Überraschungspotential taxiere ich mal auf 20 Prozent.
Ich hatte vor einigen Wochen die Gelegenheit die Unioner im Spiel gegen den HSV zu beobachten. Ich würde unser Potential etwas höher einschätzen, wenn die Arminen taktisch einiges beachten:
1. Wichtig ist es, die ersten 15 Minuten ohne Gegentor zu überstehen. Steffen Baumgart lässt stets druckvoll beginnen, um dem Gegner einzuschüchtern und ihm seine Spielweise aufzuzwingen. Gegen den HSV gelang das anfangs sehr gut und führte zu einem Elfmeter in der 10. Minute. Nachdem dieser kläglich vergeben wurde, war die Luft bei den Berliner aber irgendwie raus. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ins Spiel zu kommen gelang es den Hamburgern im weiteren Verlauf durch einfach vorgetragene Spielzüge über wenige Stationen mehrmals Nadelstiche zu setzen, die die Unioner sichtbar verunsicherten. Das hätte mit etwas Spielglück zu ein, zwei Treffern für die Hanseaten führen können. Von den Köpenickern war bis auf 2 Möglichkeiten während der Schlussoffensive nicht mehr viel zu sehen.
2. Erhöhte Vorsicht ist bei unscheinbaren Diagonalschüssen in Richtung Eckfahne auf unserer Seite geboten. Im Spiel gegen Werden Bremen spielten die Berliner einen Ball zurück auf Danilho Doekhi. Der Verteidiger holt weit aus, schlägt den Ball diagonal Richtung Eckfahne Die Spieidee dahinter: den Ball absichtlich verlieren. Aber dort, wo der Gegner wenig Zählbares daraus machen kann. Statt eines geordneten Spielaufbaus schlägt einer der Verteidiger den Ball tief in die gegnerische Hälfte, idealerweise in die Nähe der Eckfahne. Der Gegner bekommt zwar den Einwurf aber das eigene Team kann plötzlich hoch anlaufen, den Gegner durch die so erzeugte Überzahl sofort ernorm unter Druck setzen und und so für gefährliche Situationen in Tornähe sorgen. Das hat sich Baumgart offenbar bei Luis Enrique abgeschaut.
3. Stürmer Andrej Ilic, der in Bremen in der 30. Minute wegen Schwindelgefühlen den Platz verlassen musste, könnte am Mittwoch fehlen. Das wäre gut für uns, denn der Serbe, zwar bislang noch ohne Treffer in dieser Spielzeit, war jederzeit druckvoll engagiert und anspielbar. Ähnlich wie F. Klos früher bei uns kann er Bälle erobern, festhalten und verteilen. Über ihn läuft bei Union im Moment sehr viel. Beindruckt hat mich auch Kapitän Trimmel. Der ist zwar bereits 38 Jahre alt besticht aber durch mentale Stärke und vor allem durch physische Präsenz, vor allem wenn ihm was nicht passt und er seine Mitspieler nach vorne treibt. Man sollte versuchen, den möglichst schnell kalt zu stellen. Einig waren sich die Berliner Kommentatoren nach dem Spiel in Bremen aber darüber, dass die Unioner sich im Sturm wiederholt zu harmlos präsentiert haben. Dazu weiterer Fakt: In bislang 8 Saisonspielen blieben die Berliner viermal torlos.
Euphorisch wie manche Arminenanhänger in den sozialen Netzwerken bin aber ich nicht. Sowohl der Heimvorteil als auch das Potential der Manschaft sprechen eindeutig für die Berliner. Trotdem sind bei einer taktische geschlossenen Leistung gewisse Außenseiterchancen nicht komplett unrealistisch. Denn zum einen präsentieren sich die Berliner aktuell eher als durchschnittliches Bundesligateam, zum anderen haben wir uns in der Vergangenheit im "Stadion an der alten Försterei" immer ganz ansehnlich präsentiert und öfters zumindest einen Punkt mitgenommen.
P.S. Sollte irgendjemand über eine Karte verfügen, die er nicht selber nutzen kann, würde ich mich auch über eine sehr kurzfristige Nachricht sehr freuen.

