regulären Zug sind 140 Borussen-Fans angekommen, "darunter drei Bertha, zwei Cesar". Bertha, Cesar? "Es gibt A-, B- und C-Fans", erklärt Scheck. "A, das sind normale Kuttenträger. B, die sind gelegentlich gewaltbereit; und C-Fans sind die Harten." Die Dortmunder Beamten gehen von 50 bis 70 schwierigen Fans aus; bei 4.500 BVB-lern.
13.09 Uhr: Der Sonderzug ist da, der Bundesgrenzschutz leitet die grölende Masse zum Neuen Bahnhofsviertel. Gössing und Wiegand Patzelt, Leiter der Hundertschaft, stehen dort am Treppenaufgang. Eine Rauchbombe; Gössing scherzt: "Wir erwarten 4.000 vermummte Hooligans." Die Realität: An der Treppe stauen sich 800 Schwarz-Gelbe, angeschiggert, gut drauf. Vor allem stimmlich: "Hurra, hurra, die Dortmunder sind da" - das klingt wie Donnerhall. Polizisten grienen, denken darüber anders. Vor allen liegen 1.317 Meter bis zum Stadion, eine Strecke, an der alles schon passiert ist: von der Beleidigung über die Körperverletzung bis zu Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Heute passiert nichts.
13.12 Uhr: Scheck fordert per Funk Polizisten für die Innenstadt - Randale. Patzelt lehnt ab: "Wenn wir uns hier schwächen, kriegen wir Probleme." Leise sagt er: "Wenn 'se frech werden, kriegen wir das mit unseren 70 Leuten eh nicht gebacken."
13.30 Uhr: Fans und Polizei marschieren unter der OWD-Brücke entlang. Ein Borusse: "So 'ne scharfe Trennung der Fans hab' ich noch nie erlebt."
13.38 Uhr: Polizistin Birgit Wachtmann sagt zu Schmährufen von Fans: "Die Leute sind besoffen, das überhöre ich."
13.39 Uhr: Die Melanchthonstraße ist nicht gesperrt, ein Versehen. Marion Schulze sitzt in ihrem Auto, umzingelt von Fans. Unsicher lächelt sie. "Ich habe keine Angst, es sind ja genug Polizisten da." Ihr Auto bleibt heile.
13.59 Uhr: Heiko Venghaus, Chef von 38 Essener Polizisten, führt BVB-Fans in ihre Blöcke. Szenekundige Beamte suchen nach "ihren" Problem-Fans.
14.20 Uhr: Venghaus' Leute haben die meisten Fans in den Blocks A und 7. Drei grölen "samstags frei, für die Polizei".
14.58 Uhr: In der Befehlsstelle der Polizei oberhalb der Haupttribüne sitzen Scheck, Poetting und Oliver Stüwe. "Wir führen hier Regie." Neben ihnen starrt Reinhard Meier auf Videobilder. Acht Kameras filmen das Stadion und die Zugangsbereiche. Szenekundige Beamte geben Tipps, wo es spannend werden kann. Videorekorder zeichnen auf Wunsch alles auf, ein Drucker druckt Täter-Porträts.
15.15 Uhr: Ein BVB-Fan hat einen Knallkörper geworfen - Venghaus' Leute stehen vor dem Block, beobachten den Mann, wollen "zugreifen", verzichten aber, "damit es nicht eskaliert".
15.24 Uhr: Die Fans singen "Olé olé", einige Polizisten summen mit, grinsen entspannt.
15.31 Uhr: Zum Anpfiff brennen in Block A und 7 je eine Rauchbombe -die Szenekundigen und Uniformierte starren in die Blöcke. "Das ist eine Straftat, das Zeug ist giftig."
16.17 Uhr: Halbzeit. Gössing beobachtet seine Problem-Fans, sucht nach Verhaltensmustern, die auf Aggressionen hinweisen. "Welche, das verrate ich nicht." Wann krachts am seltensten? "Ein gediegenes 0:0 bei Nieselregen ist immer gut."
16.46 Uhr: Polizisten, ausgerüstet mit Pistolen, Handschellen, Pfefferspray, Schlagstöcken, trinken Kaffee, tippen eine SMS.
16.47 Uhr: Platzverweis gegen den BVB, es wird hektischer. Ein Fan brüllt "Drecksau", ein strenger Blick, Ruhe.
16.55 Uhr: Block C, ein Borussen-Fan nimmt einem Kind den Arminia-Schal weg, Ordner helfen, der Mann wehrt sich, Polizisten helfen, der Mann schlägt um sich - kommt in Gewahrsam, wird dann des Stadions verwiesen. Video-Mann Meier hat den Ordnerfunk abgehört, die Szene aufgenommen. Anzeige folgt.
17.22 Uhr: Schlusspfiff. Poetting jubelt kurz, greift zum Fernglas. Block 7 beobachten. Die Fans ziehen flott ab, frustriert. Fast alle Polizisten bringen die Schwarz-Gelben zum Bahnhof.
17.49 Uhr: An der Jöllenbecker grölen Fans "der Lidl hat auf, der Lidl hat auf" - einige stürmen den Laden. Vier Polizisten blockieren die Eingangstür. Vier gegen 40. "Was ich gerade von meinem Job halte, ist ja wohl klar", sagt ein Polizist.
18.36 Uhr: Der Sonderzug verlässt den Bahnhof, rappelvoll mit Fans in Schwarz-Gelb. Aus Bielefelder Sicht ein passabler Tag: sehr ruhig, 1:0 gewonnen.