Diese Stimmungswandel im Forum sind doch sehr interessant, angewandte Psychologie sozusagen. Nach dem Erfolg im DFB-Pokal gab es ja relativ viel Lob und Respekt für NM, nur 2 Spiele später schon wieder arg kritische Stimmen. Wie sollen Trainer hier nachhaltig arbeiten können, wenn selbst hier solch krasse Stimmungsschwankungen anzutreffen sind?
Auch ich habe unser Team für überdurchschnittlich in der 3.Liga gehalten, würde meine Meinung aber zum Teil mittlerweile revidieren. Welche Spieler sind in unserem Team denn wirklich überdurchschnittlich? Das wären Dick, Schütz, Müller, Klos und mit Abstrichen Mast. Wenn wir jetzt aber einen verletzten Müller und einen Klos haben, der außer Form ist, bleibt nicht mehr viel Überdurchschnittlichkeit übrig in meinen Augen. NM betont ja auch immer wieder, dass 90% nicht reichen in dieser Liga und das bezieht nicht nur auf Einsatz, sondern auch auf die Formkurve jedes einzelnen Spielers. Viele haben hier die Erwartung, dass wir jeden Gegner spielerisch dominieren und reihenweise schlagen. Ich glaube sogar in Meiers Spielidee und auch in seinen Kommentaren zu hören, dass das genau seine Vorstellung ist: Dominanz ausüben, dem Gegner spielerisch überlegen sein, knifflige Situationen smart ausspielen. Hört sich alles gut an, nur glaube ich mittlerweile immer mehr, dass du dir in dieser Liga die Siege meistens erarbeiten musst und nicht erspielst. Du musst in der Lage sein, Drecksspiele wie in Rostock oder Kiel durch ein Gurkentor 1:0 zu gewinnen, selbst wenn du schlecht spielst, so wie wir das in der letzten Aufstiegssaison oftmals geschafft haben. Wir holen uns zwar häufig gelbe Karten ab, aber selten für sinnvolle Dinge wie taktische Fouls oder leichtes Nerven des Gegners, wie es z.B. Zenga von Telgte reihenweise bei unseren Spielern gemacht hat. Das alles führt mich zu der Überlegung, dass uns hier vielleicht ein wenig die richtige Einstellung fehlt oder auch die Galligkeit und mannschaftliche Geschlossenheit.
Den Kritipunkt, den man Meier sicherlich am ehesten vorwerfen kann, ist tatsächlich der, dass er sein eingespieltes System hat, von dem er nur wenig abweicht und das meist nur aus Sperren und Verletzungen heraus. Die Frage, ob die Qualität der Einwechselspieler so stark abfällt oder ob NM keinen Mut hat, Sachen und Aufstellungen mal anders zu machen, kann ich nicht beantworten. Fakt ist nur, dass Spieler wie Testroet oder Lorenz in der Vergangenheit schon Qualitäten beweisen konnten. Offensiv können wir uns auf Grund der Anzahl der erzielten Tore ja nicht wirklich beschweren, dennoch scheinen sich die Gegner mehr und mehr auf unsere Spielweise einzustellen. Wenn unser Spiel über die Außen lahmt, wenn Mast und Hemlein keine Räume bekommen und Standards gut verteidigt werden, wird es schwer für uns Tore zu erzielen. Hier müsste man durch einen vermehrten Aufbau durch die Mitte reagieren, aber dafür braucht man 2 spielstarke 6er. Und genau da liegt momentan unser Problem: Mit Schütz haben wir einen guten Mann für das System, aber der Partner auf der 6 war mit Strifler oder Burmeister meist ein defensiv orientierter Spieler, der im Aufbau nicht sehr aktiv ist. Brinkmann oder Kluge wären sicherlich in der Theorie bessere 6er, haben aber bekanntermaßen mit Verletzungen und Formschwäche zu kämpfen. Eine andere Möglichkeit wäre die Umstellung auf ein 4-4-2, aber anscheinend möchte NM unsere starken Außen im 4-2-3-1 nicht teilweise opfern, um in vorderster Linie durchschlagskräftiger zu sein. Jetzt müssen wir auch noch den Ausfall von Müller schultern, der sich überraschenderweise zum vielleicht wichtigsten Spieler entwickelt hat und vielleicht der einzige, der es schafft überraschende Bälle in die Schnittstellen der Abwehr zu spielen. Ulm ist zwar nicht schlecht, aber ihm fehlt doch noch einiges, um die Rolle Müllers zu übernehmen.