Mit der Lesart „Schalke war überlegen, solange sie wollten“ kann ich mich ehrlich gesagt überhaupt nicht anfreunden. Das klingt im Nachhinein bequem, wird dem Spielverlauf aber nur sehr bedingt gerecht.
Gerade nach der Anfangsphase war Arminia gegen Schalke phasenweise klar spielbestimmend: höhere Ballbesitzanteile, mehr Aktionen im letzten Drittel, deutlich mehr Präsenz rund um den Strafraum. Dass Schalke „bewusst verwaltet“ hätte, sehe ich anders. Kaum eine Mannschaft entscheidet sich freiwillig dafür, sich über längere Zeit so tief reindrücken zu lassen und die Kontrolle komplett abzugeben; mehrfach hätte es klingeln können. Das ist kein Schalker „Verwaltungsmodus“, das war Kontrollverlust.
Das Argument des angeblich so wirkungsvollen Schalker Angriffspressings überzeugt mich nur teilweise, denn der entscheidende Fehler von Kersken beim Gegentor war die Folge eines schlechten ersten Kontaktes, unpräzisen Zuspieles und fehlender Abstimmung. Das passiert leider auch ohne überragendes Pressing – und genau das war der Fall. Man muss Schalke dafür nicht stärker machen, als sie in diesem Spiel waren.
Natürlich war nicht alles gut. Dass Arminia offensiv zu oft zu wenig Durchschlagskraft entwickelt und sich im letzten Drittel schwer tut, ist ein valider Punkt. Aber das ist etwas anderes als zu behaupten, man sei nur deshalb aufgekommen, weil der Gegner „nicht mehr wollte“.
Danke für die ausführliche Argumentation. Mag sein, dass ich überargumentiert habe. Aber ich sehe umgekehrt eine gewisse Gefahr, dass die Lage etwas zu schön geredet wird, und wollte dem etwas entgegenstellen. Selbstkritik ist auch bei Arminia der Schlüssel zum Klassenerhalt. Und unter dieser Voraussetzung glaube ich auch an den Klassenerhalt.