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  4. Fußball allgemein

Mein-Solarlampion

Supporters Direct-Model

  • Hitchcock
  • 16. September 2004 um 01:13
  • Hitchcock
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    • 16. September 2004 um 01:13
    • #1

    Mein-Solarlampion

    Ich hatte ja im Zusammenhang mit meiner Leidenschaft 'Notts County' im 'Nebenverein' Thread schon einmal auf die Supporters Trusts hingewiesen, die es in jüngster Zeit des öfteren in England zu finden sind. Diese Trusts sind quasi eine Antwort auf die Kommerzialisierung des Fußballs, der ja nicht nur auf der Insel unglaubliche Ausmaße angenommen hat. Bei diesen Modellen übernehmen die Fans selbst die komplette Kontrolle über den Verein.

    Für alle, die etwas mehr darüber wissen wollen, hier ein interessanter Artikel dazu, gefunden auf http://www.groundhopper.de:


    Zitat

    Original von groundhopper.de

    Int. Fußball
    England: Einfluss durch Mitbestimmung - 12.01.2004 12:28
    Die Fans kommen

    --------------------------------------------------------------------------------
    Während Chelseas neuer Besitzer Abramovich seine ganz eigene Variante des Computerspiels Championship Manager spielt, sind die Fans in den kleineren englischen Vereinen dabei, sich Einfluss zu verschaffen. Das Projekt wird von der englischen Regierung unter dem Namen Supporters Direct unterstützt.
    --------------------------------------------------------------------------------


    Nach dem Boom der neunziger Jahre und den damit verbundenen extravaganten und oftmals unverantwortlichen ökonomischen Ausschweifungen sind die harten Realitäten in den englischen Fußball zurückgekehrt. Während der letzten Saisons wurde eine Reihe von Vereinen wie Luton, Wimbledon, Oldham, Leicester, Ipswich, Port Vale, Barnsley, York und Huddersfield vorübergehend unter Geschäftsaufsicht gestellt. Noch 1994 befand sich Oldham in der Premier League, aber jetzt ist der Verein in einem solchen Ausmaß in die Knie gezwungen, dass der langjährige Fan Paul Scholes (von Manchester United) unter die Arme greifen musste, ohne die Gefahr dadurch jedoch vollends abwenden zu können. Glücklicherweise gehört es zu den Seltenheiten, dass Vereine auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten den Schlüssel umdrehen müssen. Das letzte Mal geschah dies 1992, als Maidstone und Aldershot aus dem Spielbetrieb ausscheiden mussten.

    Der Kollaps des Fernsehsenders ITV Digital war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und damit den englischen Fußball in eine ökonomische Krise warf. Der Traum vom vielen Geld ist geplatzt und hat der ernüchternden Einsicht Platz gemacht, dass das Fernsehen für die Vereine außerhalb der Premier League keine Goldgrube ist. Diese müssen sich vielmehr anderer Mittel bedienen, um in einer mittlerweile hyperkommerziellen Fußballwelt zu überleben.

    Die Initiative Supporters Direct

    Die wachsende Kommerzialisierung im englischen Fußball ist an der Politik nicht unbeachtet vorbeigegangen. Vor diesem Hintergrund hat die Regierung im Jahr 2000 die Etablierung von „Supporters Direct“ unterstützt. Zweck dieser Organisation ist es, jenen Fans die notwendige juristische und praktische Hilfe zur Verfügung zu stellen, die an der Leitung ihrer Vereine teilhaben möchten. Hier tritt die Initiative Supporters Direct auf den Plan, indem sie den Fans die Möglichkeit bietet, ihre Kräfte in einem sog. Supporter Trust (einer Art Treuhandschaft) zu vereinen und dadurch Einfluss zu erlangen.

    Mitbestimmung im Fußball verwirklichen

    Supporters Direct will drei Ziele umsetzen: ein Supporter Trust muss Einfluss haben, er muss Eigentum durch den Kauf von Aktien erlangen und er muss im Vorstand repräsentiert sein. Um Unterstützung von Supporters Direct erhalten zu können, muss ein Supporter Trust über demokratische Strukturen verfügen, allen zu einem erschwinglichen Preis zugänglich sein, und die Fans in ihrer Gesamtheit repräsentieren.

    Demokratie ist ein Schlüsselbegriff. Englische Fußballvereine sind traditionell das Eigentum reicher Einzelpersonen gewesen, die das Geschäft leiteten, ohne die Leute zu Rate zu ziehen, die dem Verein durch dick und dünn folgten. Nur in Krisenzeiten, in denen dringend Geld gefunden werden musste, waren die Fans für die Vereine wirklich interessant. Aber sobald diese den Geldbeutel geöffnet hatten und die Spenden geflossen waren, haben sich die Vereine bedankt und ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen.

    Es ist dieser Misstand, den Supporters Direct beheben will. Das demokratische Moment der Trusts liegt in dem Prinzip von einer Aktie (nomineller Wert: ein Pfund) und einer Stimme pro Mitglied begründet. Es ist folglich unmöglich, sich mehr Einfluss zu erkaufen. Die Fans werden dann an der Wahl der Vorstandsmitglieder beteiligt und müssen den Rechenschaftsbericht des Vorstandes auf den Generalversammlungen annehmen.

    Zugleich arbeitet man nach einem „not-for-profit“-Prinzip, das sichern soll, dass Einzelpersonen sich nicht durch eine Mitgliedschaft bereichern können. Die Aktivitäten der Trusts sollen ausschließlich der Allgemeinheit zugute kommen, es gibt keine Zinsen, Dividenden oder Bonus für Mitglieder. Sollte ein Trust Konkurs anmelden, wird ein nach Begleichung der Schuld übrig bleibender Betrag für wohltätige Zwecke oder andere Organisationen, die um die Gemeinde bemüht sind, gespendet. Gleichermaßen kommt ein erwirtschafteter Überschuss der Allgemeinheit zugute, d.h. dem Verein und der Gemeinde.

    Die Interessen der Allgemeinheit

    Supporters Direct sieht es als eine essentielle Aufgabe, insbesondere für kleinere Vereine, ein konstruktives Verhältnis zwischen Verein, Fans und Gemeinde aufzubauen. Gelingt es, diese drei Parteien zur Zusammenarbeit zu bewegen, sind damit gute Voraussetzungen für ein tragfähiges Fußballgeschäft geschaffen.

    Alles anzeigen

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  • Hitchcock
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    • 16. September 2004 um 01:15
    • #2

    und hier noch Teil II

    Zitat

    Original von groundhopper.de


    Von der Theorie in die Praxis

    Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass es ein langer Weg ist von der Etablierung eines Trusts bis hin zu eigentlichem Einfluss, Eigentum und Repräsentation. Einigen haben sich die Möglichkeiten der Teilhabe bereits nach kurzer Zeit geboten, wohingegen es für andere ein langwieriger und erschöpfender Prozess ist.

    Es sind unzählige Berichte darüber geschrieben worden, als 1992 Northampton Town der erste Klub wurde, der einen Fan in den Vorstand aufnahm. Der Verein stand vor dem Aus, als ein Gruppe von Anhängern einen Trust etablierten und es in Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden gelang, den Verein zu retten und sich des früheren Besitzer zu entledigen. Anschließend erhielt der Northampton Town Supporters Trust zwei Sitze im Vorstand, in dem auch ein Gemeindevertreter sitzt. Eines der beiden Vorstandsmitglieder, Brian Lomax, ist heute Geschäftsführer von Supporters Direct.

    Einige Vereine sind dem Beispiel Northamptons gefolgt. In drei Klubs haben die Fans sämtliche Zielsetzungen erreicht und sind heute Besitzer ihres Vereins. Chesterfield aus der 2. Division wurde 2001 von einem Trust übernommen, der wirtschaftliche Probleme des Klubs zum Anlass nahm, 78% der Aktien für 6.240 £ zu erwerben. Der Kauf hat den Klub gerettet, aber es wird immer noch daran gearbeitet, die Schulden abzubauen, die den Zahlungsnotstand ursprünglich verursacht hatten. Doch heute sind die Mitglieder von Chesterfield Football Supporters Society Ltd. ein zentraler Teil des Entscheidungsprozesses geworden.

    Beispielsweise gab es eine Abstimmung inwiefern man im alten Stadion Saltergate, in dem der Verein über hundert Jahre lang seine Heimspiele ausgetragen hatte, bleiben oder in ein neues Stadion am Stadtrand ziehen sollte. Bei einer Stimmbeteiligung von 82% unter den 2234 Mitgliedern des Trusts stimmten 58% für ein neues Stadion. Es ist das erste Mal, dass Fans Einfluss auf eine Entscheidung von derartiger Bedeutung gehabt haben.

    Ein Modell macht Schule

    Erst im März dieses Jahres wurde die Leitung von York City von der York City Supporters‘ Trust übernommen, nachdem der Klub seit Dezember 2002 unter Geschäftsaufsicht gestellt worden war. Damit konnten „The Minstermen“ ihren Platz in der 3. Liga behalten und einen Ausschluss aus der Football League abwenden. Der vorerst letzte Klub, der von einem Trust übernommen wurde, ist Lincoln City in der 3. Liga.

    Andere Vereine sind auf dem selben Weg. Im Zweitligaklub Brentford sitzen die Fans von Bees United auf drei von sechs Plätzen im Vorstand und im Drittligaklub Carlisle gibt es eine Vereinbarung zwischen den Fans und dem jetzigen Besitzer John Courtenay über den Aufkauf von Aktien.

    Das Phänomen hat innerhalb des dreijährigen Bestehens von Supporters Direct um sich gegriffen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist bei 56 der 92 Vereine in den vier Profi-Ligen ein Trust etabliert und es werden laufend mehr.

    Die großen Vereine – Grenze des Erfolgs?

    Während das Supporters Direct-Modell sich in kleineren Vereinen in den unteren Ligen als nützlich erwiesen hat, ist die Frage immer noch, welche Rolle ein Trust in den großen Vereinen in der Premier League spielen kann? Typischerweise sind es Klubs mit finanziellen Problemen und aufgebrachten Gläubigern gewesen, die von der Einbeziehung der Fans profitiert haben. Dahingegen stehen große Vereine wie Arsenal und Liverpool ja nicht unmittelbar vor einer Krise, obwohl beide an kostspieligen Stadionprojekten arbeiten. Ihre Probleme bestehen in erster Linie darin, dass sie nicht ganz so astronomische Beträge ausgeben können wie Manchester United und Chelsea. Ist die ganze Philosophie von Supporters Direct somit in den großen Klubs unanwendbar? Nicht unbedingt. Das Argument für die eine oder andere Form der Miteinbeziehung der Fans in selbst den größten Vereinen ist ja, dass es sich bei dieser Gruppe um den größten Investor handelt. Ein demokratisch gewählter Fanvertreter im Vorstand würde dazu mitwirken können, viele Konflikte zwischen den Fans und dem Klub zu mildern. Dies wäre in aller Interesse. Schließlich kann kein Verein seine Fans entbehren, so einfach ist das!

    Von Mikkel Zeuner

    Englische Vereine mit einem Supporter Trust

    Premier League: Arsenal, Aston Villa, Fulham, Leeds United, Leicester C., Manchester U., Middlesbrough, Tottenham, Wolverhampton,

    1. Division: Bradford, Crystal Palace, Derby, Gillingham, Ipswich, Millwall, Norwich, Reading, Rotherham, Wallsall, Watford, West Ham, West Bromwich

    2. Division: Barnsley, Bournemouth, Brentford, Chesterfield, Grimsby, Luton, Notts County, Oldham, Oxford, Peterborough, Plymouth, Port Vale, Queens Park, Sheffield W., Stockport, Swindon, Tranmere, Wrexham

    3. Division: Bristol Rovers, Bury, Cambridge, Carlisle, Darlington, Doncaster, Huddersfield, Hull, Kidderminster, Leyton Orient, Lincoln, Mansfield, Northampton, Southend, Swansea, York


    © Olympia-Verlag 2004 15:58:40

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  • rekordaufsteiger
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    • 16. September 2004 um 09:59
    • #3

    Da fällt mir wieder diese Geschichte zum FC Wimbledon ein... . Da wollte man auch immer mehr kommerzialisieren. Die Krönung war dann, als die Vereinsführung aus ihrem altehrwürdigen Stadion im Londoner Stadtteil Wimbledon wegziehen wollte... - nach Milton Keynes - eine Retortenstadt entstanden auf dem Reißbrett, 100 Meilen entfernt von London.

    Der Club ist in der Tat dorthin umgezogen - aber die Fans haben das nicht mitgemacht. Sie haben das alte Stadion gekauft und einen eigenen Club gegründet: den AFC Wimbledon.

    Der ursprüngliche FC Wimbledon ging dann natürlich den Bach runter ohne die Fans - irgendwann wurde er in FC Milton Keynes umbenannt, was jetzt aus dem geworden ist weiß ich nicht.

    Der AFC Wimbledon jedenfalls hat ganz unten angefangen - vergleichbar mit Hessen Kassel seinerzeit oder Lok Leipzig heute. Aber die Fans halten zu ihnen.

    Es gibt im Internet eine Seite, die sich der ganzen Thematik annimmt: http://www.thefansstadium.org/

    Zitat


    In the last 18 months, at least 8 football clubs have gone into administration. Fans around the country have been rocked back as clubs have gone from centres of the local community to corporate entertainment lounges and failing businesses. AFC Wimbledon was set up as a result of these pressures when Wimbledon FC was given permission to move to Milton Keynes.

    The Fans’ Stadium is our response to these changes to our game. The Fans’ Stadium will go beyond the physical ground that we are looking to buy. We plan to provide a place where fans can meet, chat, organise and take steps to protect their clubs.

    To this end, we have offered a new permanent office to the Football Supporters Federation and, if the share offer is sufficiently successful, this website will expand into a resource centre for supporters whose clubs are in crisis.

    We are also trying to bring fans together on the field, and we plan to set up a national fans’ competition with the finals to be held at The Fans’ Stadium. We are already in negotiations to bring the Supporters Direct Cup to The Fans’ Stadium and are arranging for all proceeds to go to fellow clubs in trouble.

    These are just some of the things we plan for The Fans’ Stadium. Its success would bring fans a stronger voice in the national game, but it depends on the purchase of Kingsmeadow, and that depends on you.

    “We are bringing football back to the community. I can't stand the fact that is costs 36 Pounds to get in to a ground with no atmosphere, where you can't stand, can't shout, can't fart, can't even sit with your friends. ” — Luc Zentar, FC United of Manchester

    JHV am 22.+23.06.2009 - Ich bin dabei!

  • Hitchcock
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    • 16. September 2004 um 13:07
    • #4

    Positiv ist doch, dass die Beispiele der Supporter Trusts zeigen, dass die Fans eines Clubs doch eine ganze Menge Macht haben - und auch gerade das Wimbledon Beispiel von 'rekordaufsteiger' zeigt auch, dass Tradition für die Fans eine ganze Menge bedeutet.

    Es gibt offensichtlich sowas wie eine 'Grenze des Kommerzes' - wobei ich andererseits allerdings meine, dass es heute ohne Kommerz widerum auch nicht geht. Schlußendlich brauchen ja auch die Clubs der von den Fans 'übernommenen' Vereine gesunde Geschäftsbeziehungen und Sponsoren, damit der Verein über die Runde kommt.

    Was man aus der Sache in England aber lernt ist, dass bei einem Fußballclub ein gewisses 'Gemeinschaftsgefühle' der Fans untereinander und auch die Verbundenheit zu einer Region/Stadt/Stadteil eine große Rolle spielt.

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    • 16. September 2004 um 14:41
    • #5

    Etwas ähnliches gibt es übrigens seit Jahrzehnten in der NFL, der Kultclub Green Bay Packers gehört im Gegensatz zu allen anderen Teams nicht einer Einzelperson oder einem Syndicat, sondern Tausenden von Anhängern aus Green Bay, WI und Umgebung.

    :ball: :ball: :ball: :ball: :ball: :ball: :ball: :ball: :ball: :ball: :ball: :arminia:

    SCHWARZ-WEISS-BLAU - Ein Leben lang - SINCE 1960

  • Hitchcock
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    • 16. September 2004 um 20:44
    • #6

    Eine Teilhaberschaft der Fans am Verein erhöht ja auch noch einmal die Verbundenheit - und natürlich den Einfluß. Ist quasi ein Stück mehr Basisdemokratie.

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  • KSV-Jens
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    • 16. September 2004 um 23:04
    • #7

    Otto wäre wahrscheinlich nur für die Ottokratie... :lol:

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