Das ist schon ein starkes Argument, das ich bislang noch nirgends gelesen habe. Also dass er in Verl ganz anders spielen ließ, das also grundsätzlich schon gezeigt hat, dass er das kann. Nur: warum konnte er das bislang in Bielefeld nicht auf den Platz bringen? Selbst in Liga 3 nicht. Ist das nicht auch eine Art von Unfähigkeit, die zudem schwer zu erklären ist? Wieso sollte er das dann in Zukunft hier können? Hat er in Verl nicht von der Aufbauarbeit seiner Vorgänger profitiert? Etc. Es stehen jedenfalls einige Fragezeichen an dieser interessanten Argumentation. Darüber zu diskutieren, würde sich aber sehr lohnen.
Verl funktioniert ja seit Jahren und basiert zum Einen auf einem guten Management sowie Spielersichtung und -auswahl. Zum Anderen bietet der Standort als solcher natürlich die Besonderheit, dass dort ohne die ganz große Erwartungshaltung und Druck des Umfeldes gearbeitet und auch eine feste Spielstruktur seit Jahren impliziert, fortgeführt und weiterentwickelt wurde. Ein weiterer und im Vergleich zu Bielefeld eigentlich kleinerer Standort mit Paderborn, arbeitet doch ähnlich und vermutlich auch für Verl vorbildhaft.
In Bielefeld hat man die Notwendigkeit stabilerer Strukturen von der sportlichen Grundkonzeption sowie Infrastrukturell, erst mit Einzug des Bündnis erkannt und hinkt daher vergleichsweise noch hinterher, natürlich im Falle von Paderborn auch durch deren damit verbundenen Wachstums durch Transfererlöse, einer stabilen Einnahmesituation und jahrelanger Etablierung im Zuständigkeitsbereich der DFL.
In der 1. Bundesliga gibt es ähnliche Beispiele. Die Spielidee und sportliche Ausrichtung, die in Freiburg seit Jahrzehnten funktioniert, ist vielleicht allein deshalb am Standort Schalke nicht umsetzbar, weil der Anspruch an einen möglichst kurzfristigeren Erfolg immer ein anderer ist, es dem Umfeld schlicht und ergreifend an Geduld mangelt und dieser kaum allgemein tragfähig ist. Da wird dann schneller der Kopf des Trainers gefordert, um möglichst kurzfristig wieder in die Punkte zu kommen und das Volk zu beruhigen. Das ist nicht nur generell kostspieliger, sondern bedarf gerade auch für den Erfolg einen deutlich höheren Finanzmitteleinsatz.
Nach meinen Eindrücken, hat man das bei Arminia erkannt und versucht hier eine "Umerziehung" und wegzukommen von den üblichen Mechanismen, auch weil diese bisher noch keinem Verein der Welt einen konstanten Erfolg und relative Ruhe gebracht haben.