Ich sehe keine Indizien dafür, dass Schusters Kritik an Mutzel was persönliches hat. Noch dafür, dass es sich um eine ganze Kampagne handelt. Es ist noch viel zu früh, um davon zu sprechen.
Vermutlich hast Du die Artikel nach der unsäglichen Pressekonferenz zur Vorstellung von Oliver Kirch nicht gelesen:
Unter anderem deshalb sieht sich Arminias Klubführung um Sport-Geschäftsführer Mutzel Kritik ausgesetzt. Um wieder ruhiger arbeiten zu können, wird sie auf rasche Erfolge ihres neuen Trainers hoffen.
Die Kritik kommt vor allem von Schuster selbst, der Kniat offenkundig verehrt hat und bis zum heutigen Tag nicht versteht, warum es richtig war, sich zu trennen, und zwar für beide Seiten.
Oliver Kirch ist da, Mitch Kniat schon eine Weile weg. Doch bei Arminia Bielefeld steht noch ein Elefant im Raum. Die Gründe für die Trennung von Kirch-Vorgänger Kniat sind nicht aufgearbeitet. Man sei „bei der Zukunftsplanung nicht deckungsgleich“, ließ sich Sportchef Michael Mutzel im offiziellen Kommuniqué des Klubs am 23. Mai zitieren. Eine Aussage, die eine Menge Interpretationsspielraum ließ und lässt. Trotzdem schweigt der 46-Jährige dazu seither beharrlich.
Welcher Elefant ist hier im Raum? Der noch immer über allem schwebende Kniat oder vielleicht doch Schusters beleidigt sein?
Mutzel hat klipp und klar gesagt, dass man über das Gespräch Stillschweigen vereinbart habe. Das zu akzeptieren, fällt Schuster offenbar schwer. Von Kniat bekommt er vermutlich ebenfalls keine Antwort, jedenfalls keine, die er zitieren kann (die Jungs von Radio Bielefeld haben offenbar einen besseren Kontakt zu Mitch Kniat, siehe Podcast).
Dann bringt die NW eine Reihe über die "Lehrmeister" von Kirch, in der dann Middendorp auch noch mal über die Trainerentlassung herziehen darf, weil das ja alles so unverständlich ist wegen des Pokalfinales, dem Klassenerhalt und dem Aufstieg. Dass es noch nie einen Trainer gab, der Verständnis für die Demission eines Kollegen hatte – geschenkt.
Wenigstens konnte Schuster Michael Frontzeck keine Kritik an Mutzel entlocken, musste aber dennoch seinen Heiligen völlig unnötigerweise erwähnen:
Allerdings sind es dann doch schon stolze 17 Jahre, die zwischen Frontzecks Abschied und Kirchs Einstieg als Chefcoach in Bielefeld liegen. 20 andere Trainer versuchten in der Zwischenzeit ihr Glück bei den Ostwestfalen, zuletzt Mitch Kniat.
"Ach was!", hätte Loriot wohl darauf geantwortet.
Ich habe Verständnis dafür, dass Schuster glaubt, Mutzel hätte mit der Trennung von Kniat einen Fehler begangen, und natürlich erwarte ich von einem zweitklassigen Lokalredakteur auch keine Nibelungentreue zum Verein. Wohl aber gegenseitigen Respekt, denn beide sind schließlich voneinander abhängig.