Die Beispiele Augsburg, Mainz und Freiburg zeigen doch gerade, wie so etwas läuft und sind eben kein gutes Argument die Alm kurzfristig in Abrede zu stellen. Freiburg hat sich über Jahre bis Jahrzehnte mit dem Dreisamstadion arrangiert - dass nebenbei bemerkt für den Fußballromantiker deutlich schöner als der neue Kasten geraten ist - bevor ein neues Stadion überhaupt in Angriff genommen wurde. Die sportliche Konstanz und Bodenständigkeit hat den Club überhaupt erst in diese Lage gebracht. Selbiges ist in Mainz mit dem Stadion am Bruchweg der Fall. Es hat viele Jahre gebraucht den Club so aufzustellen, bis er bereit war ein neues Stadion auf die Beine zu stellen. Augsburg hingegen ist mit massiven Investitionen von außen in die Bundesliga gehievt worden und versauert seit dem dort im Mittelfeld. Etwas graueres als den FC Augsburg habe ich im deutschen Fußball noch nicht gesehen. Dazu ein Stadion, dass sofern man nicht auf die seltsame Fassade steht nun so überhaupt nichts besondere zu bieten hat. Ich muss mich offen gesagt selbst immer wieder erinnern, dass der graue Fusionsverein aus Augsburg in der Bundesliga spielt. Es gibt keinen zweiten Club in Deutschland der nichtssagender ist als die Augsburger.
Das sind also eben gerade nicht die Beispiele, die gegen eine Weiternutzung der Alm sprechen. Im Gegenteil die Alm ist genau so ein Stadion mit dem sich Freiburg und Mainz in Position für etwas größeres gebracht haben und Augsburg ist ein totaler Sonderfall im wohlhabenden Bayern.
Daraus folgt, dass auch in dem Fall, dass Arminia den Boom mitnehmen und sich längerfristig erfolgreich oben in der zweiten Liga oder gar höher etablieren könnte es Jahre bis Jahrzehnte dauern wird, bis das Thema konkret wird. Frühstens also in den 2030 Jahren. Und bis dahin muss man natürlich auch weiter in Geld in die Alm stecken! Es ist nicht nur die Pflicht eines Nutzers mit Eigentümer gleichen Rechten den Wert zu erhalten. Es ist auch schlicht erforderlich um die Verkehrssicherheit, den Spielbetrieb und den Komfort aufrecht zu erhalten. Arminia wird nicht attraktiver dadurch das Stadion verlodern zu lassen im Glaube es gäbe absehbar eh etwas neues. Im Gegenteil. So setzt man eine Abwärtsspirale in Gang und gerät irgendwann wegen dem Stadion in Zugzwang und das garantiert zu einem Zeitpunkt wo das nicht zu realisieren ist. Dann bleiben noch mehr Investitionen aus und die Spirale dreht sich fröhlich nach unten.
Abgesehen davon ist es nicht nur die Heimat, sondern die Lebensversicherung des ganzen Clubs, falls sich die ganzen Luftschlösser nicht erfüllen werden. Das mit uns vergleichbare Bochum spielt seit bald 50 Jahren im Ruhrstadion. Ohne die Bude im Rücken wären die lange weg vom Fenster. Und nochmal: Verfall ist immer der Anfang vom Ende und keine Animation für ein neues Stadion. Das gibt es wenn es prima läuft die Alm schön weiter gepflegt wird, sich dort alle wohl fühlen, diese weiter aus allen Nähten platzt und dann, wirklich erst dann denkt man darüber nach, ob es nicht einen schönen kultigen Standort für was neues größeres gibt. Das wäre dann Schritt Nummer 15 oder so.
Abgesehen davon sind die Investitionen in die Alm auch mittelfristig überschaubar. Das Tragwerk macht einen guten Eindruck, neue Sitzschalen wären mal nett, die Korrosion muss in Schach gehalten werden, vor allem das Dach und die Fugen müssen dichtgehalten werden und ein neu gestalteter Haupteingang wäre mal angezeigt seit die Alm-Halle weg ist. Das zusammen kostet im schlimmsten Fall einen niedrigen bis maximal mittleren Millionenbetrag, der durch den Spielbetrieb zu decken sein müsste. Vieles davon sind sowieso Kosten. Und wenn es dann gut läuft, kann man dieses absolute Kultstadion noch 10 bis 15 Jahre genießen und sich im Anschluss was neues aufbauen. Vorausgesetzt der Verein wäre erstmalig in der Lage solange ohne fundamentalen Rückschlag auszukommen. Und falls dieser Rückschlag doch kommen sollte, dann sind wir alle froh, wenn man die Alm in guten Zeiten in Schuss gehalten halt!
Alles andere sind Träumereien und Luftschlössen genau jener Art, warum sich z.B. in Münster über 50 Jahre nichts an der Hammer Straße getan hat und die in einem total heruntergekommen Stadion dahinvegetiert haben, während eine Seifenblase nach der anderen zerplatzt ist. Arminia ist deswegen so lange soweit vor Münster platziert gewesen und wird auch nach deren Umbau das größere Stadion haben, weil man immer den Spatz in der Hand genommen hat als es die Gelegenheit gab und nicht auf Utopien gebaut hat.