Ich finde, man muss zwei Dinge voneinander trennen: Ob Kirch, Galm gute Trainer sein können und ob sie die richtige Wahl für Arminia Bielefeld in der aktuellen Situation sind.
Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass einer dieser Trainer scheitern wird. Das ist auch gar nicht mein Punkt. Mein Punkt ist ein anderer: Wann, wenn nicht jetzt, befindet sich Arminia in einer Position der Stärke?
Wir kommen aus den erfolgreichsten Jahren der jüngeren Vereinsgeschichte. Aufstieg, Pokalfinale, Klassenerhalt in der 2. Bundesliga, Rekord-Mitgliederzahlen, ausverkaufte Stadien, bundesweite Aufmerksamkeit und erhebliche Zusatzeinnahmen durch den Pokallauf. Der Verein hat sich innerhalb kurzer Zeit von einem taumelnden Drittligisten zu einem spannenden Projekte im deutschen Profifußball entwickelt.
Genau deshalb verstehe ich die Rechtfertigungsversuche nicht, als müssten wir froh sein, überhaupt irgendeinen Trainer zu bekommen.
Wenn Arminia nach einer solchen Entwicklung am Ende bei Kandidaten landet, deren größtes Argument häufig lautet, dass sie vielleicht einmal gute Trainer werden könnten, dann ist das für mich keine ambitionierte, sondern eine defensive Herangehensweise.
Besonders kritisch sehe ich die Kommunikation nach außen. Mitch Kniat war nicht irgendein Trainer. Auch wenn er hier kritisch betrachtet wird, hat den Verein zum Aufstieg geführt, erstmals in der Vereinsgeschichte in ein DFB-Pokalfinale gebracht und den Klassenerhalt gesichert - sich damit bei der breiten Fanmasse unsterblich gemacht.
Wer einen solchen Trainer ersetzt, muss den Fans plausibel erklären können, warum die neue Lösung mindestens ebenso viel Vertrauen verdient.
Und genau da habe ich meine Zweifel.
Wenn nach fast zwei Wochen Trainersuche – in einer Phase, in der die Kaderplanung eigentlich längst auf Hochtouren laufen sollte – am Ende ein (unerfahrener) Trainer ohne nennenswerte Erfolge auf Zweitliga-Niveau präsentiert wird, wird die Erwartungshaltung nicht kleiner, sondern größer. Der neue Trainer startet dann nicht mit einem Vertrauensvorschuss, sondern mit einer Rechtfertigungspflicht.
Die Gefahr liegt doch auf der Hand: Läuft der Saisonstart holprig, wird sofort die Frage gestellt werden, warum man nach all den Erfolgen und Möglichkeiten ausgerechnet auf einen weitgehend unerprobten Kandidaten gesetzt hat. Dann kippt die Stimmung deutlich schneller, als es bei einem etablierten Namen der Fall wäre.
Und das ist letztlich mein Kernpunkt: Arminia sollte den Anspruch haben, von den Erfolgen der letzten Jahre zu profitieren und den nächsten Schritt zu gehen. Ein Verein mit dieser Tradition, diesem Umfeld und dieser aktuellen Dynamik sollte nicht den Eindruck vermitteln, die Ausbildungsstätte für Trainer zu sein, die ihre Eignung für dieses Niveau erst noch nachweisen müssen.
Natürlich kann jeder dieser Kandidaten einschlagen. Fußball bleibt Fußball. Aber die Frage lautet nicht, ob das möglich ist. Die Frage lautet, ob ein Verein in der aktuellen Ausgangslage wirklich auf Hoffnung setzen sollte, wenn er eigentlich die Möglichkeit haben müsste, auf nachgewiesene Qualität zu setzen.
Man hat den beschwerlichen Aufstieg endlich geschafft, steht auf dem Plateau und genießt die Aussicht. Und genau in diesem Moment entscheidet man sich offenbar, den Bergführer gegen jemanden auszutauschen, der bisher hauptsächlich Wanderkarten studiert hat.