Warum macht man den Fußball damit kaputt? Gönners Kommentar mal ausgeklammert, ist mir der Rest zu einseitig und angepasst kommentiert. Ich bin daher etwas überrascht über den allgemeinen Konsens hier und halte insgesamt dagegen, dass mir persönlich das alle mal lieber ist und interessanter erscheint als die x-te Wiederholung der altbekannten, weichgespülten, nichtssagenden und mediengeschulten Phrasendrescherei mit gegelten Haaren unter der vorherigen Instruktion des hauptamtlichen Pressesprechers, der wir doch eigentlich alle überdrüssig sind, oder etwa nicht? Ein bisschen Authentizität, echte Aufregung, eine eingetretene Kabinentür oder mal ein hartes aber dafür ehrliches Wort aus der Emotionalität heraus, was auch immer, ist doch eigentlich das, was wir alle hin und wieder gerne sehen und hören möchten, in den sowieso schon übermäßig durchorganisierten Prozessen und Abläufen. Der Fußball und das Menschsein als solches ist immer auch fehlerbehaftet, da sollten wir alle weniger (Berührungs-)Ängste haben und gegenseitige Gnade einüben.
Persönliche Teamatmosphäre? Gibt es mittlerweile schon mehr als früher unter der Woche aufm Trainingsplatz hinter verschlossenen Türen. Vielleicht verwechselst du das auch mit Privatsphäre? Die sollte tatsächlich unantastbar bleiben, vollzieht sich aber auch größtenteils innerhalb der eigenen vier Wände und in den Familien.
Ich weiß nicht, was du mit "zu einseitig und angepasst" kommentiert meinst. Kläre mich gerne auf. Ich mache darauf aufmerksam, dass die Ware Fussball immer weiter weg vom Eigentlichen, dem Spiel auf dem Platz geht. Außerdem bin ich sicher, dass durch diese Art der Vermarktung ein weiter zunehmender Druck auf die Spieler entsteht. Lies gerne Brunners Aussagen zur psychischen Belastung der allermeisten Fussballprofis, dann hast du eine Einschätzung aus erster Hand. Ich stelle nicht in Abrede, dass die medienwirksame Innenschau interessanter ist, als die im Mediencoaching angelernte Phrasendrescherei. Trotzdem mag ich lieber darauf verzichten, weil ich den Kreis der schützenswerten Privatsphäre gerade nicht eng um die eigenen vier Wände ziehe. Ich möchte auch nicht, dass jede meiner Emotionen in die Wohnzimmer eines anonymen Publikums getragen wird und dasselbe billige ich auch Personen des öffentlichen Lebens zu. Ich bin auch gegen eine grundlose Überwachung der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz oder der Allgemeinheit im öffentlichen Raum. Ich bin der Meinung, dass der Fussball leidet, wenn es mehr und mehr auf Seelenstriptease als auf die 90 Minuten auf dem Platz ankommt. Mal einen Einblick in den Aufstiegsjubel, o.k., aber Spielerhandyvideos, die direkt gesendet werden oder Spieler-Statements bei Auswechslung, nein. Würde ich als Spieler auch nicht haben wollen. Das muss man auch nicht zum Teil der vertraglich geschuldeten Arbeitsleistung machen. Aber genau in diese Richtung entwickelt sich das Marketing im Profifußball. Ich liebe Fußball. Ich brauche aber keine Truman Show in der Bundesliga.
