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  4. Fußball allgemein

Dortmund vor Rekordverlust!

  • Moe
  • 22. Dezember 2003 um 14:26
  • Moe
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    1.084
    • 22. Dezember 2003 um 14:26
    • #1

    Wir hatten das Thema schon mal in einem anderen Thread, aber ich habe dazu einen richtig interessanten Bericht auf der HP der Süddeutschen Zeitung gefunden:

    Zitat


    Horrorschulden und Bilanztricks

    Borussia Dortmund vor dem Finanzcrash

    Ja, wo sind sie denn versteckt, die Millionen? Wie BVB-Präsident Gerd Niebaum den Traditionsverein in eine katastrophale Geschäftslage manövriert hat. Von Freddie Röckenhaus


    Dortmund – Am Mittwoch wussten in Dortmund nur wenige Eingeweihte, wie Matthias Sammers düstere Andeutungen zu verstehen waren. „Wir sind in der schwierigsten Situation, seit ich in Dortmund bin – und das ist seit Januar 1993“, hatte der BVB-Trainer orakelt. Inzwischen ist durchgesickert, dass Borussia Dortmund – nach Eigendarstellung einer der finanzstärksten Klubs Europas – dringend eine neue Geldspritze braucht. Manager Michael Meier bereitet nach Informationen aus Branchenkreisen mit dem amerikanisch-englischen Investmenthaus Schechter & Co. eine Anleihe in Höhe von 80 bis 100 Millionen Euro nach dem Vorbild von Schalke 04 vor. Zur Absicherung des Deals würden Dortmunds Zuschauereinnahmen für die nächsten zwölf Jahre verpfändet.

    Wie aus Vereinsgremien bekannt wird, regt sich erstmals erheblicher Widerstand gegen die Geldbeschaffungspläne des Klub-Präsidenten Gerd Niebaum. Anders als in Schalke, wo mit den Schechter-Millionen alte Kredite abgelöst wurden, würden die Anleihe-Millionen offenbar existenziell benötigt – um katastrophale Etatlöcher im laufenden Geschäftsjahr auszugleichen und liquide zu bleiben. „Wenn nicht noch ein Wunder geschieht“, wird der Hypovereinsbank-Analyst Peter-Thilo Hasler in Focus Money zitiert, „dürfte der BVB in der laufenden Saison gigantische Verluste einfahren.“ Geschätzt werden für die laufende Saison (die identisch mit dem Geschäftsjahr der börsennotierten Borussia Dortmund KGaA ist) mindestens 50 Millionen Euro Verlust. Das Tafelsilber, so eine Stimme aus dem engsten Führungskreis des BVB, sei bereits verkauft, nun plane Niebaum mit der Anleihe auf künftige Zuschauereinnahmen den „Ausverkauf der Zukunft des Vereins“.

    Die rasante Investitionspolitik des Deutschen Meisters von 2002 hat seit dem Börsengang in nur drei Jahren bereits 200 Millionen Euro verschlungen, davon 130 Millionen aus dem Börsengang selbst und gut 23 Millionen aus dem Verkauf des vereinseigenen Westfalenstadions an die Leasing-Gesellschaft Molsiris. Zuletzt hatte Dortmund unter dem Sammelposten „Sponsoring-Einnahmen“ einen Gutteil des neuen, mit insgesamt 38 Millionen Euro dotierten Fünf-Jahres-Vertrags mit dem Ausrüster Nike in der Jahresbilanz der vergangenen Saison 2002/03 vorweg genommen. Der Vertrag ist erst ab 2004/05 datiert. Trotz solcher versteckten Bilanzmanöver wurde schon die letzte Unternehmensbilanz des BVB im November von Kritikern mit Argwohn betrachtet. Der Fußballkonzern meldete zwar Rekord-Umsatzzahlen (162,3 Millionen), erwirtschaftete aber nur einen mageren Gewinn von gut drei Millionen Euro. Dabei waren die Einnahmen enorm. Den über 33 Millionen Euro, die der BVB im Vorjahr allein in der Champions League verdiente, stehen in der laufenden Saison kaum sechs Millionen gegenüber. Außerdem wies die Bilanz die 23 Millionen „außerordentlicher Erträge“ aus dem Stadionverkauf aus, die es kein zweites Mal geben kann. Als diese Einkünfte noch nicht für eine Gewinndarstellung ausreichten, wurden auch noch die Nike-Millionen verbucht. So wollte Niebaum den Mitgliedern weismachen, der Verein sei „in allen Geschäftsbereichen gut aufgestellt“. Die Geschäftspolitik des Klubs, so ein Gremiumsmitglied, erinnere an einen Mann, der vom Dach eines Hochhauses springe und sich bei jeder Etage sage: „Bis jetzt ist noch alles gut gegangen.“

    Zwar hängt die aktuelle Notlage des Traditionsklubs auch mit Kirch-Konkurs, Verletzungsmisere und der allgemeinen Finanzkrise im europäischen Fußball zusammen. Doch hat Dortmund offenbar schon früher fragwürdige Praktiken angewandt, um die Bilanz des Unternehmens in einem günstigeren Licht erscheinen zu lassen. So melden zuverlässige Quellen, dass der BVB 15 Millionen Euro für den Spieler Evanilson an den AC Parma überwiesen habe. Dortmund kam damit einer Geheimvereinbarung nach, die schon im Sommer 2001 beim Transfer von Marcio Amoroso mit den Italienern ausgehandelt wurde. Damals hatte Dortmund seinen Brasilianer Evanilson für geradezu utopisch anmutende 20 Millionen Euro bei Parma in Zahlung gegeben und deshalb nur 7,7 Millionen für den Weltstar Amoroso überweisen müssen. Wahrer Zweck des absurden Tauschhandels: Die virtuellen 20 Millionen für Evanilson wurden pünktlich zum 30. Juni 2001, also am letztmöglichen Tag, in die erste Jahresbilanz der neuen Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien eingebucht. Ohne den Evanilson-Schachzug hätte Dortmund schon im ersten Jahr nach dem Börsengang einen fulminanten Verlust von fast 20 Millionen Euro ausweisen müssen.

    Die Zeche für den schon damals von Bayern-Manager Uli Hoeneß als „anrüchig“ bezeichneten Deal mussten die Dortmunder nun zahlen. Wie knapp das Geld in Dortmund geworden ist, war bereits an der spektakulären Debatte um einen 20-prozentigen Gehaltsverzicht der BVB-Profis deutlich geworden. Auch der unverständliche Transfer von Nationaltorwart Jens Lehmann hatte offenkundig rein finanzielle Gründe. Sollte sich der unbeirrbar wachstumsgläubige Gerd Niebaum mit seinen Plänen für die Schechter-Anleihe bei Vorstand, Aufsichtsrat und Beirat durchsetzen, hätte der Klub auf lange Zeit unter einer horrenden Rückzahlungs-Belastung von mindestens 27 Millionen Euro pro Jahr zu ächzen: Mindestens 17 Millionen davon, also fast 1,5 Millionen im Monat, muss Dortmund ohnehin schon als Pacht für das einst eigene Stadion berappen. Hinzu kämen an die 10 Millionen für die Rückzahlung der Schechter-Anleihe. 27 Millionen Euro, das ist deutlich mehr als der gesamte Saisonetat des Dortmunder Nachbarn VfL Bochum und mehr, als der VfB Stuttgart für seine kompletten Personalkosten ausgibt. „Wer soll solche Horrorsummen aufbringen, wenn das Stadion einmal nicht voll ist oder die Fernsehgelder wieder ins Stocken geraten?“, fragt ein konkurrierender Bundesliga-Manager.

    In Gerhard Reibert, Hans-Dieter Michalski und Reinhold Schulte haben bereits drei der sechs Start-Mitglieder des Aufsichtsrats der KGaA inzwischen ihren Dienst im Kontrollgremium des Borussia-Konzerns quittiert. Reibert soll wegen kritischer Nachfragen regelrecht aus dem Amt gemobbt worden sein. Schulte, Vorstandvorsitzender des größten Dortmunder Arbeitgebers, des Versicherungskonzerns Signal-Iduna, und Michalski, Chef der Dortmunder Volksbank, gaben offiziell wegen Arbeitsüberlastung auf. Beiden wird unterstellt, sie hätten vor der Amtsführung des allseits gut verdrahteten Klub-Präsidenten Niebaum kapituliert. Der seit einem Jahr amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Winfried Materna, Inhaber des erfolgreichen Software-Unternehmens Materna mit 1300 Angestellten, sagt: „Die Kostenstrukturen müssen dringend den Einnahmestrukturen angepasst werden. Ich bin kein Freund von irgendwelchen Wechseln auf die Zukunft. Das entspricht nicht meinem unternehmerischen Weltbild.“ Materna, der auch Präsident der Industrie- und Handelskammer von Dortmund ist, geht auf Distanz zur Schechter-Anleihe: „Die Phantasie der Finanzjongleure und Geldverleiher kennt keine Grenzen. Aber als Aufsichtsratsvorsitzender einer KgaA hat man nicht die Möglichkeiten eines Aufsichtsrats einer normalen Aktiengesellschaft. Wir haben nur eine beratende Funktion. Das ist ein Nachteil. Meine Handlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt.“

    Das Grummeln über Niebaums Methoden wird unter den verbliebenen Gremiums-Mitgliedern immer lauter. Kaum einer hat Lust, in naher Zukunft für den absehbaren Aufprall des Klubs haftbar gemacht zu werden. Auch die Verflechtung der florierenden Anwaltskanzlei Niebaums und des von Niebaum einsam geführten Unternehmens Borussia Dortmund wird kritisiert. Die Kanzlei Niebaums erledigt alle Rechts- und Vertragsangelegenheiten des BVB – gegen Honorar. Mehr als wahrscheinlich, dass sein 18. Jahr an der Vereinsspitze für Niebaum das bisher schwierigste wird. (http://www.sueddeutsche.de)

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    • 22. Dezember 2003 um 16:13
    • #2

    Ob Dortmund demnaechst auf der Roten Erde spielt (oder wie das heisst), um die 17 Mio. Stadionmiete zu sparen? :lol:

    Ich weiss nicht, inwieweit es Moeglichkeiten beim BVB gibt, die Unterdeckung auf anderem Wege aufzufangen, aber es liest sich schon so, als sei dieses Leihgeschaeft der letzte Strohhalm. Die interessante Frage ist fuer mich, wie knapp das Verhaeltnis Stadionmiete/Leihrueckzahlungen gegenueber Zuschauereinnahmen kalkuliert ist -- ist der BVB dazu verdammt, die naechsten 12 Jahre Champions League zu spielen, und saemtliche Spiele vor (fast) voller Huette zu bestreiten, oder sind da noch Sicherheitsreserven? Wie finanzieren sich in Zukunft Spieler, insbesondere, wenn vielleicht CL-Praemien ausbleiben? Ich bin geneigt zu sagen, wenn das alles gut geht, wars mehr Glueck als Verstand.


    Dergleichen sollten sich jedenfalls die Verantwortlichen anderer Vereine eine Lehre sein lassen. Bilanzjonglieren mag zwar in der Wirtschaft ueblich sein, aber sportlicher Erfolg laesst sich nun mal nicht planen, hoechstens bis zu einem gewissen Masze forcieren.

    .

  • Moe
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    • 22. Dezember 2003 um 16:21
    • #3

    Bei sport1.de hat sich die DFL mal dazu geäußert!

    Zitat






    Dortmund - Die Pläne von Borussia Dortmund, möglicherweise eine Anleihe über 100 Millionen Euro aufzunehmen, um eine Liquiditätslücke zu stopfen, haben zu Kritik von Seiten der Deutschen Fußball Liga (DFL) geführt.

    "Wir sehen es nicht gerne, wenn die Zukunft eines Vereins quasi verpfändet wird, weil dann die Ertragskraft dieses Vereins durch die hohen Rückzahlungsverpflichtungen natürlich belastet wird", sagte Wilfried Straub, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung.
    ....
    Straub deutete an, dass die DFL nur bedingt in solche Klub-Transaktionen eingreifen könne. "Grundsätzlich sagen wir als Liga, dass kaufmännische Prinzipien auch im Fußball nicht verletzt werden sollen. Die Interpretation dieser Prinzipien zu beeinflussen haben wir über das Lizenzierungsverfahren nur bedingt in der Hand", meinte der erfahrene DFL-Geschäftsführer.

    Und weiter: "Wir sehen es nicht gerne, wenn die Zukunft eines Vereins verfrühstückt wird. In Schalke haben wir der Anleihe zugestimmt, weil sie zur Umschuldung genutzt wurde, denn die Banken werden mit ihrer Kreditvergabe immer strenger und es geht nicht an, jedes Jahr vor der Lizenzvergabe neu über Kreditlinien verhandeln zu müssen. Das ist aber etwas anderes als wenn mit einer Anleihe neue Risiken eingegangen werden sollten."

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    Ist schon interessant. Mich würde mal interessieren wie die regieren würden, wenn TvH es schaffen würde auch nur 3 Mio als Anleihe zu bekommen.


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  • The Wall
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    • 22. Dezember 2003 um 18:05
    • #4

    Das sieht ja echt derbe aus beim BVB!

    Aber was mir zeigt das sich Erfolg doch nicht kaufen lässt!

    Denk mir mit der KGaA haben sich die Borussen verspekuliert und haben gedacht das wäre jetzt ein Allheilmittel dass das nicht so sein muss, vor allem in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, sehen sie jetzt!

    Nuja zum Glück bin ich kein BVBler!

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    • 22. Dezember 2003 um 18:53
    • #5
    Zitat

    Original von bastifantasti
    Denk mir mit der KGaA haben sich die Borussen verspekuliert und haben gedacht das wäre jetzt ein Allheilmittel dass das nicht so sein muss, vor allem in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, sehen sie jetzt!

    Das Potential ist ja da, wie man sieht, sonst haette man solche Unsummen ja gar nicht locker machen koennen.

    Offenbar hat man dort "nur" trotz dieser Geldmengen mehr ausgegeben, als man zur Verfuegung hatte, bzw. wie es ja in dem Bericht steht, Geld in die Bilanz gebracht, welches erst spaeter, wenn ueberhaupt, zur Verfuegung steht.

    Nike hat sich den Deal ganz sicherlich auch anders vorgestellt -- wenn die gewusst haetten, dass der Verein auf derart wackligen Fuessen steht, waere der Folgevertrag sicherlich nicht so langfristig geworden.


    Wenn ich das so lese, bin ich froh, dass Ruediger Lamm bei uns gegangen wurde. Mag sein, dass ich jetzt unfair werde, aber dem wuerde ich solche Drahtseilakte mit eher schlecht prognostiziertem Ausgang ohne weiteres zutrauen.

    .

  • The Wall
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    • 22. Dezember 2003 um 20:36
    • #6

    Die Sache mit Lamm geb ich Dir RDO!

    Schon mal was von Aufdeckung "stiller Lasten" gehört, RDO?

    Nike wird sich wohl auch wie du richtig erwähnt hattest die Sache mit dem BVB etwas anders vorgestellt haben!

  • Gönner
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    • 23. Dezember 2003 um 11:22
    • #7

    Aber da sieht man mal auch, wieviel Geld man durch CL und UEFA-Sup einfahren kann. Schon beeindruckend, wenn man daran denkt, wie langweilig die Gruppenspiele eigentlich meist sind.


    Sollte Dortmund pleite gehen wird Arminia wohl ein Fanwachstum erleben, denn welcher Doofmunder geht zu Bayern oder Schlacke? Da bleibt den Ostwestfalen dann nur die ungeliebte Arminia *lol*

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  • heinm
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    • 23. Dezember 2003 um 11:26
    • #8

    Eingeständnis einer Schieflage

    Borussia Dortmund gibt Finanzprobleme zu und wird von der DFL kritisiert

    Dortmund – Die eilig anberaumte Pressekonferenz von Borussia Dortmund brachte gestern Nachmittag nur eine Erkenntnis. Klub-Manager Michael Meier bestätigte, dass „uns Verluste erwarten und dass wir uns deshalb um eine Anleihe bemühen“. Der Umfang der nach Meiers Angaben in Zusammenarbeit mit dem Londoner Investment-Unternehmen Schechter & Co. Ltd. geplanten Anleihe stehe allerdings noch nicht fest. Das zu erwartende schlechte Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres könne allerdings zusätzlich durch Spielerverkäufe in größerem Umfang gemildert werden, deutete Meier an. „Es gibt Branchen, die machen in einem Monat 90 Prozent ihres Jahresumsatzes.“ Allerdings sind fast alle BVB-Spieler langfristig an den Verein gebunden und beziehen herausragende Gehälter, so dass Transfers bei Licht betrachtet sehr schwierig sein dürften.

    Der Manager bestätigte indirekt, dass alle übrigen Fakten in der Berichterstattung dieser Zeitung und des Fachmagazins kicker richtig seien. Meier: „Es hat keiner gesagt, dass die Fakten falsch sind.“ Der Manager und der ebenfalls angetretene Präsident Gerd Niebaum, beide sind auch gemeinsam Geschäftsführer der Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien, bestritten allerdings, dass sich der BVB bereits in aktuellen Liquiditätsengpässen befinde. Die Frage, warum der Klub sich dann ohne Not einer weiteren höheren Verschuldung per Schechter-Anleihe aussetze, blieb von dem Vorstands-Duo unbeantwortet. Meier erklärte allerdings, eine Anleihe würde die „Wachstumsdynamik“ des BVB unterstützen.

    Nur wenige Stunden zuvor hatte bereits Wilfried Straub, Geschäftsführer der DFL, gegenüber dem Sport-Informationsdienst klare Kritik an solchen Anleihe-Konstruktionen geübt, und dieses Verfahren eher als letztes Mittel der Geldbeschaffung eingestuft. „Wir sehen es nicht gerne, wenn die Zukunft eines Vereins quasi verpfändet wird, weil dann die Ertragskraft dieses Vereines durch die hohen Rückzahlungsverpflichtungen natürlich belastet wird.“ Für Dortmund kommen Experten auf eine Rückzahlungssumme von jährlich fast 30 Millionen Euro, falls die Anleihe im geplanten Umfang realisiert würde.

    Eine Radiomeldung des Westdeutschen Rundfunks, nach der bereits zwei Spieler des BVB an ein Düsseldorfer Bankhaus verkauft und wieder zurück geleast seien, dementierte Meier mit einem knappen: „Nein.“ Nicht mehr dementiert wurde von Meier und Niebaum, dass als eine Möglichkeit der Absicherung der geplanten Millionen-Anleihe (man geht von einem Volumen von 80 bis 100 Millionen Euro aus) die Verpfändung künftiger Zuschauereinnahmen in Frage komme. Insider aus dem Klub berichten aber, dass für die Sicherung anderer Darlehen (im letzten Geschäftsbericht sind rund 49 Millionen Euro ausgewiesen) bereits die meisten denkbaren anderen Einkünfte eingesetzt seien.

    Meier und Niebaum verweigerten nähere Auskunft über das Volumen des neuen Ausrüstervertrages mit Nike, und auch darüber, wie viel von dem erst ab der kommenden Saison geltenden Deal bereits in der abgelaufenen Saison 2002/2003 in die Bilanz aufgenommen wurde. Auch die Höhe der derzeit zu erwartenden Verluste für das laufende Saisonjahr wollten Meier und Niebaum nicht beziffern. Meier hatte jedoch selbst zu einem früheren Zeitpunkt eine Summe von „etwa 44 Millionen“ als möglichen Fehlbetrag errechnet, der sich aus dem aktuellen sportlichen Misserfolg ergeben würde. Dortmund hat in der laufenden Serie die Teilnahme an der Champions League verpasst. Offensichtlich waren aber die Geschäftspläne so kalkuliert, dass eine Teilnahme an der europäischen Königsklasse unbedingt erforderlich war, um finanziell einigermaßen über die Runden zu kommen.

    Der Aufsichtsratsvorsitzende des BVB, Software-Unternehmer Winfried Materna, hat bereits angemahnt: „Wir müssen zu realistischen Einschätzungen des realistisch Machbaren kommen und die Kostenstrukturen dem anpassen.“ Materna ist im Ehrenamt Präsident der Dortmunder Industrie- und Handelskammer. Der sehr erfolgreiche Unternehmer sagt außerdem: „Es gibt allgemein im Profifußball etwas ungewöhnliche Gepflogenheiten, an die ich mich nur zum Teil gewöhnen möchte.“

    In Dortmunder Wirtschaftskreisen, die das Gros der Sponsoren des Klubs ausmachen, regt sich reger Widerstand gegen die Geschäftsführung und die riskante Vereinspolitik. „Es geht hier auch um eine Beschädigung des Standorts Dortmund“, glaubt ein Mitglied des Sponsorenkreises. (siehe auch Wirtschaftsteil).

    Freddie Röckenhaus

    http://www.sueddeutsche.de/sz/sport/red-artikel1466/

    Von der Alster bis zur Elbe stets dasselbe - DSC:  
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  • oemmes
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    • 23. Dezember 2003 um 11:33
    • #9

    ich empdinde aber auch wirklich überhaupt kein mitleid. schade nur dass es letztlich doch wieder der steuerzahler sein wird, der die zeche zahlt, haben wir doch hier einen verein von großem öffentlichen interesse und einen wm-spielort. so sehr ich die bayern und auch hoeneß hasse, eines muss man ihnen lassen, sie sind offenbar die einzigen, die solche summen und diese verantwortung richtig händeln können.

    oemmes

    "Am Ende wirkte alles wie eine Demonstration der Tradition gegen die moderne Fußballindustrie. Als wollten die Fans eines alten Bundesligastandorts den modernen Parvenüs aus den Retortenklubs zeigen wie sich echte Stimmung anhört."

    (BZ am 30.04.2015 nach dem Pokalhalbfinale gegen Wolfsburg)

  • The Wall
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    • 23. Dezember 2003 um 11:36
    • #10

    Oemmes hast vollkommen Recht! Bis auf die Bayern scheint keine Mannschaft imstande zu sein solche Beträge zu verwalten!

    Ich find es auch nicht sehr vorteilhaft dass der Steuerzahler jetzt auch noch für marode Vereine einspringen muss!

    Hoffentlich gibt es mal eine saftige Strafe vom DFB für solch unwirtschaftliches Verhalten!

  • Online
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    • 23. Dezember 2003 um 13:53
    • #11

    Stimme Dir zu, oemmes. Allerdings -- blicke man mal gut 13 Jahre zurueck, dann stellt man fest, dass Bayern auch damals schon an der Spitze des deutschen Fussballs war, Dortmund dagegen abstiegsgefaehrdet; Das Stadion war auch nur halb so gross wie heute.

    Die Zeit, in der finanziell alles moeglich schien, hat wohl dazu beigetragen, dass der ein oder andere groessenwahnsinnig wurde. Wenn man in dem Artikel von dem verkauften Tafelsilber spricht, so hat es den Anschein, dass die Verantwortlichen des BVB in dieser Zeit damit rechneten, dass TV-Gelder und Praemien usw. bis zum Sankt-Nimmerleinstag fliessen wuerden, so dass man schon damals betraechtliche Anleihen aus der Zukunft machte. Das raecht sich jetzt.

    @Basti, ich wuerde nicht damit rechnen, dass der DFB in allzu naher Zukunft irgendetwas unternimmt. Denn wenn die Anleihe tatsaechlich vonstatten geht, ist gegen die Dortmunder Geschaeftsbilanz durchaus moralisch, nicht aber sachlich oder rechnerisch etwas einzuwenden.

    Ob natuerlich die Dortmunder in der Lage sein werden, die Leihbelastungen tatsaechlich zu tragen, insbesondere, wenn vielleicht durch verschlechterte sportliche Leistungen Einnahmen aus der Teilnahme an internationalen Wettbewerben fehlen, Zuschauereinnahmen und Einnahmen aus dem Fanartikelverkauf zurueckgehen, wird sich dann erst noch zeigen muessen.

    Sollte dem nicht so sein, dann kann der DFB sicherlich irgendwann nicht mehr wegschauen. Da Dortmund aber so ein toller Traditionsverein ist, wird hier sicherlich wesentlich mehr Kredit eingeraeumt als ueblich. Ich koennte mir aber vorstellen, dass sich das Problem dann schon allein sportlich "klaert", wenn dann teure Spieler weder verpflichtet, noch gehalten werden koennen.

    .

    Einmal editiert, zuletzt von Renne (23. Dezember 2003 um 13:53)

  • Bennobarkeeper
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    • 23. Dezember 2003 um 17:47
    • #12

    Also ehrlich, ich kann diesen Artikel nicht ohne ein unheimlich schadenfrohes Lächeln und Grienen lesen!

    Dortmund in der Schieflage nein, das ich das noch erleben darf?
    Wann ist es bei den Bayern soweit???????*GGGG*

    Mal ganz im Ernst, mich wunderte es schon enorm, das der BvB. als er denn im Jahr des Börsenganges an die 50 Millionen investierte, wie sie das auf Dauer händeln wollen. Nun in diesem Jahr haben sie ja im Verhältnis zu anderen Clubs ebenfalls enorm investiert und wegen Verletzungspech nicht am internationalen Spielgeschehen teilgenommen.
    Es ist wohl wahr, das sie die nächsten Jahrzehnte nun dazu verdammt sind nur noch in der Championslig zu spielen, sollte dies nicht gelingen, wird es Dortmund wohl auf Dauer nicht mehr lange geben!*GGGGGG*


    SWB Gruß
    Bennobarkeeper

    Behandel jeden so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.

  • Invasion76
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    • 24. Dezember 2003 um 17:26
    • #13

    Hallo allerseits,

    also da kann doch nur die pure Schadenfreude aufkommen....*grins*

    Bei Dortmund kommt vielleicht bald der Crash - aber sicherlich auch bei Schalke. Weil, wer wie die so kalkuliert und die Zuschauereinnahmen für das nächste Jahrzehnt verpfändet, um sich eine solche überdachte "Turnhalle" zu bauen, dazu noch mit Konzerten plant, die gar nicht in so einer regen Zahl stattfinden können (schliesslich bauen gerade etliche Städte ebenfalls sogenannte Multifunktionsarenen und planen auch die Kosten mit Konzerten etc. zu finanzieren), bei dem bin ich mal sehr gespannt, wie die Zukunft aussieht. Da bleibt nur noch der Stadionnamen. Transferrechte an Spielern und dann???

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir noch in den nächsten Jahren erleben werden, dass der eine oder andere grosse Verein den Bach runtergeht weil er sich total übernommen hat. In Italien und Spanien mag das vielleicht noch gehen, mit 500 oder 600 Mio. EUR in der Kreide zu stehen (Clubs in Privatbesitz, öffentliche Hand oder weiss der Geier was für Mafiosiverhältnisse), aber bei uns wird das der Steuerzahler sicherlich nicht auffangen. Zumal - wie gesagt - man solche Sachen wie eben Stadionnamen oder Zuschauereinnahmen langfristig verkauft - und das geht eben nur EINMAL!!

    Aber, wer weiss was noch kurioses kommt - ich erinnere nur an Bruchhagen's ominöse "Nichtaufstiegsversicherung"....lol...nie wieder was von gehört....

    SWB-GRUSS
    ALEX

    PS: ... und jetzt zurück zur Weihnachtstafel.... :)

    Einmal editiert, zuletzt von Invasion76 (25. Dezember 2003 um 00:06)

  • Jumboletto
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    • 24. Dezember 2003 um 19:35
    • #14
    Zitat

    Original von Bennobarkeeper
    Wann ist es bei den Bayern soweit???????

    Niemals !

  • The Wall
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    • 24. Dezember 2003 um 20:20
    • #15

    Glaube auch nicht dass die Bayern so ein Debakel erleben werden!

    Schon allein aus dem Grund weil sie schon seit Jahren mit solchen Beträgen jonglieren!

  • Online
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    • 25. Dezember 2003 um 12:16
    • #16
    Zitat

    Original von Invasion76
    Bei Dortmund kommt vielleicht bald der Crash - aber sicherlich auch bei Schalke.

    Hm - so sicher sehe ich das nicht. Schalke hat diese Anleihe ja lediglich zur Umschuldung verwendet. Sicherlich birgt dieses Geschaeft auch fuer Schalke eine gewisse Gefahr, aber der grosse Unterschied liegt darin, dass Dortmund eine Menge Schoenwetterfans hat. Klarerweise hat jeder Erstligist Schoenwetterfans, ich meine aber, dass diese bei Schalke eher unterproportional vertreten sind. Egal, was man von Schalke haelt, ich mag es auch nicht besonders, aber auf dieses Phaenomen kann man durchaus etwas neidisch sein. ;) Daher wuerde ich vermuten, dass das Risiko in Schalke kalkulierbarer ist als in Dortmund.

    Natuerlich ist das nur Spekulation. Man darf gespannt sein, was sich da in den naechsten Jahren so tun wird.

    EDIT: Dass es den Bayern irgendwann mal so schlecht gehen wird, ist zumindest derzeit nicht absehbar. Natuerlich tun denen fehlende CL-Einnahmen durch fruehes Ausscheiden auch weh, aber bislang hatte man nicht den Eindruck, dass der Verein das nicht auffangen koennte.

    Interessant finde ich auf jeden Fall den Vergleich der Finanzabteilungen von Bayern und Dortmund:
    - Hoeness kommt aus dem Fussball
    - Meier kommt urspruenglich aus der Manager-Branche

    Eigentlich sollte man hier die bodenstaendigere Variante der Leitung bei Dortmund erwarten. Interessanterweise hat es den Anschein, als sei es genau umgekehrt.

    .

    Einmal editiert, zuletzt von Renne (25. Dezember 2003 um 12:16)

  • Gönner
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    • 26. Dezember 2003 um 15:24
    • #17

    @ Invasion76

    Warum? Lautern hat es doch vorgamcht, wie sich der deutsche Steuerzahler das gefallen lässt :mad::mad::mad:

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