ZitatDIW-Präsident Marcel Fratzscher: "Ein Prozent der Deutschen mit den größten Vermögen haben ungefähr 35 Prozent – also mehr als ein Drittel – des privaten Nettovermögens. Demgegenüber stehen 40 Prozent der Deutschen, die überhaupt keine Ersparnisse haben und kein Vermögen aufgebaut haben."
Aus: https://www.mdr.de/nachrichten/de…gleich-100.html
Problem ist, dass es seit Abschaffung der Vermögenssteuer keine amtliche, exakten Zahlen mehr zu der Thematik gibt. Panel wie das von der bpb oben verlinkte sind letztlich freiwillige Umfragen, an denen sich gerade viele Superreiche nicht beteiligen und daher verzerrt.
Was die Erbschaftssteuer angeht, gibt es ja jetzt schon de facto viele Ausnahmen und Nachlässe bei der Besteuerung, weswegen bspw. große, generationenübergreifende Vermögen meist in Stiftungen geparkt sind. Für diese gilt zwar eine Erbersatzsteuer, aber wie gesagt auch eine lange Reihe von Ausnahmen. Eine erhöhte Erbschaftssteuer müsste in der Tat so geregelt werden, dass keine Familienbetriebe zerbrechen, in der die Familie nach wie vor das aktive Management führt und die Betriebssubstanz zum Privatvermögen zählt. Aber dafür gibt es ohnehin Lösungen, sonst gäbe es diese Familienunternehmen und Unternehmerdynastien ja nicht in dieser Anzahl. Es gelten schon im bestehenden Erbschaftssteuerrecht Verschonungsregeln für Familienunternehmen usw., die die Belastung zumindest erheblich senken. Und wenn es dort wirklich kritisch wird, dann eher, weil die Erben heillos zerstritten sind und sich nicht auf eine dem Unternehmen zuträgliche Lösung einigen können, wie bei Oetker.
Bei den extrem reichen Familiendynastien sind die Erben aber ohnehin meist nur noch über Aktienpakete an den Unternehmen beteiligt und die Führung liegt längst bei professionellen Managern (die auch eher zu viel verdienen, aber das ist ein anderes Thema). Da würde wenig ins Rutschen kommen, wenn die Erben Aktien verkaufen müssten.
Je länger diese Ungleichgewichte bestehen, desto weiter wird die Schere auseinandergehen, weil Kapital sich schneller vermehrt als Einkommen aus Arbeit, und diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahrzehnten verschärft, das hat Thomas Piketty berechnet. Zudem dürfte in einem "alten" Industrieland wie Deutschland bei den meisten großen Unternehmen die Gründergeneration immer mehr in die Vergangenheit rücken und die Bindung der folgenden Generation an die Unternehmen abnehmen, wo es sich überhaupt noch um Beteiligungen an einzelnen Unternehmen handelt und diese nicht längst durch diversifizierte Finanzportfolios ersetzt wurden. Schon Bismarck soll ja gesagt haben: "Die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends."
Was Staatsverschuldung angeht, kann man nur konstatieren, dass die Summe da letztlich völlig irrelevant ist, da ohnehin eine Rückzahlung nicht ansatzweise wirtschaftlich praktikabel ist, sonst würde der gesamte Kapitalmarkt zusammenbrechen und damit auch sämtliche Lebens-, (kapitalgebundenen) Rentenversicherungen usw. Relevant ist nur, wie hoch die Zinsbelastung ist, was sich neben der allgemeinen Lage auf dem Kapitalmarkt daraus ergibt, wie hoch die Gesamtverschuldung in Relation zur Wirtschaftsleistung des Landes ist. D.h., solang der Staat durch eine starke Wirtschaft genug Steuern einnimmt und keine Staatspleite droht, sind die Zinsen i.d.R. gering. Gerade Deutschland hatte da in den Zeiten der Niedrigzinsen vor den aktuellen Leitzinserhöhungen phänomenale Bedingungen, zeitweise bekam der Staat quasi Geld umsonst geliehen von den Kapitalmärkten, so gering war die Zinsbelastung. Natürlich waren die Spielräume da auch nicht unbegrenzt, aber sie waren da. Das ist jetzt natürlich erstmal dahin. In den Merkeljahren hätte man so super Investitionen in die Infrastruktur der Zukunft finanzieren können, aber stattdessen hat man auf die schwarze Null gesetzt und sich eine Schuldenbremse ins Grundgesetz geklatscht, die jetzt die Handlungsfähigkeit des Staates gefährdet.
Die USA haben Stand heute mit ca. 120% des BIP eine fast doppelt so hohe Staatschuldenquote wie Deutschland, Japan liegt sogar bei schwindelerregenden 250%, und trotzdem haben beide zur Zeit eine dynamischer wachsende Wirtschaft als Deutschland. Das kann man nicht mit Privatschulden des Ottonormalbürgers vergleichen. Frei nach dem Motto: "Wenn du 10.000€ Schulden bei deiner Bank hast, hast du ein Problem. Wenn du 100.000.000€ Schulden hast, hat die Bank ein Problem."
Das sind, etwas ungeordnet, meine mit ein paar Zahlen angereicherten Gedanken zu den Themen der letzten Seiten hier, ohne konkret auf einen einzelnen Post einzugehen.