...und über Ernie:
Ernie...
Nein, hier ist nicht Berts ewig gutgelaunter Freund aus der Sesamstraße gemeint - bei Ernst Wilhelm Wittig, wie er bürgerlich heißt, handelt es sich um Deutschlands einzigen echten Flitzer. Zumindest sagt er das selbst: »Es gab einen Mann, der ist in Bremen nackt durchs Stadion gelaufen. Er war aber betrunken und hat später seiner Frau geschworen, dass er es nie mehr machen würde.« Also natürlich kein Vergleich zu ihm, der schon vom Nacktfahrradfahren bis zum Soziologenkongress alles durch hat. Dabei zeigt der passionierte Bodybuilder bevorzugt Bizeps, Trizeps und andere Muskelpartien. Mit seinen Auftritten hat der Bielefelder seiner Arminia schon Punkte gerettet, wie im April 2005 beim Stand von 1:0 gegen Dortmund im Westfalenstadion. 76 000 Zuschauer und die Bielefelder Spieler waren amused, Boakye goutierte das Ereignis mit dem Ausgleichstreffer fünf Minuten später.
Seine Auftritte haben den 59-Jährigen über Ostwestfalen hinaus bekannt gemacht. Späte Ehre gab es für den selbsternannten Künstler durch eine Aufnahme in das PC-Spiel »Anstoss 2005 – der Fußballmanager«: Mitten in einer Spielszene läuft ein Entblößter mit dem Schriftzug »Ernie« durchs Bild. Seinen Stellenwert im deutschen Flitzertum unterstreicht der Ritterschlag durch den Harald-Schmidt-Adlatus Oliver Pocher, in dessen WM-2006-Lied »Schwarz und Weiß« ein offensichtlich textilfreier Muskelmann mit Baseballkäppi – Ernies Markenzeichen - zu großer Form aufläuft. Jedoch gefielen bisher nicht jedem Passanten die nackten Tatsachen, die er zu sehen bekam, was Ernie mittlerweile 50 000 Euro Bußgeld und fünfeinhalb Jahre Gefängnis einbrachte. Ein Grund mag sicherlich auch sein, dass er sich nicht nur auf Fußballspiele und Wissenschaftlerkonferenzen beschränkt, sondern auch schon bei Volksfesten und auf Schulhöfen flitzte. Auch diese Wahrheit gehört zum Flitzer Ernie. Laut Augenzeugen war er aber nie sichtlich erregt, obwohl er sagt, dass ihm das derartige Zeigen in der Öffentlichkeit einen »Kick« gebe. Dieser Kick hat ihm gerade wieder ein Strafverfahren sexuellen Missbrauchs von Kindern eingebracht, weil er sich einem Frauenfußballspiel in Duisburg vor jugendlichen Spielerinnen auszog. Warum er sich nicht einfach einmal ins Stadion setzt und nur ein Fußballspiel anschaut? »Das kann ja jeder. Da käme ich mir überflüssig vor, so in Klamotten rumzuhocken und nichts zu tun«.